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23. März 2010 00:00; Akt: 24.03.2010 06:51 Print

Wie China das Internet zensiertWie China das Internet zensiert

von Christof Kerkmann, dpa - In der gesamten Volksrepublik - mit Ausnahme von Hongkong und Macao - gibt es keinen freien Zugang zum Netz. Wie machen das die Chinesen?

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Der Staat schaut zu: In China gibt es keinen freien Internet-Zugang. (Bild: colourbox.com)

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Unliebsame Inhalte lassen die Machthaber blockieren. Dafür hat das Ministerium für Öffentliche Sicherheit ein riesiges Filtersystem errichten lassen, dass ausserhalb Chinas als «The Great Firewall» bezeichnet wird. Der Name spielt auf die englischsprachige Bezeichnung der Chinesischen Mauer (»Great Wall of China») und den Begriff für eine Netzwerk- Sicherheitskomponente (»Firewall») an.

Die Machthaber in Peking lassen beispielsweise die Portale von ausländischen Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International oder exil-tibetischen Organisationen sperren, zudem Medien wie den US-Sender Radio Free Asia. Auch soziale Netzwerke wie Twitter und Facebook sowie Googles Videoportal YouTube sind im Reich der Mitte nicht verfügbar.

China nimmt zum einen die Anbieter von Internetzugängen in die Pflicht. Da sie den Datenverkehr regeln, können sie kritische Inhalte blockieren oder auch Surfer auf andere Websites umleiten.

Suchmaschinen filtern das Netz

Zum anderen sind Suchmaschinen von entscheidender Bedeutung: Wie das chinesische Unternehmen Baidu filterten bislang unter dem Druck der Zensoren auch alle Anbieter aus dem Ausland systemkritische Inhalte aus den Ergebnissen heraus.

Bei der Filterung machen sich die Zensoren die Infrastruktur des Internets zunutze. Will man eine Adresse wie «amnesty.org» aufrufen, kann der Rechner nicht direkt eine Verbindung mit dem Server der Menschenrechtsorganisation herstellen.

IP-Adressen sperren

Stattdessen muss dieser Domainname erst in eine für Computer verwendbare Nummernkombination übersetzt werden - die sogenannte IP- Adresse. Diese Aufgabe erledigen Domain Name Server (DNS). Sie sind somit so etwas wie das Telefonbuch des Internets.

Diese Verzeichnisse pflegen die Anbieter von Internetzugängen. Sie können also verhindern, dass die Nutzer für bestimmte Domainnamen - etwa «amnesty.org» - die richtige IP-Nummer erhalten.

Zudem blockieren die Unternehmen den direkten Zugriff, so dass Nutzer auch mit der Eingabe der IP-Adresse - bei Amnesty zum Beispiel 78.136.0.19 - nicht zum Ziel kommen. Die beiden Methoden, DNS-Filter und IP-Blocker, sind technisch gesehen vergleichsweise einfach umzusetzen.

«Transparente» Zensur

Google filterte seine Suchergebnisse in China bislang, blendete aber nach eigenen Angaben stets einen Hinweis ein, wenn ein Ergebnis blockiert wurde. «Wir wollten transparent sein, wenn etwas gefiltert wurde», sagte Google-Sprecher Kay Oberbeck. Auch andere westliche Anbieter, darunter Yahoo und Microsoft mit seiner Suchmaschine Bing, zensieren die Ergebnislisten.

Wenn Google die Nutzer von seinem chinesischen Portal google.cn zu seinen Servern in Hongkong weiterleitet, bedeutet das aber nicht das Ende der Zensur. Die Machthaber könnten zum einen die Suchseite in der chinesischen Sonderverwaltungszone vollständig blockieren.

Zum anderen dürften die Zensoren mit ihrer ausgeklügelten Überwachungs-Technologie auch den Datenverkehr filtern. Es gebe bereits Berichte, dass Nutzer in China eine Fehlermeldung erhalten, wenn sie bestimmte Begriffe auf der Seite in Hongkong suchen, hielt Google-Sprecher Oberbeck fest. Gegen die «grosse Firewall» kommt so leicht niemand an.