Filesharing

08. Oktober 2009 14:52; Akt: 08.10.2009 15:10 Print

Wasserzeichen gegen RaubkopiererWasserzeichen gegen Raubkopierer

von Henning Steier - Ciiju.de ist eine Webseite deutscher Studenten, über die man legal Musik tauschen kann. Denn Nutzer sollen ihre Songs nur echten Freunden zur Verfügung stellen. Die Schweizer Plattenfirmen sind allerdings empört. Boris Blum-Oeste, einer der Macher des Portals, erklärt im Interview mit 20 Minuten Online, wie man gegen Piraten kämpft.

storybild

  • Artikel per Mail weiterempfehlen
Zum Thema
Fehler gesehen?
Fehler beheben!
Senden

Im Frühling 2008 ging die erste Version von Ciiju ins Netz. Das Start-up wurde von Studenten aus dem deutschen Göttingen gegründet. Seit kurzem ist die zweite Version des Angebots verfügbar. Auf der Webseite soll man seine hochgeladene Musik nur mit echten Freunden teilen können. Da Privatkopien legal sind, soll das Angebot nicht in Konflikt mit dem Urheberrecht geraten.

Die Songtauschbörse erntet allerdings scharfe Kritik von der Schweizer Landesgruppe der International Federation Of Producers Of Phonograms And Videograms (IFPI). «In der Schweiz gibt es bekanntlich keine Höchstzahl von Privatkopien. Das Bundesgericht hat aber einst geurteilt, dass sie sich auf den engsten Freundes- und Familienkreis beschränken muss», sagte Beat Högger von der IFPI zu 20 Minuten Online, «Ciiju hebelt das Ganze allerdings aus. Denn in solchen Netzwerken ist man mit jedem befreundet. Man hat beispielsweise 50 virtuelle Bekanntschaften, von denen sich diese das neue Britney-Spears-Album herunterladen und jene doch eher Madonnas CD haben möchten.» Damit werde die Verwendung zum Eigengebrauch überschritten, was das Angebot auf Ciiju illegal werden lässt. Bei Angeboten wie Ciiju erhalten die Künstler, Urheber und Plattenfirmen keinen Rappen. Högger bezweifelte ausserdem, dass allzu viele User im Nachhinein CDs kaufen gehen, nur weil sie bei Ciiju vorweg welche heruntergeladen haben. Im Interview mit 20 Minuten Online konnte Ciiju-Sprecher Boris Blum-Oeste die Aufregung nicht nachvollziehen.

20 Minuten Online: Warum ist Ihr Angebot legal?
Boris Blum-Oeste: Weil man bei uns seine Musik nur mit echten Freunden tauschen kann. Wurde ein hochgeladener Song von sieben Nutzern heruntergeladen, können weitere User ihn nur noch hören. Wir haben vor dem Start ein Rechtsgutachten eines auf dem Gebiet führenden Experten erstellen lassen. Es befand unsere Seite für legal, daher ist Ciiju sicher.

Zurzeit ist keine Werbung auf Ciiju.de zu sehen. Soll sich das ändern?
Online-Werbung und die Teilnahme am Amazon-Partnerprojekt, sind nicht unser primäres Geschäftsmodell. Mittelfristig wollen wir unseren eigenen Web-Musikladen eröffnen. So können Nutzer dann direkt die Songs kaufen, die niemand in ihrem Freundeskreis hat. Zurzeit verhandeln wir mit einem mittelgrossen Anbieter, dessen Namen ich hier aber nicht nennen werde.

Gab es Kontakte zu den Plattenfirmen?
Ich werde mich zu Einzelheiten der Gespräche nicht detailliert äussern. Nur so viel: Man steht uns abwartend gegenüber. Die positiven Aspekte werden durchaus gesehen. Kooperationen wird es aber wahrscheinlich nicht geben.

Wenig überraschend, denn wer Songs mit Freunden tauscht, kauft keine Musik.
Mag sein, aber Piraterie ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, für das wir nicht verantwortlich sind. Um jedes Missverständnis zu vermeiden: Ciiju will nur User auf der Plattform, die sich legal verhalten wollen. Wie sie sich so benehmen, wird dem User auf Ciiju ganz klar gesagt. Weiterhin tragen wir unseren Teil dazu bei, dass Raubkopierer unser Angebot nicht allzu attraktiv finden dürften.

Was heisst das im Klartext?
Wenn sich jemand auf Ciiju ein Stück herunterladen oder anhören will, wird es mit einem digitalen Wasserzeichen versehen. Die verwendete Technologie wurde vom Fraunhofer Institut, den Entwicklern des MP3-Formats, zur Verfügung gestellt. Den Songs wird beigefügt, wer sie hoch- und heruntergeladen hat.

Als Namen werden aber nur die eingetragen, welche man bei Ciiju angegeben hat. Das kann Piraten doch egal sein, wenn sie Phantasie-Accounts angelegt haben.
Ich denke, dass unser Angebot auch wegen des limitierten Speicherplatzes von einem Gigabyte pro Nutzer für Piraten nicht allzu attraktiv sein dürfte. Denn einschlägige Angebote und Tools wie One-Klick-Hoster oder Torrent-Seiten sind für Raubkopierer interessanter als unsere auf echte Freunde beschränkte Seite. Daher bleiben die Songs auf unserer Seite auch DRM-frei.

Was sagen Sie zum IFPI-Vorwurf, dass man auch über Ihr Angebot mit 50 virtuelle Bekanntschaften Musik tauschen kann und damit die maximale Zahl an Privatkopien aushebelt?
Ich kann die Kritik nicht nachvollziehen. Denn der einzelne Song kann doch nur von sieben Nutzern heruntergeladen werden. Natürlich können User mehrere Accounts anlegen und so Songs mehrfach zum Tauschen anbieten. Ich bin aber überzeugt, dass das kaum jemand macht, denn man müsste dann auch wieder seine Freundeslisten aktualisieren und das dürfte Raubkopierern zu aufwändig sein.

Wie viele Nutzer haben Sie zurzeit?
Etwa 5000. Das liegt aber daran, dass wir keine Werbung machen.

Mehr User könnten Sie vielleicht durch die Anbindung an soziale Netzwerke wie Facebook gewinnen.
Wir arbeiten zurzeit daran, Ciiju auch über Community-Portale nutzbar zu machen. Es wird Widgets geben, über die man unsere Seite ansteuern kann. Die Kernfunktionen Download und Streaming sollen aber registrierten Mitgliedern unserer Website vorbehalten bleiben. Natürlich ist auch die mobile Nutzung ein Thema für uns. Spannend wäre es doch, wenn man Ciiju auch mit dem iPhone komfortabel nutzen könnte.