«#OpSony»

06. April 2011 14:43; Akt: 07.04.2011 12:27 Print

Krieg gegen Sony

Anonymous hat im Internet einen Rachefeldzug losgetreten. Nicht nur die Sony-Manager sind ins Visier des Hacker-Kollektivs geraten, auch den Familien droht Ungemach.

storybild

Sony-Manager Jack Tretton sieht sich einer Bedrohung unbekannten Ausmasses gegenüber. (Bildmontage: 20 Minuten Online / Bild: Keystone)

Zum Thema
Fehler gesehen?

«Hat denn niemand IRGENDWELCHE Informationen über Stringers Kinder gefunden?» So beschwert sich angeblich ein Mitglied des weltweiten Hacker-Kollektivs Anonymous gegenüber Gleichgesinnten. Der Konflikt mit Sony sei auf eine neue Eskalationsstufe gehoben worden, berichtet PlayStation LifeStyle. Demnach versucht eine Anonymous-Gruppierung namens SonyRecon fieberhaft, persönliche Daten von Sony-Mitarbeitern zu sammeln.

Im Visier sind nicht nur die Führungspersonen, sondern auch deren Angehörige. So wurde laut Chatprotokoll gezielt nach Informationen über die Kinder von Sony-Chef Howard Stringer gesucht. Inzwischen sollen deren Namen ebenso wie die Namen anderer Kinder von Sony-Mitarbeitern in einer Anonymous-Liste erfasst worden sein. Wie auch die Telefonnummern der Eltern, Postadressen und andere sensible Daten - ja, sogar der Name der Exfrau eines Sony-Managers sei aufgelistet. Diese Informationen könnte Anonymous nutzen, um beträchtlichen Schaden anzurichten.

Cyber-Mobbing und andere Straftaten

Die Rede ist von sogenannten «Dox»-Attacken. Dabei werden persönliche Daten wie Namen, Telefonnummern, Bilder, Adressen oder Familiendetails der Sony-Mitarbeiter gesammelt und gegen sie verwendet. So könnten beispielsweise kostenlose Erotik-Inserate geschaltet werden im Internet, unter dem richtigen Namen und der Telefonnummer der Männer. In Angst versetzen würde man die Opfer auch mit anonymen Anrufen oder gefälschten virtuellen Postkarten. Darin würde beispielsweise gegenüber den Ehefrauen der Verdacht genährt, ihr Partner habe sich mit einer Geschlechtskrankheit angesteckt oder sei gar HIV-positiv.

Nur zur «Aufklärung»?

Ob bereits solche kriminellen Taten ausgeführt wurden, ist nicht bekannt. Die Informationen seien nur zu Aufklärungszwecken gesammelt worden, versicherte ein Anonymous-Mitglied via Internet-Chat, wie MyCE.com berichtet. Man wolle einfach möglichst viel herausfinden über den Gegner.

Bekanntlich funktioniert Anonymous als weltweites Kollektiv ohne Führungsstrukur. Ist erst einmal ein gemeinsames Feindbild definiert, bilden sich Ad-hoc-Gruppen, um verschiedene Aktionen zu planen und oftmals spontane Angriffe auszuführen. Innerhalb des Kollektivs herrschen grosse Meinungsverschiedenheiten über das richtige Vorgehen. Entsprechend vielfältig fallen auch die Kommentare der Anonymous-Mitglieder zu den jüngsten Medienberichten aus. Verschiedentlich wird Kritik laut, dass solche illegalen «Dox»-Attacken zu weit führten. Einzelne «verrückte Kids» würden dadurch den Ruf des Hacker-Kollektivs zerstören und der gemeinsamen Sache schaden.

Am Sonntag angekündigt

Am vergangenen Sonntag hatte Anonymous den Rachefeldzug gegen Sony auf anonnews.org angekündigt. Als Anlass wurden die juristischen Schritte von Sony gegen die PlayStation-3-Hacker GeoHot und Graf_Chokolo genannt. Der Unterhaltungskonzern geht juristisch gegen die beiden jungen Männer vor. Er wirft ihnen vor, den Kopierschutz der populären Spielkonsole ausgehebelt zu haben. George Hotz alias GeoHot muss sich derzeit in Kalifornien vor Gericht verantworten. Gegen den Deutschen Alexander Egorenkov alias Graf Chokolo wurde laut heise.de eine Zivilrechtsklage eingereicht. Der Streitwert belaufe sich auf eine Million Euro.

Server lahmgelegt

Anonymous wirft Sony den Missbrauch des Justiz-Systems vor. Mit den Klagen gegen die Hacker wolle der Konzern Informationen über die Funktionsweise der Geräte unterdrücken, die eigentlich allen frei zugänglich sein müssten. Dies sei nicht zu verzeihen. «Ihr habt ein Hornissennest entdeckt und eure Penisse reingesteckt - jetzt müsst ihr mit den Konsequenzen leben», heisst es in der schriftlichen Kampfansage.

Laut verschiedenen Medienberichten waren die Sony-Server am Dienstag vorübergehend überlastet; die Webseiten Sony.com sowie Playstation.com waren nicht zu erreichen und auch das PlayStation-Netzwerk wurde in Mitleidenschaft gezogen. Auch wenn Sony die Angriffe nicht bestätigte, sondern von Wartungsarbeiten sprach: Die Symptome liessen auf DDoS-Attacken schliessen - eine beliebte Angriffstechnik, die Anonymous in der Vergangenheit gegen verschiedene andere Ziele wie Mastercard und PayPal eingesetzt hatte. Dabei werden die Server gleichzeitig mit einer Vielzahl von Anfragen bombardiert, bis sie unter der Last zusammenbrechen. Am Mittwoch waren die besagten Sony-Webseiten wieder normal erreichbar.

Update 7. April, 12:00 Uhr

Zumindest vorübergehend soll es laut Anonymous keine weiteren Attacken mehr auf das Playstation Network (PSN) geben. Dies schreibt das Hacker-Kollektiv in einem «Update» auf anonnews.org. Es sei keine gute Idee gewesen, das Spiele-Netzwerk ins Visier zu nehmen, heisst es mit Bezug auf die DDoS-Attacken. Diese Angriffe hat Sony inzwischen gegenüber Gamespot.com eingeräumt. Anonymous will nun nach anderen Methoden suchen, um Sony anzugreifen.

(dsc)