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«Time out»
06. Mai 2011 13:20; Akt: 06.05.2011 13:46 Print
Der «Schweizer Riegel» als Allzweckwaffe
von Klaus Zaugg, Kosice - Die Schweizer haben gegen ihre taktischen nordischen Brüder verloren. Das 2:3 gegen Norwegen ist mehr als eine Niederlage. Es ist eine Warnung über dieses Turnier hinaus.
Das Viertelfinale ist immer noch möglich. Nicht ausgeschlossen, dass die Entscheidung erst im dritten und letzten Zwischenrundenspiel gegen die USA fällt.
Bildstrecken Junge Kanadier, alte SlowakenDie Schweizer Hockey-Nati Infografik Spielstätten der Eishockey-WM 2011Norwegen ist zwar im Vergleich zur Schweiz mit bloss knapp 6500 lizenzierten Spielern (Schweiz 25 000) ein Zwerg und nur die Nummer 11 der Weltranglsite (Schweiz 7.). Aber fast die Hälfte der WM-Helden von Kosice verdient ihr Geld in der höchsten schwedischen Liga.
Nationalcoach Roy Johansen sagte, das Beispiel der Schweizer habe auch die Norweger inspiriert. «Wir haben Spiel und Taktik und Entwicklung der Schweizer über Jahre hinweg verfolgt», verriet er 20 Minuten Online. Und so sind wir nun von den «nordischen Schweizern», von unseren taktischen Brüdern aus Norwegen schon wieder besiegt worden.
Sieg dank Schweizer Taktik
So wie die Norweger in den Gruppenspielen gegen Schweden (5:4 n.P.) und nun in der Zwischenrunde gegen uns gewonnen haben, so haben wir in den letzten Jahren die grossen Triumphe über die Titanen Russland, Kanada, Tschechien oder die USA gefeiert: Mit dem Rückhalt eines grossen Torhüters, einer aggressiv umgesetzten Betontaktik mit schnellen Gegenstössen und ein bisschen Glück. Die Norweger gemahnen im Wesen und Wirken an die Schweiz in den grossen WM- und Olympiapartien der letzten Jahre.
Damit sind wir bei der Warnung über dieses Turnier hinaus: Das Eishockey macht eine ähnliche Entwicklung durch wie der Fussball. Durch die Internationalisierung gibt es für die Grossen keine automatischen taktischen und physischen Vorteile mehr. Sie spielen ja nicht mehr unter sich. Inzwischen stehen in jeder Mannschaft Stars, die in den wichtigen Ligen der Welt, in Skandinavien, Nordamerika, in Russland oder der Schweiz eine wichtige Rolle spielen. Durch Härte lässt sich an einer WM keine Mannschaft mehr einschüchtern und die Spieler der vermeintlichen Operettenteams sind kräftig, robust, schnell und taktisch klug und diszipliniert genug, um mit ein wenig Glück zumindest in der ersten Turnierhälfte jeden Gegner ins Wanken zu bringen. Wir erleben das an dieser WM erneut. Auch die Norweger haben keine Angst mehr vor grossen Tieren: Sie haben uns nun zweimal hintereinander an der WM besiegt.
Schweizer spielten zu hektisch
Nationaltrainer Sean Simpson hatte im Interview mit 20 Minuten Online bereits vor der WM vor dieser Entwicklung gewarnt. Einerseits lobte er die Entwicklung unseres Hockeys, aber andererseits wies er darauf hin, dass eben auch unsere Gegner eine ähnliche Entwicklung durchlaufen.
Natürlich gäbe es nach diesem 2:3 gegen Norwegen Gründe zur Polemik. Torhüter Tobias Stephan trägt am ersten und zweiten Gegentreffer Mitschuld. Die Mannschaft war im ersten Drittel nicht bereit und die Norweger spielten leidenschaftlicher. Das Spiel der Schweizer war oft hektisch. Aber es war letztlich eines jener Spiele, die man zehnmal wiederholen könnte und dann achtmal gewinnen würde: Norwegen hatte das Startdrittel leicht dominiert (12:10 Torschüsse) – doch dann wurde es in den letzten 40 Minuten mehr oder weniger ein Sturmlauf auf ein Tor (31:13 Torschüsse), hin und wieder unterbrochen durch einen Konter der Norweger.
Die Kleinen haben von der Schweiz gelernt
Unsere Nationalmannschaft ist immer noch dabei, den letzten, entscheidenden Schritt ganz nach oben zu machen. Die guten Resultate der letzten 12 Jahre haben dazu geführt, dass wir inzwischen für Gegner wie Weissrussland, Frankreich, Lettland, Dänemark oder eben Norwegen eine grosse Hockeynation sind. Die vermeintlich Kleinen haben von uns gelernt. Im Zeitalter des Videos kopieren sie unsere Taktik.
Wir müssen lernen, Teams zu besiegen, die mit hässlichem, defensivem Hockey die Räume eng machen, die uns mit unseren eigenen taktischen Mitteln bekämpfen. Der von Ralph Krueger entwickelte «Schweizer Riegel» wird fleissig kopiert und ist nun die Allzweckwaffe des internationalen Mittelstandes geworden. Deutschland, Dänemark, Frankreich oder Norwegen spielen wie wir vor drei, vier Jahren.
Der Nati fehlt ein «game breaker»
Für uns ist es schwieriger als für die Russen, Schweden, Tschechen, Finnen, Kanadier oder Amerikaner, diesen «Schweizer Riegel» zu knacken. Weil wir von den grossen Grossen nach wie vor die einzigen sind, die keine Stürmer in der NHL haben. Uns fehlen die «game breaker», die Offensivspieler, die auf höchstem Niveau ein Spiel entscheiden können. Also müssen wir die gegnerischen Verteidigungen Stück für Stück abtragen, durch steten Druck zermürben. Fast ist es gegen Norwegen gelungen.
Wir dominierten einen defensiv gut organisierten, robusten Gegner im zweiten und dritten Drittel auf spektakuläre Art und Weise, wir sind spielerisch besser als in der «Ära Krueger». Aber erst wenn wir einmal fünf, sechs Stürmer haben, die in der NHL 20 Tore pro Saison erzielen können, werden wir bei jeder WM dazu in der Lage sein, auch dann Spiele gegen Teams wie Norwegen zu gewinnen, wenn der Puck nicht unseren Weg gehen will.
Nationaltrainer Sean Simpson hat in der Vorbereitung auf diese WM und im Verlaufe des Turniers noch keine Fehler gemacht, die Stoff für eine kernige Polemik liefern.
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Alle 11 Kommentare




























Wenn die Besten fehlen
Nun dass war ja ein super peinlicher Auftritt. Aber was können wir anderes erwrten? Der Einzug ist noch möglich aber nur wen jeder den Finger aus dem Ar... zieht. Es gibt leider zuviele Spieler die an der WM dabei sind , die in der Saison schon totalausfälle waren. Und da wundert man sich warum nicht mehr Offensive vorhanden ist. Nun die einen sind verletzt haben keine Lust (was unter aller Sau ist) oder sie Spielen beim gelb blauen Klub. Von dem leider nur ein Spieler dabei ist. Die Best mögliche Nati ist dass aufjedenfall nicht. Nun die Hoffnung stirbt zuletzt.
ch team am scheideweg
ich bin der meinung unser hockey ist am limit angelangt. wir haben seit 1998 kaum fortschritte gemacht bezüglich platzierung. es gab zwar einzelne grosse erfolge in spielen (canada,tschechien). viele spieler, welche im moment dabei sind, stagnieren oder haben stark abgebaut. auch sind keine weiteren spieler in sicht, welche sich endlich in der nhl in den nächsten 5 jahren als top spieler etablieren könnten. unser ganzes hockey stagniert, im vergleich dazu haben norwegen, dänemark und vorallem die deutschen enorme fortschritte erzielt. es muss endlich etwas passieren, auf allen ebenen.
...so ist es...
Ich finde Du hast Recht. Seit Jahren zählt sich die Nati zu den besten 8 Nationalmannschaften der Welt. Es gibt meiner Meinung nach aber nicht die 8 Besten, sondern die 7 Besten plus die Schweiz. Ein Herausforderer, der sich im Viertelfinale gegen eine der 7 besten versuchen darf, aber in der Regel scheitert. Und warum? Weil Schweden, Finnland, Russland, Tschechien, Slowakei USA und Kanada einfach noch eine Klasse besser sind. Deshalb spricht bei einem Sieg über eine dieser Nationen auch heute noch jeder von einem Wunder. Schon diese Tatsache zeigt den Unterschied deutlich auf...
Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt
Die einen verteufelten Krüger wegen seines straffen Defensivkonzepts und glaubten, unter Simpson und einer weniger defensiven Ausrichtung würde dann alles besser. Fakt ist, dass die CH-Spieler wahrscheinlich eishockeymässig etwas weiter sind als vor einigen Jahren, und mit etwas Glück mehr aus ihren Offensivbemühungen herausholen. Genauso Fakt ist aber, dass dies international noch nicht langt, um zu reüssieren, wenn's mal etwas harzt. Und dass man seit je auf ausserordentliche Torhüterleistungen angewiesen ist, wird im allgemeinen Überschwang auch gerne vergessen.