Filesharing

27. März 2009 11:58; Akt: 27.03.2009 13:50 Print

Piraten entern Facebook

von Henning Steier - Vor dem Urteil im Prozess gegen die Macher von The Pirate Bay geben sich die Seitenbetreiber siegessicher. Sie fühlen sich im Recht und wollen jetzt das weltgrösste, soziale Netzwerk erobern.

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Das Urteil im Stockholmer Prozess gegen die Macher des Torrent-Portals The Pirate Bay wird voraussichtlich am 17. April verkündet werden. Die vier Angeklagten müssen mit einem Jahr Gefängnis und zehn Millionen Euro Geldstrafe rechnen. Ihre Verteidiger plädierten auf Freispruch, denn The Pirate Bay habe nichts mit der Verletzung von Urheberrechten zu tun. Die Verantwortung dafür liege ausschliesslich bei den rund 20 Millionen Nutzern der Seite.

«Wir rechnen mit einem Sieg, sind aber auch auf eine Niederlage vorbereitet, damit uns diese nicht aus der Bahn wirft», sagte Peter Sunde, einer der Gründer des Portals. «Dank Werbung auf ihrer Seite haben die Betreiber durch Verletzung der Urheberrechte anderer Millionen verdient», lautet die Meinung von Staatanswalt Håkan Roswell. Weil sie keine geschützten Dateien anbieten (siehe Infobox) und sie daher nicht mit dem schwedischen Urheberrecht in Konflikt geraten, fühlen sich der 30-Jährige Sunde und seine Mitstreiter aber wohl sicher vor einer Verurteilung. So sicher, dass sie jetzt Facebook kapern lassen wollen.

Wer auf thepiratebay.org Torrent-Links sucht, sieht seit kurzem über dem jeweiligen Treffer einen Button namens «Share on Facebook» eingeblendet. Klickt man diesen an, öffnet sich ein Fenster, in das man seine Login-Daten für Facebook eingeben muss. Wer dies getan hat, kann den Link zum Download der entweder im eigenen Profil posten oder ihn an Freunde weiter leiten. Interessenten brauchen diesen dann nur anzuklicken und schon landen sie auf The Pirate Bay und können den Torrent und anschliessend beispielsweise einen Film herunterladen.

Beschwerden landen im E-Mail-Papierkorb

«So weit ich weiss, hat sich noch kein Rechteinhaber bei uns gemeldet», sagte Pirate-Bay-Macher Peter Sunde 20 Minuten Online, gibt aber gleichzeitig zu, dass die Seitenbetreiber die meisten Beschwerden umgehend aus ihren E-Mail-Postfächern löschen. Auf die Frage, man Facebook vor dem Launch des neuen Features kontaktiert habe, sagte Sunde, der oftmals unter dem Pseudonym brokep im Internet auftritt: «Warum sollten wir uns bei denen melden? Sie verfolgen ohnehin den ganzen Tag, was auf ihrem Portal passiert - da sollten sie es längst bemerkt haben.»

«Wer Torrent-Links zum Herunterladen von urheberrechtlich geschütztem Material ins Netz stellt, macht sich strafbar», erklärt Beat Högger vom Interessenverband der Musikinustrie, IFPI gegenüber 20 Minuten Online. Hierzulande gab es bereits einen Fall, in dem jemand Sharereactor-Links im Web veröffentlichte und zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. «Facebook muss trotz umfangreichen Haftungsauschlusses im eigenen Interesse verhindern, dass seine Nutzer Links zu Torrents, die zu geschütztem Material führen, über das Portal weiter geben», forderte Högger. Facebook wollte sich gegenüber 20 Minuten Online nicht äussern.

Unterrichtsmaterial für Lehrer

Da vor allem Jugendliche Filesharing in grossem Umfang betreiben, bietet die IFPI auf der Seite ideensindetwaswert.ch Unterrichtsmaterial für Lehrer zum Gratis-Download an. Der Schaden, der in der Schweiz allein durch Online-Piraterie verursacht wird, liegt laut IFPI bei über 25 Millionen Franken jährlich. Seit 2003 sind hierzulande bereits mehr als 600 Arbeitsplätze im Bereich der Musikwirtschaft verloren gegangen. Der Musikverkauf ging seit dem Jahr 2000 um über 44 Prozent zurück.