Virtuelle Behinderten-Jagd

16. Dezember 2009 22:01; Akt: 17.12.2009 10:54 Print

Bären-Game mit Finn sorgt für EmpörungBären-Game mit Finn sorgt für Empörung

von Nico Menzato - In einem Online-Game wird man als Behinderter von Finn durch den Bärenpark gejagt. Die Entwickler wollten wissen, ob Schweizer mehr für Tiere oder Behinderte spenden. Die als Spendenziel eingesetzten Organisationen wehren sich.

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Am 21. November sprang ein geistig behinderter Mann in den Bärenpark in Bern, weil sein Plastiksack hineingefallen war. Er wurde von Finn attackiert, bis ein Polizist auf den Mutz schoss. Mann und Bär wurden verletzt.

«Verhindere das Drama im Bärenpark», heisst nun die Einleitung des neuen Games der Software-Entwicklungsfirma PlanBmedia. Im Körper des Behinderten muss man vor Finn flüchten – und möglichst viele Plastiksäcke einsammeln. Ist man nicht wendig genug, beisst das Tier zu. Im Level 3 muss zudem verhindert werden, dass Finn erschossen wird. «Wir wollen ausloten, inwiefern es gesellschaftlich akzeptiert wird, Behinderte als Spielfiguren einzusetzen», sagt PlanBmedia-Inhaber Dominique Schaerer.

Am Ende des Spiels sollten die Gamer entweder für den Bärenpark oder für die Behindertenorganisation Pro Infirmis Geld spenden können. Schaerer: «Es wäre interessant zu sehen, ob mehr für die Bären oder die Behinderten gespendet wird.» Doch so weit wird es nicht kommen: Sowohl der Bärenpark als auch Pro Infirmis verweigern die Zusammenarbeit. «Das Spiel ist völlig daneben, von diesen Leuten wollen wir kein Geld», sagt Tierpark­direktor Bernd Schildger. Auch Pro-Infirmis-Sprecher Mark Zumbühl nennt das Spiel «deplatziert». Zur Sensibilisierung für die Anliegen von Menschen mit Behinderung sei es alles andere als zielführend.

WWF findet Spiel «völlig geschmacklos und deplatziert»

PlanBmedia wollte umgehend andere Hilfsorganisationen einsetzen, namentlich die Umweltorganisation WWF oder die Behinderten-Stiftung Denk an mich. Doch auch beim WWF ist man alles andere als begeistert. «Wir finden das Bären-Game mit Finn völlig geschmacklos und deplatziert und distanzieren uns davon. Der WWF ist von den Entwicklern des Spiels nie angefragt worden und hätte für den Spendenaufruf auch nie seine Einwilligung gegeben», schreibt die Umweltorganisation in einer Stellungnahme. Der WWF habe die Softwarefirma aufgefordert, den Spendenaufruf umgehend von der Website zu entfernen.