Online-Projekt

01. November 2009 10:43; Akt: 01.11.2009 10:44 Print

Facebook für den FriedenFacebook für den Frieden

Was der Politik nicht gelingt, soll die Online-Community vollbringen: Friede auf Erden, und zwar schon in wenigen Jahrzehnten. Dies ist das Ziel eines Projekts der Stanford University, das von Facebook unterstützt wird.

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Soziale Netzwerke sind in, Facebook zählt bereits rund 300 Millionen Mitglieder, die weltweit Freundschaften knüpfen. Dieses Potenzial will das Persuasive Technology Lab an der Universität Stanford in Kalifornien – das sich eigentlich mit der möglichst effizienten Verbreitung von (Werbe-)Botschaften beschäftigt – für ein ambitiöses Ziel nutzen: Menschen aus untereinander oft tief verfeindeten Gruppen zusammenführen.

Die Plattform peace.facebook.com ermutigt Israelis und Palästinenser, Albaner und Serben, Christen und Juden oder Liberale und Konservative in den USA dazu, sich anzufreunden und Vorurteile und Spannungen zu überwinden. Die Entwicklung des im Mai gestarteten Projekts wird auf der Seite grafisch dargestellt. Dabei zeigt sich, dass sich die Freundschaften zwischen Griechen und Türken flott entwickeln. Harzig, aber doch positiv entwickelt sich die Kurve zwischen Indern und Pakistanern.

Frieden in 50 Jahren?

Ausserdem werden täglich Facebook-Mitglieder in ausgewählten Ländern gefragt, ob der Weltfrieden innerhalb der nächsten 50 Jahre möglich ist. Mit interessantem Ergebnis: im bürgerkriegsgeplagten Kolumbien und in Ägypten glauben rund 30 Prozent daran. Sogar die Israelis sind mit mehr als 20 Prozent relativ optimistisch, während in den USA und Deutschland nur rund 10 Prozent das Ziel für erreichbar halten.

Noch optimistischer ist B.J. Fogg, Direktor des Persuasive Technology Lab. Er glaubt, dass ein «substanzieller Weltfrieden» in den nächsten 30 Jahren erzielt werden kann, sagte er dem «Guardian». Der Schlüssel dazu sei Innovation. Sie könne den Menschen helfen, die Grundbedürfnisse zu befriedigen, etwa Zugang zu sauberem Wasser.

«Das sind die Wurzeln des Friedens. Wir können neue Wege finden, um diese Wurzeln zu stärken», so Fogg. Die Facebook-Plattform ist dabei nur Teil eines grösseren Projekts unter dem Namen Peace Dot. Es will Menschen, Unternehmen und Gruppen aller Art dazu ermutigen, Websites mit dem «peace.»-Zusatz zu kreieren und Initiativen zur Friedensförderung zu starten und laufende Programme zu fördern.

Weg ist noch weit

Wie weit der Weg zum ewigen Frieden noch ist, zeigen zwei Kurven auf peace.facebook.com: Jene der Freundschaften zwischen Juden und Muslimen sowie zwischen Sunniten und Schiiten befinden sich seit Projektstart praktisch auf dem Nullpunkt, mehr als ein paar Hundert Freundschaften haben sich nicht entwickelt (jene zwischen Christen und Muslimen hingegen entwickelt sich positiv).

B.J. Fogg lässt sich nicht entmutigen, er glaubt an das Potenzial des Internets zur Verbreitung von Friedensbotschaften. Selbst Persönlichkeiten wie Barack Obama oder der Dalai Lama stiessen an Grenzen, sagte er dem «Guardian». Mit Technologie könnten diese überwunden werden: «Die effektivsten Friedensstifter werden über ihre Gemeinschaft hinaus Einfluss haben, dank technologischer Innovation.»

(pbl)