Filesharing

17. April 2009 11:49; Akt: 17.04.2009 16:25 Print

The Pirate Bay: Macher sollen ins Gefängnis

Vor dem Prozess hatten sich die Macher der Tauschbörse noch siegessicher gegeben. Ein Stockholmer Gericht hat ihnen heute eine schwere Niederlage zugefügt.

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Peter Sunde (rechts) und Gottfrid Svartholm von The Pirate Bay. Bild: Keystone/Composing

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Fredrik Neij (30), Gottfrid Svartholm (24), Peter Sunde (30) und Carl Lundström (48) wurden heute in Stockholm zu einer Haftstrafe von jeweils einem Jahr verurteilt. Sie kündigten an, in Berufung zu gehen. «Wir rechnen mit einem Sieg, sind aber auch auf eine Niederlage vorbereitet, damit uns diese nicht aus der Bahn wirft», hatte Sunde vor drei Wochen 20 Minuten Online gesagt.

Die vier Angeklagten sollen ausserdem Schadenersatz in Höhe von umgerechnet etwa 4,1 Millionen Franken an verschiedene Musik- und Filmunternehmen zahlen, darunter Warner Bros, Sony Music Entertainment, EMI und Columbia Pictures. Schon vor dem Urteil hatten die Angeklagten angekündigt, im Falle eines Schuldspruchs in die Berufung zu gehen. Den Betreibern von The Pirate Bay wurde vorgeworfen, Millionen Internetnutzern ein Forum für den kostenlosen Download von Musik, Filmen und Computerspielen geboten und sie damit ermutigt zu haben, Urheberrechte zu verletzen. Die Angeklagten verwiesen darauf, dass die Website selbst kein urheberrechtlich geschütztes Material zum Download bereitgehalten habe. Sie vermittelte lediglich entsprechende Verbindungen.

22 Millionen Nutzer

Das Urteil könnte Auswirkungen für Internetnutzer in aller Welt haben. Dabei geht es um die Frage, wann genau beim Herunterladen einer Datei das Urheberrecht verletzt wird beziehungsweise bis zu welchem Punkt der Betreiber einer Website nur eine technische Infrastruktur zur Verfügung stellt. Auf der Pirate-Bay-Website gibt es nur sogenannte Torrent-Dateien. Das sind kleine Metadaten-Pakete, die den gleichzeitigen Download grosser Dateien im weltweiten Netz ermöglichen. Die Klärung urheberrechtlicher Fragen - letztlich die Bezahlung - wird dem Nutzer überlassen, der die Datei auf seinen PC lädt. Pirate Bay hat Schätzungen zufolge 22 Millionen Nutzer und ist damit eine der grössten Seiten ihrer Art.

Für den Prozess wurde eigens eine Website eingerichtet, und die Angeklagten hielten ihre Unterstützer mit Hilfe des Micro-Blogs Twitter über den Stand des Verfahrens auf dem Laufenden. Am Freitag forderte einer der verurteilten Administratoren, Peter Sunde, in einem Twitter-Eintrag die Pirate-Bay-Nutzer auf, Ruhe zu bewahren. «Nichts wird The Pirate Bay, uns persönlich oder Filesharing passieren, was auch immer. Das ist nur Theater für die Medien.» Tatsächlich war die Website auch nach dem Urteil weiter zugänglich.

«Wir werden nicht zahlen»

In einem im Internet veröffentlichten Video-Clip nannte Sunde das Urteil «bizarr» und kündigte an, Rechtsmittel einzulegen. Zum geforderten Schadenersatz sagte er: «Wir können nicht zahlen und wir werden nicht zahlen.»

Der Weltverband der Phonoindustrie (IFPI) begrüsste den Richterspruch. Das Urteil sei eine gute Nachrichte für alle, die ihren Lebensunterhalt mit künstlerischer Tätigkeit verdienten und darauf angewiesen seien, dass ihre Rechte geschützt würden, sagte IFPI-Chef John Kennedy. In seiner Zeugenaussage hatte er erklärt, der Schaden durch illegales File-Sharing gehe in die Milliarden.

(ap)