Internet in der Schweiz

27. Oktober 2011 12:26; Akt: 27.10.2011 15:39 Print

50 Mal langsamer und 80 Prozent teurer50 Mal langsamer und 80 Prozent teurer

Geahnt haben wir es schon lange, jetzt spricht der Preisüberwacher Klartext: Der Zugang zum Internet ist in der Schweiz völlig überteuert. Das zeigt eine Vergleichsstudie.

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Surfen ist in der Schweiz teurer und langsamer als im Ausland. (Bild: Keystone)

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Surfen kostet in keinem Nachbarland so viel wie in der Schweiz. Das stellt der Preisüberwacher Stefan Meierhans fest und fordert Gesetzesänderungen für tiefere Preise. Dagegen wehrt sich die Swisscom, die von den heutigen Regelungen am meisten profitiert.

Noch der günstigste Internetzugang (Sunrise) in der Standardkategorie ist in der Schweiz um über 80 Prozent teurer als der Durchschnitt vergleichbarer Zugänge in Deutschland, Österreich, Frankreich und Italien. Zu diesem Schluss kommt der Preisüberwacher in einer Analyse, die am Donnerstag präsentiert wurde.

In der 32-seitigen Studie nimmt der Preisüberwacher zahlreiche Vergleiche zwischen Schweizer und ausländischen Angeboten vor. Wo es zur Entbündelung kam, seien die Angebote neuer Anbieter meist tiefer als jene der historischen Betreiber, stellt er fest. Das ist auch in der Schweiz der Fall, wo die Preise der ehemaligen Monopolistin Swisscom oft über jenen der Konkurrenten lägen.

Krasser Vergleich

Der Vergleich des Preis-/Leistungsverhältnisses fällt besonders markant aus: Für weniger als die 55 Franken (ohne Mehrwertsteuer), die Swisscom-Kunden für ein Basisangebot mit 2 Mbit/s bezahlen, surfen Kunden in den Nachbarländern mit den historischen Betreibern zwischen 10- und 50-Mal schneller.

Auch bei der DSL-Technologie liegt das Standardangebot der Swisscom um 78 Prozent über dem Durchschnitt der historischen Betreiber in den Nachbarländern. Der Unterschied sei «frappant», heisst es dazu.

Die Swisscom kritisiert an diesen Resultaten, dass die höhere Kaufkraft der Schweiz nicht berücksichtigt werde. Nach anderen Studien, die das höhere Lohnnivau einberechneten, lägen die Preise in der Schweiz weltweit «im Mittelfeld». Ausserdem werde auch die Qualität der Leistung oder des Services nicht einbezogen.

Verbesserung der Rahmenbedingungen

Meierhans führt die vergleichsweise hohen Preise vor allem auf den mangelnden Wettbewerb zurück. In Zeiten, in denen die Schweizer Wirtschaft und Konsumenten unter der Frankenstärke litten, könnten tiefere Preise für die Telekommunikation die Rahmenbedingungen verbessern, sagte er auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Die ehemalige Monopolistin werde eher bevorteilt, was sich etwa auch am - trotz der höheren Preise - wachsenden Marktanteil zeige. Die Swisscom stellte 2010 bereits 53,5 Prozent der Breitbandzugänge zur Verfügung. Der Anteil der Breitbandzugänge über das Kabelnetz, auf dem upc Cablecom ihre Angebote bereitstellt, sank dagegen deutlich. Allerdings kämpfte Cablecom lange mit Problemen im Kundenservice.

Neue Berechnung gefordert

Als einen der wichtigsten Faktoren für die hohen Preise ortet Meierhans die Methode, wie die Swisscom den Preis für die Benützung ihres Kupferkabelnetz berechnen darf. Die sogenannte LRIC-Methode, die in einer Verordnung festgelegt ist, steht immer wieder in der Kritik. Genauso wie politische Vorstösse regt auch Meierhans eine entsprechende Änderung des Fernmeldegesetzes an.

«Der Moment ist gekommen, die Berechnung zu ändern», sagte er. Heute werde der Wiederbeschaffungswert herangezogen, obwohl das Swisscom-Anschlussnetz vor Jahren gebaut wurde und weitgehend abgeschrieben ist. Die Berücksichtigung der tatsächlichen Kosten der Swisscom würde zu tieferen Zugangskosten führen.

Zur Ankurbelung des Wettbewerbs fordert der Preisüberwacher zudem auch mehr Macht für die Aufsichtsbehörde Comcom und weitere Regulierungen, welche das Spielfeld für die Konkurrenten ebnen sollen.

Swisscom kritisiert Preisüberwacher

Die Swisscom lehnt eine Änderung als «unnötig» ab. Meierhans' Forderung stehe «quer im Raum», da die Verwaltung derzeit an weiteren Berichten zum «Gesamtkontext» arbeite. Das Unternehmen zeigt sich auch erstaunt, dass der Preisüberwacher dem vorgreift.

Wasser auf die eigenen Mühlen ist die Analyse dagegen für Swisscom-Konkurrentin Sunrise, die ebenfalls «die Notwendigkeit einer raschen Revision des Fernmeldegesetzes» sieht. Die Zugangspreise führten auch bei den Geschäftskunden, die der Preisüberwacher nicht berücksichtigt habe, zu einer Wettbewerbsverzerrung.


(sda)

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  • U.S. am 21.01.2012 13:23 Report Diesen Beitrag melden

    Teuerer Anschluss, schlechte Leistung.

    Bei mir mit 600Kb/s ist das höchste an Geschwindigkeit und ein Ausbau ist nicht geplant.... Entwicklungsland Schweiz mit Diktatur. Hauptsache das Geld wird mit Fastweb in Italien vernichtet. Auf Anfrage bei Swisscom: Die Gemeinde müsse den Ausbau des Netztes bezahlen... Kann das sein.? Wir müssen das Netz selber bezahlen und die Swisscom schöpft den Gewinn ab! Eine solche Firma will ich auch!

  • U.S. aus B. am 21.01.2012 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Lahme Leitungen

    Ich komme beim Download auf nur max. 600 Kb/s. In den letzten 10 Jahren gabs nur 300Kb mehr. Wie wäre es wenn die Swisscom das Geld in die Infrastruktur in der Schweiz investieren würde in nicht in Beteiligung an Fastweb vernichtet? Die Schweiz ist in Sachen Internet Technologie ein Entwicklungsland mit Diktatur!

  • L.U., St. Gallen am 17.11.2011 10:06 Report Diesen Beitrag melden

    Äpfel mit Birnen

    Schon mal darüber nachgedacht das die Schweiz höhere Löhne hat? DSL 20 000 Kbps kostet bei Swisscom 34 Fr und im Kosovo 25Euro. Okej, mann kann sagen das Schweizer Internet ist 4 Fr. teurer, aber hat man mal darüber nachgedacht dass in der Schweiz ein Mensch duchschnittlich 4000-5000Fr verdient und ihm Kosovo nur 150-200Euro? Solche Vergleiche sind einfach schlecht.