Real time Search

19. März 2010 08:32; Akt: 21.03.2010 18:24 Print

Google gibt GasGoogle gibt Gas

von Henning Steier - Als erster Anbieter wird der Marktführer in Kürze seine Echtzeit-Suche in die Schweiz bringen. Sie liefert unter anderem Treffer von Twitter und Facebook. Mit einem Trick kann man sie schon heute nutzen.

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Googles Echtzeit-Suche lässt sich in der Schweizer Version mit einem Trick schon jetzt nutzen.

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Schicksale schweissen die Menschen nicht nur in der realen, sondern auch in der virtuellen Welt zusammen: Wenn ein Pilot auf dem Hudson River in New York notlandet oder ein Schüler in Winnenden 17 Menschen und sich selbst erschiesst, sind die neuesten Entwicklungen oftmals auf Seiten wie Twitter und Facebook zu finden. Ungefiltert und damit ungeprüft, dafür aber nahezu ohne zeitliche Verzögerung erreichen sie ihr Publikum. Wer Tweets und Status Updates für die Web-Öffentlichkeit freigibt, dessen Beiträge werden mittlerweile von Suchmaschinen gefunden und sind damit von jedem Surfer lesbar - ein Grund mehr, sich genau zu überlegen, wie viel man von sich im preisgeben möchte.

Wie Dylan Casey, Senior Product Manager bei Google, gestern in einer Telefonkonferenz mit Journalisten ankündigte, könnten sich ab heute auch Europas Nutzer unter anderem Beiträge von Twitter, FriendFeed und Facebook anzeigen lassen - sowohl über die Desktop-Suche als auch mit Android-Handys und iPhones. Ausserdem werden aktuelle Blogeinträge in die Echtzeit-Suche integriert und lassen sich über die Schaltfläche «aktuellste Ergebnisse» anzeigen. Die Trefferseiten aktualisieren sich automatisch, sobald neue Inhalte eingestellt werden. «Alternativ und in Kombination zu der zeitlichen Einschränkung lassen sich die Ergebnisse mit dem Filter «Updates» auf Echtzeitquellen wie Twitter, FriendFeed und anderen Mikro-Blogs einschränken», hiess es heute in einer Medienmitteilung von Google Deutschland. Nach eigenen Angaben will Google pro Tag mehr als eine Milliarde Dokumente auf Aktualisierungen überprüfen und mehrere hundert Millionen Änderungen von Suchergebnissen für den User zugänglich machen. Die Echtzeit-Ergebnisse sind daran erkennbar, dass sie in Sprechblasen eingebettet sind. «Kürzlich hatten wir hier in Kalifornien einen Stromausfall», erzählte Casey, «also schaltete ich morgens mein Notebook ein und googelte über die Netzverbindung meines Handy-Providers nach Informationen. Ich fand vor allem Tweets und Status Updates für meine Gegend, dank denen ich sofort erfuhr, was los war.» In Deutschland ist die neue Funktion schon aufgeschaltet worden. Die Schweiz könnte schon bald folgen. Denn Matthias Meyer, Sprecher von Google Schweiz, sagte 20 Minuten Online: «Wir haben begonnen, die Funktion zu integrieren, sie wird in den nächsten Tagen auch auf google.ch sichtbar sein.» Wer auf der Schweizer Startseite der Suchmaschine die Spracheinstellung Englisch wählt, kann die Echtzeitsuche aber bereits schon jetzt nutzen, indem er eine Anfrage eingibt und dann über «Show Options» die Schaltfläche «Updates» auswählt.

Anfang Dezember in den USA gestartet

Im Dezember hatte Google begonnen, Surfern in den Vereinigten Staaten unter anderem Treffer von Twitter, FriendFeed und Jaiku anzuzeigen, wenn sie unter Optionen den Button «Updates» anklicken. Die Suchmaschine zeigte immer mehr US-Nutzern bereits seit Ende Februar auch Updates von Facebook Pages an. Diese werden beispielsweise von Unternehmen oder Prominenten genutzt. Voraussetzung für eine Aufnahme in Googles Index ist, dass die Facebook-Seiten jeweils mehr als 5000 Fans haben. Konkurrent bing hat allerdings auch schon Statusmeldungen privater Nutzer in seinen Index aufgenommen, sofern sie diese freigegeben haben. Allerdings werden sie noch nicht angezeigt. Wie 20 Minuten Online berichtete, berücksichtigt Google seit kurzem als erster Suchmaschinenanbieter Fotos, Blog-Posts und Statusmeldungen von MySpace-Usern. Wann die Echtzeit-Suchen von Yahoo und bing hierzulande verfügbar sein werden, ist noch unklar. Yahoo hat im Dezember begonnen, seinen Usern in den USA Twitter-Treffer zu präsentieren. Wie viel die Suchmaschinenbetreiber Unternehmen wie Twitter und Facebook für die Aufnahme der Nutzerbeiträge bezahlen müssen, ist nicht bekannt.

PuSH-Feeds für Webseitenmacher

Anfang März hatte Dylan Casey auf dem Branchen-Treff Search Marketing Expo im kalifornischen Santa Clara eine neue Form der Echtzeit-Suche angekündigt. Grob verkürzt, soll Google planen, beispielsweise Medienhäuser eine Technologie namens PubSubHubbub (PuSH) in ihre Websites implementieren zu lassen. Dann könnten Googles Rechner noch schneller erkennen, welche Inhalte neu sind, diese mit weniger Verzögerung in den Index aufnehmen und somit dem Nutzer schneller präsentieren. PuSH-Feeds sind auch für Webseitenbetreiber interessant, deren Angebote von Googles Crawlern bislang nur selten besucht wurden. Denn nun dreht sich der Spiess um - Inhalteanbieter teilen den Rechnern quasi von sich aus mit, wenn etwas Neues auf ihren Seiten zu finden ist.

Laut Danny Sullivan, Macher der Search Marketing Expo, sollte Google allerdings einen äusserst leistungsfähigen Spam-Filter verwenden, denn wenn die Inhalte nahezu in Echtzeit in den Index aufgenommen werden, dürfte dies viele Spammer anziehen. Weil PubSubHubbub ein offenes Protokoll ist, könnten die Feeds auch von Konkurrenten wie Microsofts Suchmaschine bing oder Yahoo genutzt werden. Wann Google PubSubHubbub für die Websuche starten wird, ist noch nicht bekannt. Google nutzt es bereits in seinem RSS-Angebot FeedBurner, im Google Reader, in der Blogplattform Blogger sowie für Google Alerts.

Gemeinsamer Angriff auf Google

Die Kartellwächter der USA und der EU hatten Mitte Februar ein Abkommen von Microsoft und Yahoo gebilligt. Mit ihrer Allianz rücken Microsoft und Yahoo an Marktführer Google heran, können diesen bislang aber nicht überholen. Laut den Analysten von NetApplications verzeichnete Google im Februar weltweit knapp 86 Prozent aller Suchanfragen, Yahoo folgte mit etwa sechs bing kam auf rund drei Prozent. Die für zehn Jahre vereinbarte Partnerschaft der bisherigen Konkurrenten sieht vor, dass Yahoo die Microsoft-Suchmaschine bing einführt. Yahoo erhält 88 Prozent der Einnahmen, die auf den eigenen Seiten aus der Werbung mit Suchanfragen bei bing erzielt werden. Dafür wird nur noch Yahoo den wichtigsten Kunden der beiden Firmen Suchmaschinen-Anzeigen verkaufen.