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08. Dezember 2010 10:58; Akt: 08.12.2010 14:51 Print

So können noch Spenden fliessen

von Henning Steier - Nachdem Accounts von Mastercard, Visa und PayPal gesperrt wurden, wird es schwieriger für WikiLeaks, an Geld zu kommen. Einspringen will der Bezahldienst Flattr.

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Flattr: Spenden für WikiLeaks nicht ohne Hindernis

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WikiLeaks-Boss Julian Assange ist gestern verhaftet worden. Zudem kündigten Mastercard, Visa, PayPal und Postfinance Accounts der Enthüllungsplattform. Der Schweizer Finanzdienstleister sah sich gestern daher Hacker-Attacken ausgesetzt, zurzeit ist Mastercard.com wegen DDos-Angriffen nicht erreichbar. Grob verkürzt, werden bei solchen Attacken Server überlastet, weil Websites von gekaperten Rechnern zu oft aufgerufen werden. WikiLeaks ist aber nicht nur auf derartige Unterstützung oder User angewiesen, die im Rahmen des Projekts Mass-Mirroring Spiegel-Server zur Verfügung stellen, auf denen geheime Dokumente abgelegt werden können. Die Macher der Plattform, die weltweit bekannt wurde, weil sie im Sommer US-Militärdokumente publizierte und seit Ende November Diplomaten-Depeschen veröffentlicht, sind auf Spenden angewiesen. Wer spenden will, kann dies laut der WikiLeaks-Website nach wie vor per Banküberweisung auf ein Konto bei der deutschen Commerzbank und eines bei der isländischen Landsbanki tun.

Auf eine weitere Möglichkeit, weiterhin an diese zu kommen, hat Peter Sunde, Gründer des Mikrobezahlsystems Flattr, in einem Tweet hingewiesen und auf die Flattr-Seite der Plattform verlinkt. Dort ist unter anderem zu sehen, dass Unterlagen zur Loveparade-Tragödie von Duisburg 323 Spenden erhielten, Dokumente zum Krieg in Afghanistan hingegen 2540. Für die Cablegate-Nachrichten wurde hingegen noch kein Flattr-Button eingerichtet.

Wie im offiziellen Video zu sehen ist, legen Flattr-Nutzer eine monatliche Summe fest, die sie dann zu gleichen Teilen spenden. Seitenmacher müssen den Flattr-Button integrieren. Besucht also jemand beispielsweise sieben Blogs und klickt bei jeweils einem Beitrag den Button an, erhält jeder Seitenbetreiber etwas weniger als ein Siebtel. Denn Flattr behält zehn Prozent. Ausserdem werden unter Umständen Gebühren für den Zahlungsdienstleister fällig. Flattr unterstützt Banküberweisungen, PayPal, Moneybookers und Kreditkarten. Allerdings heisst es auf der Hilfeseite, dass momentan nur PayPal zur Verfügung steht, wenn man als Seitenbetreiber Geld von Flattr erhalten möchte. Und der WikiLeaks-Account bei diesem Anbieter wurde bekanntlich kürzlich gesperrt. Theoretisch könnten aber WikiLeaks-Sympathisanten ihre Acccounts zur Verfügung stellen. Sunde hatte seinen Tweet vor der Sperrung des WikiLeaks-Accounts bei PayPal publiziert.

Nicht nur Musiker und Blogger nutzen den Dienst. In Deutschland haben ihn beispielsweise die Nachrichten-Websites taz.de und freitag.de integriert. Der Schwede Peter Sunde war als einer der Macher des Torrent Trackers The Pirate Bay bekannt geworden. Ende November hatten die drei Macher ihre Berufungsverhandlung verloren. Sie müssen wegen Beihilfe zur Verletzung des Urheberrechts je rund ein halbes Jahr ins Gefängnis, entschied ein Stockholmer Gericht. Websites wie The Pirate Bay bieten zwar kleine Dateien, so genannte Torrents, an, dank denen man beispielsweise Filme mit Programmen wie Vuze herunterladen kann. Die Inhalte selbst sind aber nicht auf diesen Seiten zu finden. Die Verurteilten haben die Möglichkeit, das Urteil vor eine dritte Instanz zu ziehen. Ob sie dies tun werden, wurde noch nicht bekannt.