Per Mausklick zum Rausch

06. Juni 2011 08:34; Akt: 06.06.2011 12:21 Print

Das «eBay» für Drogen

Ob LSD, Ecstasy oder Heroin: Die Untergrund-Website «Silk Road» gilt als Umschlagplatz für illegale Substanzen. Jetzt machen zwei US-Politiker dagegen Front.

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Die «Silk Road»-Website ist nur über technische Umwege zu finden. Besucher können dort online harte Drogen wie Kokain einkaufen und mit digitaler Währung bezahlen. (Symbolbild: Keystone)

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Zwei US-Senatoren fordern ein energisches Vorgehen der Behörden gegen eine gut abgeschirmte Website, über die anonym harte Drogen vertrieben werden. Die Senatoren Charles Schumer und Joe Manchin wollten dazu nach eigenen Angaben am Sonntag das US-Justizministerium und die Drogenbehörde einschalten. Auf der Seite, die laut Schumer erst seit Februar in Betrieb ist, werden Substanzen wie Heroin, Kokain und Methamphetamine gehandelt.

Schumer und Manchin, beide Mitglieder der Demokratischen Partei von Präsident Barack Obama, fordern die Behörden zur Schliessung der Seite und zu Ermittlungen auf. Nie zuvor habe eine Website so dreist mit Drogen gehandelt, sagte Schumer. Dazu werde ein Netzwerk eingesetzt, das die Identität von Käufer und Verkäufer verschleiere. «Diese unverfrorene Seite» müsse sofort abgeschaltet werden, forderte Manchin.

Bezahlen mit Bitcoin

Die Rede ist von «Silk Road». Die Untergrund-Website ist nach einer uralten Handelsroute benannt, der Seidenstrasse. Wer Silk Road besuchen will, muss gewisse Computer-Kenntnisse mitbringen. Sie ist nur über das Anonymisierungs-Netzwerk Tor zu erreichen. Dank Tor soll die Identität von Käufern und Verkäufern geheim gehalten werden. Bezahlt wird mit der digitalen Währung Bitcoin. Die Betreiber von Silk Road wie auch manche Besucher verstehen sich offenbar als Anarchisten. Anstatt den bösen Staat mit Steuer-Dollars zu unterstützen, solle man seine Energie lieber in Schwarzmärkte stecken, sagte eine Aktivistin im Chat.

Ein US-Journalist hat dem Online-Laden für harte und weiche Drogen einen Besuch abgestattet und kommt zu einem erstaunlichen Befund. Weil sich die Verkäufer sicher fühlten, gebe es praktisch keine Tabus. Im Angebot gebe es praktisch alles – mit Ausnahme vielleicht von waffenfähigem Plutonium. Geliefert werden die Drogen per Post, in möglichst unauffälliger Verpackung. Die Verkäufer werden vom Betreiber der Website auch aufgefordert, ihre Waren möglichst schlau zu tarnen.

Bewertungssystem mit Sternen

Wer bei Silk Road einkaufen will, muss ein anonymes Konto einrichten und zunächst einige Bitcoins einzahlen. Daraufhin kann man durchs Angebot stöbern und mit den unbekannten Verkäufern in Kontakt treten. Wie bei Ebay gibt es ein Beurteilungssystem für Händler und Kunden. Wer also mit einem bestimmten Deal zufrieden ist, kann dies anderen potenziellen Käufern auf der Untergrund-Website kundtun.

Die Besucher von Silk Road sollten sich allerdings trotz gegenteiliger Versprechen nicht allzu sicher fühlen. Nachdem die Untergrund-Website ins Visier der Behörden geraten ist, droht allen Beteiligten Ärger. Knackpunkt dürfte das Bezahlen sein. Wie ein Bitcoin-Entwickler sagte, werden sämtliche Transaktionen in einem öffentlichen Log aufgezeichnet. Die Identitäten der Beteiligten werden dabei zwar nicht offengelegt. Doch den Strafverfolgern dürfte es dank Netzwerk-Analyse trotzdem gelingen, jede Transaktion zurückzuverfolgen.

Bitcoin sei grundsätzlich ein sicheres anonymes Zahlungsmittel, sagte der Entwickler. Wer damit aber im grossen Stil Drogen einkaufe, sei ziemlich dumm.

(dsc/ap)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hofmann am 06.06.2011 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Albert

    Der Krieg gegen die Drogen ist verloren. Das sollte langsam aber sicher auch der hinterletzte und konservativste Politiker erkennen. Eine kontrollierte Abgabe würde Milliarden sparen, die man zurzeit gegen diesen nicht zu gewinnenden Krieg herauswirft. Nicht zu vergessen alle Menschenleben, die in diesem Krieg ihr Leben lassen. Zudem könnte man dadurch die Prävention und Aufklärung verbessern.

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  • marcel thalmann am 06.06.2011 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    coool

    so wird Werbung in den Medien gemacht.

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  • Hansrüdiger am 08.06.2011 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Drugs@Work

    Für Drogen muss ich glücklicherweise keine Webseite aufrufen, da ich bei einer Grossfirma und dann erst noch ein einem Callcenter arbeite, da bekommt man alles was man will, vielleicht sogar waffenfähiges Plutonium :-P Drogen sind so verbreitet im Alltag, wer konsumieren will, der wird. Ich habe noch nie von jemandem gehört, dass er keine Drogen nimmt, weil es verboten ist oder weil er Angst vor der Polizei hat. Schliessllich nehmen ja auch Polizisten Drogen, nicht mehr und nicht weniger als der Rest der Gesellschaft.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hansrüdiger am 08.06.2011 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Drugs@Work

    Für Drogen muss ich glücklicherweise keine Webseite aufrufen, da ich bei einer Grossfirma und dann erst noch ein einem Callcenter arbeite, da bekommt man alles was man will, vielleicht sogar waffenfähiges Plutonium :-P Drogen sind so verbreitet im Alltag, wer konsumieren will, der wird. Ich habe noch nie von jemandem gehört, dass er keine Drogen nimmt, weil es verboten ist oder weil er Angst vor der Polizei hat. Schliessllich nehmen ja auch Polizisten Drogen, nicht mehr und nicht weniger als der Rest der Gesellschaft.

  • Benzino Gasolini am 06.06.2011 13:20 Report Diesen Beitrag melden

    Zurückverfolgen geht technisch nicht.

    "Doch den Strafverfolgern dürfte es dank Netzwerk-Analyse trotzdem gelingen, jede Transaktion zurückzuverfolgen." Diese Aussage ist falsch. Was soll das bitte für eine "Netzwerk-Analyse" sein? Mit Bitcoins kann man sich für jede Transaktion ein neues Konto anlegen. Zwischen Sender und Empfänger findet keine direkte Kommunikation statt, sondern zwischen Sender und Minern und Empfänger und Minern. Diese ist verschlüsselt. Die eingesetzte Public/Private-Key-Verschlüsselung wird von Krypto-Experten als sicher eingestuft. Liebe Redakteure, beschränkt Euch auf Fakten und vermeidet Spekulationen.

    • hugo löchler am 10.06.2011 22:38 Report Diesen Beitrag melden

      absolut korrekt

      absolut korrekt

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  • P.P. am 06.06.2011 11:16 Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Ach schade, ich dachte schon da würde ich endlich mein benötigtes Plutonium bekommen...

  • Hofmann am 06.06.2011 10:00 Report Diesen Beitrag melden

    Albert

    Der Krieg gegen die Drogen ist verloren. Das sollte langsam aber sicher auch der hinterletzte und konservativste Politiker erkennen. Eine kontrollierte Abgabe würde Milliarden sparen, die man zurzeit gegen diesen nicht zu gewinnenden Krieg herauswirft. Nicht zu vergessen alle Menschenleben, die in diesem Krieg ihr Leben lassen. Zudem könnte man dadurch die Prävention und Aufklärung verbessern.

    • W.T. am 06.06.2011 12:41 Report Diesen Beitrag melden

      Qui bono?

      Ja, aber der «Krieg gegen Drogen» spült dafür Geld in andere Taschen, Sicherheitfirmen, Waffenhändler, etc. pp. Der Krieg gegen Drogen ist mittlerweile ein genauso lukratives Geschäft geworden, wie der Handel mit Drogen.

    • regula stark am 14.06.2011 11:13 Report Diesen Beitrag melden

      Aber...

      ...der Staat könnte sich an der Besteuerung staatlich kontrollierter Herstellung und Handel von Drogen eine goldene Nase verdienen...

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  • marcel thalmann am 06.06.2011 09:43 Report Diesen Beitrag melden

    coool

    so wird Werbung in den Medien gemacht.

    • dev0 am 06.06.2011 12:12 Report Diesen Beitrag melden

      for free

      Und erst noch gratis ;)

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