Filesharing

06. Juli 2009 11:23; Akt: 06.07.2009 11:41 Print

«Google-Mafia»: Paten der Piraten

von Henning Steier - FriendFeed kombiniert das Beste von Facebook und Twitter, bietet aber zusätzlich einzigartige Funktionen. Bislang heimste die Webseite daher vor allem Lob ein. Doch nun schlagen die Wahrer von Urheberrechten Alarm.

storybild
Fehler gesehen?

Bret Taylor, Sanjeev Singh, Paul Buchheit und Jim Norris entwickelten für einen damals noch viel kleineren Suchmaschinenanbieter aus dem kalifornischen Mountain View unter anderem Googlemail und Google Maps. Belohnt wurde dies unter anderem mit Aktienoptionen, dank denen sie später zu Millionären wurden und sich so ihren Ausstieg bei Google vergoldeten. Wie einige andere Programmierer zählen die vier seitdem zur so genannten «Google-Mafia», deren Mitglieder Start-ups finanzierten. Im Oktober 2007 ging die Vorversion ihrer eigenen Seite friendfeed.com ins Netz. Seit Februar 2008 steht sie jedem offen und ist mittlerweile in zehn Sprachen verfügbar.

Gemäss Selbstschreibung handelt es sich dabei um einen «Service, mit dem du ganz problemlos alles Mögliche mit deinen Freunden online teilen kannst. Interaktiv und auf unterhaltsame Weise entdeckst und diskutierst du Neues mit deinen Freunden. Du bekommst einen ganz individuellen Feed, der aus all den Sachen besteht, die deine Freunde mit anderen geteilt haben — das geht von Fotos über interessante Links und Videos bis hin zu persönlichen Nachrichten, die nur für dich bestimmt sind.»

«Twitter auf Steroiden»

Grob verkürzt versammelt die Website die Beiträge ihrer Nutzer, welche diese auf über 20 Seiten wie Facebook, Flickr oder Twitter posten, auf einer einzigen Seite. Nutzer können Gruppen erstellen und mit wenigen Klicks ihre Freunde einladen. Man kann überdies seine Texte auch bei Twitter und Facebook veröffentlichen. Für letztgenannte Seite benötigt man die entsprechende Anwendung, wer zwitschern möchte, muss nur ein Häkchen in einer Box setzen und sich beim Microblogging-Dienst anmelden. Wer mag, kann seine Seite in Echtzeit aktualisieren und andere durchsuchen lassen, ihr Design ändern, Kommentare zu anderen Beiträgen schreiben und seinen Freunden persönliche Nachrichten schicken. Der beträchtliche Funktionsumfang brachte der Seite Lobeshymnen renommierter Medien ein: So schwärmte Fast Company von einem «Twitter auf Steroiden», für die Financial Times ist damit eine «neue Ära im Web» eingeläutet worden. Unlängst machte FriendFeed aber auch Schlagzeilen, weil iranische Oppositionelle das Angebot nutzten, um die Welt auf dem Laufenden zu halten. Über Userzahlen schweigt sich das Unternehmen allerdings aus.

Dafür gab man kürzlich in einem Blogeintrag bekannt, dass die Mitglieder ab sofort auch andere Dateien als Bilder über die Webseite austauschen können. Laut dem Beitrag von Dan Hsiao sei dies der ausdrückliche Wunsch vieler Geschäftsnutzer gewesen, weil sie so zum Beispiel Präsentationen bequem miteinander teilen können. Mitglieder können ihre Dateien entweder per E-Mail oder aber über einen «Hinzufügen»-Button im Profil hochladen. Allerdings scheint FriendFeed keine Filter eingebaut zu haben, dem im Kurz-Test von 20 Minuten Online konnten problemlos urheberrechtlich geschützte Songs und Bücher, aber auch pornographische Bilder auf die Seite gebracht werden. Per Rechtsklick liessen sie sich überdies herunterladen.

Provider am Pranger

«Die Seitenbetreiber müssen sofort handeln und das Hochladen urheberrechtlich geschützter Inhalte verhindern. Filtermechanismen sind einzurichten», forderte Roger Chevallaz im Gespräch mit 20 Minuten Online. Der Sprecher der Schweizerischen Vereinigung zur Bekämpfung von Piraterie (SAFE) sieht auch die Politik gefordert, denn «die Provider argumentieren seit Jahren, sie seien nur die Anbieter von Strassen und könnten nicht dafür verantwortlich gemacht werden, was auf ihnen unterwegs ist.» Nicht zuletzt gehe es hier auch um das Thema Jugendschutz, denn jeder Minderjährige könne sich leicht im Web beispielsweise Pornographie, Gewaltdarstellungen und nicht freigegebene Computerspiele besorgen. «Da ist es umso ärgerlicher, dass man auf politischer Ebene zurzeit kein wichtigeres Jugendschutzthema als die einheitliche Regelung für Kinofilmfreigaben und die Kennzeichnung von DVD mit Altersfreigaben zu kennen scheint, sich aber die Politik um illegale Inhalte im Internet und die Haftung für deren Verbreitung nicht wirklich kümmern will», kritisierte Chevallaz.

Ana Yang von FriendFeed verwies gegenüber 20 Minuten Online auf die Nutzungsbedingungen der Website, denen zufolge man User-Accounts löscht, wenn diese wiederholt beispielsweise urheberrechtlich geschützte Musik hochladen. «Ohnehin haben wir das Tool darauf ausgerichtet, dass Gruppen kleine Dokumente austauschen können», sagte Yang. Im Test war es aber auch problemlos möglich, zehn Megabyte grosse Songs auf FriendFeed zu stellen. Der Account wurde selbst nach einer Woche nicht gesperrt.

Dass die FriendFeed-Macher mit den Pirateninhalten auch noch Geld verdienen, brauchen deren rechtmässige Besitzer aber vorerst nicht zu befürchten, denn bislang ist das Angebot werbefrei. «Bislang kümmern wir uns statt um Werbekunden lieber um eine Verbesserung des Angebots», betonte Ana Yang. Ob darunter auch fällt, dass Mitglieder bald weitere Dateien wie Filme tauschen können, wollte sie nicht sagen.