Filesharing

08. April 2009 11:01; Akt: 22.05.2009 16:09 Print

Google macht es Piraten leicht

von Henning Steier - Mit der Funktion «Suggest» will der Suchmaschinenanbieter seinen Nutzern helfen, alles leichter im Netz zu finden. Davon profitieren aber auch Surfer, denen Urheberrechte egal sind.

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Als Google vor einer Woche sein Vorschlagsfeature «Suggest» in der Schweiz einführte, hiess es in der zugehörigen Pressemitteilung: «Wenn man beispielsweise einen Song im Kopf hat, aber einem der Titel nicht einfällt, kann «Google Suggest» die Rettung sein». Mittlerweile ist klar, dass diese Worte mindestens eine weitere Bedeutung haben. Denn wer beispielsweise «Madonna» und «Music» in die Suchmaske eingibt, dem schlägt Google sogleich «Madonna Music torrent» als erste Anfrage vor. Startet man diese, erhält man Links auf Seiten wie The Pirate Bay. Dort braucht man nur noch eine kleine Datei, den so genannten Torrent, herunterzuladen, diesen mit einem Programm zu öffnen und schon landet das Album auf dem eigenen Computer.

Auch Piraten, welche die Namen teurer Software wie «Adobe Photoshop CS4» und «Microsoft Office 2007» bei Google eingeben, werden schnell fündig. Ausser Links zu Torrent-Trackern erhalten sie auch Treffer von Seiten, auf denen Links zu Portalen wie Rapidshare zu finden sind. Auch hier lassen sich urheberrechtlich geschützte Inhalte problemlos herunterladen. «Suchmaschinen wie Google sind eine Abbildung von dem, was im Internet existiert - und keine Inhalte-Editoren», sagte Google-Sprecher Matthias Meyer 20 Minuten Online. «Was wir mit «Google Suggest» zu erreichen versuchen, ist, die Popularität eines beliebigen Suchbegriffs zu ermitteln; dies erlaubt uns, dem Benutzer Vorschläge zu machen, während sie oder er etwas in das Suchfeld eintippt», so Meyer weiter. Die Vorschläge würden von Google-Rechnern geliefert. Natürlich könne es vorkommen, dass unangebrachte Vorschläge generiert würden, man verbessere die Filter aber ständig. Nutzer, denen Suchvorschläge auffallen, die zu problematischen Seiten führen, können Google diese über ein spezielles Formular mitteilen.

Lücken bei Yahoo

Microsofts Live Search bietet ein Tool wie «Suggest» bislang nicht an. Bei der Konkurrenz von Yahoo, die ihren so genannten «search assist» hierzulande noch nicht, aber bereits 2007 in Deutschland startete, findet man zwar keine Filesharing-Vorschläge mit Begriffen wie «torrent», «keygen» oder «rapidshare». «Suchvorschläge werden von uns redaktionell, also von Menschenhand, überprüft», sagte Yahoo-Sprecherin Judith Sterl 20 Minuten Online. Tippt man allerdings beispielsweise «Britney Spears Circus», kommt als erster Vorschlag «britney spears circus download rar». Dieser führt einen wiederum auf eine Seite mit Rapidshare-Links. «Lücken können wir natürlich nie ganz ausschliessen, und in einem solchen Einzelfall freuen wir uns über jeden Hinweis», ergänzte Sterl.

Piraten verursachen Millionenschäden

Die Schweizerische Vereinigung zur Bekämpfung der Piraterie (SAFE) schätzt, dass allein die Filmindustrie hierzulande wegen Piraterie jährlich Umsatzeinbussen von rund 90 Millionen Franken erleidet. Die Musikbranche verliert laut dem Branchenverband Ifpi etwa 25 Millionen Franken pro Jahr. Allein seit dem Jahr 2003 sind hierzulande bereits mehr als 600 Stellen im Bereich der Musikwirtschaft gestrichen worden.

«Zu den zukünftigen Leitmärkten gehörend, werden die Kreativ-Wirtschaften immer mehr Menschen Arbeit geben und damit den Lebenserwerb sichern. Dies kann nur durch einen effektiven Schutz des geistigen Eigentums gewährleistet sein», sagte Jan Scharringhausen, Geschäftsführer der SAFE, 20 Minuten Online. Google Suggest in seiner aktuellen Form gefährde dieses Wirtschaftsmodell, da offenbar unkontrolliert Vorschläge gemacht werden – so auch regelmässig für illegal angebotene Inhalte der Film-, Musik-, Verlags,- und Softwarebranche. Nun erkenne nicht jeder Internetnutzer auf Anhieb, dass Google ihm auch Seiten vorschlägt, die ausschliesslich illegale Angebote enthalten. «Im Sinne der Rechteinhaber sowie des Verbraucherschutzes hält die SAFE daher eine wie auch immer geartete Kontrollinstanz bei diesem neuen Dienst für unumgänglich. Deshalb suchen wir derzeit das Gespräch mit Google», kündigte Scharringhausen an.