Saugen bleibt legal

30. November 2011 17:33; Akt: 30.11.2011 19:04 Print

Der Bund hat ein Herz für Musik-Downloader

Der Bundesrat lässt Downloader an der langen Leine. Obwohl angeblich ein Drittel der Bevölkerung über 15 Jahre gratis Musik, Filme oder Games aus dem Netz saugen soll, bleibt das Herunterladen legal.

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Der Bund will keine härteres Vorgehen gegen das kostenlose Herunterladen von Musik oder Filmen aus dem Netz.

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Jede dritte Person über 15 Jahre lädt in der Schweiz Musik, Filme und Spiele aus dem Internet herunter, ohne dafür zu bezahlen. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht, den der Bundesrat am Mittwoch verabschiedet hat und zahlreiche Online-Medien unreflektiert verbreitet haben.

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Schaut man sich das Papier genauer an, fällt auf, dass für die Schweiz keine einzige nationale Studie existiert, die eine solche Aussage über die Anzahl Downloader belegen würde. Es «existieren keine Statistiken von offizieller Seite zur Piraterie im Internet», ist im Bericht zu lesen. Die Autoren haben Zahlen einer niederländischen Studie zum Downloadverhalten auf die Schweizer Bevölkerung hochgerechnet, was im Bericht auch offengelegt wird.

Da die Bevölkerungsstruktur, die Internetdurchdringung und die Kaufkraft in beiden Ländern vergleichbar sind, gehen die Autoren davon aus, dass sich die Zahlen aus den Niederlanden auf die Schweiz übertragen lassen. So kommt die Zahl von 2,61 Millionen potenziellen Downloader zustande, was rund einem Drittel der Bevölkerung entspricht. Konkret rechnen die Autoren mit 2,37 Millionen Musik-Downloader, 0,77 Millionen Film-Downloader und 0,53 Millionen Spiele-Downloader.

Downloaden bleibt legal

Obwohl der Bericht konstatiert, dass Online-Tauschbörsen für Musik, Filme oder Spiele hierzulande intensiv genutzt werden, kommt der Bundesrat zum Schluss, dass das Urheberrecht nicht angepasst werden muss. Zu Deutsch: Das blosse Downloaden bleibt in der Schweiz wie gehabt legal.

Das Internet habe die Nutzung von Musik, Filmen und Computerspielen zwar fundamental verändert. Auf das kulturelle Schaffen in der Schweiz wirke sich dies jedoch nicht nachteilig aus. Denn das Geld, das die Internetnutzer beim kostenlosen Herunterladen sparten, gäben sie weiterhin für den Konsum im Unterhaltungsbereich aus.

Konzerte und Kino statt CD-Käufe

Statt für eine CD zahlen die Konsumenten einfach vermehrt für Konzerte, Kinobesuche oder Merchandising, wie es in dem Bericht heisst. Von dieser Entwicklung seien vor allem die grossen ausländischen Produktionsfirmen betroffen. Diese müssten sich anpassen. Das «nationale Kulturschaffen» werde nicht tangiert.

Die direkte Befragung der interessierten Kreise habe gezeigt, dass eine klare Aussage über die Auswirkungen der Tauschbörsen im Internet nicht möglich sei. Während ein Teil der Künstler und Firmen die technische Entwicklung für ihre Verluste verantwortlich macht, sagen andere, dass in ihrem Bereich die Umsätze seit Jahren stabil geblieben seien. Auch die vorhandenen Studien aus dem Ausland lassen keine eindeutige Schlussfolgerung für die Situation in der Schweiz zu, heisst es im Bericht weiter.

Die Piraterie-Studie aus den Niederlanden legt die Folgerung nahe, dass vielen Downloadern die Rechtslage kaum bekannt sein dürfte. Zudem ist ihnen nicht bewusst, dass sie über Peer-to-Peer Netzwerke ihre Musik oder Filme in der Regel auch anderen Nutzern zugänglich machen, also selbst Inhalte hochladen. In der Schweiz ist das Herunterladen von Liedern oder Filmen im Gegensatz zum Ausland legal, nicht aber der Upload.

Downloads kompensieren Verluste nicht

Kaum zufrieden mit dem Bericht des Bundesrats ist der Dachverband der Tonträgerproduzenten der Schweiz (IFPI): Im Kampf gegen die Piraterie im Internet brauche es bessere gesetzliche Rahmenbedingungen, teilte IFPI im vergangenen Frühling bei der Präsentation der Verkaufszahlen 2010 mit.

Im Jahr 2010 war der Umsatz mit physischen Tonträgern in der Schweiz im Vorjahresvergleich von 144 auf 121 Millionen Franken (-16 Prozent) gesunken. Bezahlte digitale Downloads legten in der Schweiz um 11 Prozent von 23,7 auf 26,3 Millionen Franken zu. Gemäss dem IFPI-Weltverband sind weltweit 95 Prozent der heruntergeladenen Musik immer noch illegal.

Mit dem Bericht erfüllt der Bundesrat ein Postulat von Ständerätin Géraldine Savary (SP/VD) vom März 2010. Der Ständerat hatte den Bundesrat mit der Annahme des Postulats beauftragt, zu prüfen, ob Massnahmen gegen Urheberrechtsverletzungen nötig sind.

(owi/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Marco am 02.12.2011 09:24 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso überrascht?

    Etwas, das von einem DRITTEL der Bevölkerung gemacht wird, ist es lächerlich es verbieten zu wollen.

  • Elias Truttmann am 01.12.2011 18:49 Report Diesen Beitrag melden

    Soviel zur SP, ...

    Besonders interessant an der Geschichte ist, dass ausgerechnet eine SPlerin den Vorstoss eingereicht hat, der auf die Kriminalisierung tausender kleiner Leute hinauslaufen sollte, ... Peinlich!

  • Suugi am 01.12.2011 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Yeayy

    Und ich hab mir gestern Fibre Power 100 bestellt. JDownloader olé!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Micaela am 20.01.2012 11:10 Report Diesen Beitrag melden

    Gute sache und auch zutreffend!

    Gerade dass man das Geld dann fürs Kino oder andere Medien ausgibt ist völlig zutreffend! Dazu komt dass wir in der Schweiz auch überdimensionale Preise für den TV Konsum bezahlen müssen und dies bei ner sehr beschränkten Senderauswahl. Viele Serien könntest du ohne SAT und Abos nie schauen (z.t. nichtmal im Handel), oder eben dem Herunterladen.

  • Philip Dörflinger am 23.12.2011 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Download bleibt in der Schweiz legal!

    Das finde ich doch mal was richtig gutes!

  • Suchender am 02.12.2011 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Alternative, offizielle Plattform?

    Wenn die Online-Film/Musikbörsen Milliardenumsätze machen sollten sich die Plattenlabels und Filmstudios vielleicht mal überlegen, wie sie diese Milliardenumsätze wieder zu sich zurückholen. Mein Tipp: versuchts doch statt mit Rechtsmitteln mal mit einer attraktiven eigenen Onlineplattform. Oder kann mir einer sagen, wo ich die Filme und Serien auf offiziellen Kanälen schauen streamen kann? Immer aktuell und ohne " dieser Medieninhalt ist in ihrer Region zurzeit nicht verfügbar"? Darf auch Werbung enthalten oder etwas kosten, zum Beispiel als Abo. Ich bezahle schliesslich auch für Digital-TV

  • Freier Entwickler am 02.12.2011 11:13 Report Diesen Beitrag melden

    Gut, aber asozial

    Download erlauben, aber Upload nicht, führt zu einem asozialen Verhalten - alle wollen nur noch downloaden, keiner uploaden. Bei unserer linken Politik hätte ich in diesem Fall eigentlich mehr erwartet. Ich finde beides in Ordnung. Was man der Öffentlichkeit aufdrückt (die Musik dröhnt einem ja ständig über das Radio in die Ohren), sollte man bereit sein freizugeben. Im Gegenzug können ja manche Künstler von freier Software profitieren. Diesbezüglich stellt das Internet den sozialistischsten Ort dar. Es gibt ausserhalb des Internets schliesslich genug Möglichkeiten um Geld zu verdienen.

  • Benjamin G. am 02.12.2011 09:42 Report Diesen Beitrag melden

    Schweiz=Schmarotzer?

    Wenn das Downloaden legal ist, der Upload aber illegal...woher kommen dann die Dateien her? Aus dem Ausland etwa? Sind wir Schmarotzer?

    • Beobachter am 06.12.2011 08:53 Report Diesen Beitrag melden

      Du verwechselst da was!

      Der Schmarotzer ist die Musikindustrie!!!

    • Cram Bull am 09.12.2011 12:01 Report Diesen Beitrag melden

      DU verwechselst da was !

      DU HAST KEINE AHNUNG! Die ganzen "kleinen" Künstler kämpfen alle um das Überleben. 75 legale aber 650 illegale Downloads, rechne mal nach was am Ende dem Künstler bleibt. Das reicht meist kaum um den Strom zu bezahlen...

    • Pierre Lang am 07.04.2012 18:28 Report Diesen Beitrag melden

      keine Ahnung .... schon wieder ....

      WIR zahlen alle bei den Speichergeräten, die wir kaufen. Wenn du einen Speicher für private Fotos kaufst, dann kriegen die Produzenten dafür Kohle von dir! Das ist auch Schmarotzertum bzw. halt einfach als Ausgleich für die Gratis Downloads. Schlussendlich dürfte die Rechnung wieder locker aufgehen. Nur jetzt wo kaum mehr Downloads verfügbar sind, verschiebt sich die Rechnung zu Gunsten der Produzenten.

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