Bond is back

23. Oktober 2012 19:06; Akt: 24.10.2012 14:35 Print

007 Gründe für den neuen Bond

von Oliver Baroni - Tradition und Action, Bondgirls und Bösewichte - «Skyfall» ist durchwegs grossartig. Eine Würdigung in sieben Punkten.

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Wenn etwas beim Vorgängerfilm «Quantum of Solace» gefehlt hat, dann die reichhaltige Tradition von mehr als 20 Bond-Filmen. «Skyfall»-Regisseur Sam Mendes schafft es nun meisterhaft, Bond zeitgemäss rüberzubringen, zeitgleich aber Traditionen zitieren. Achten Sie mal darauf, in welcher Szene das Bond-Gitarrenriff erstmals zu hören ist! Genial. Letztendlich ist jeder Bondfilm ein Action-Streifen, und so ist jeder neue 007 ein Gradmesser für Filmtechnik und Zeitgeist zugleich. In der Ära Daniel Craig haben die Bondfilme bekanntlich an Härte zugelegt. Bloss wurde die Geschwindigkeit und Hektik der Actionsequenzen bei «Quantum» schmerzlich auf die Spitze getrieben ... ... Dies wurde bei «Skyfall» korrigiert: Die Action ist weiterhin umwerfend imposant, doch man verliert nie den Überblick. Bérénice Marlohe als Severine ist ein klassisches, verführerisches Bondgirl. Wider Erwarten hat sie aber in «Skyfall» erstaunlich wenig Leinwandzeit, was aber damit zu erklären ist, dass Bond sich letztendlich nicht sehr für sie interessiert zumindest nicht in romantischer Hinsicht (zum Sex in der Dusche kommt es aber alleweil). Ganz anders verhällt es sich mit Moneypenny, gespielt von einer sehr, sehr flirtigen Naomie Harris. Zwischen ihr und Bond knistert es gaaaanz schön heftig. Ausserdem ist Eve Moneypenny (ja auch das eine Neuerung sie hat einen Vornamen) eine schlagkräftige und schiesswütige MI6-Agentin. Kurz gesagt, eine Wucht. Ja, Javier Bardem als Raoul Silva gefällt. Nach einem grossartigen ersten Auftritt verfällt er ab und an ins Theatralische, doch dies stört bei einem richtig geilen Bond-Bösewicht nicht. Schlussendlich lässt er dennoch genug Subtilität für Interpretationsspielraum zu: Wer ist eigentlich dieser Raoul Silva? Und was ist das von Daniel Craig zitierte «sehr spezielle Verhältnis» von ihm zu Bond? Einige spannende Theorien geistern bereits herum ... Daniel Craig überzeugt weiterhin als knallharter 007, wie man ihn aus den beiden Vorgängerfilmen kennt. Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Besondere Aufmerksamkeit gebührt aber Dame Judy Dench als M ... ... und Ralph Fiennes als Geheimdienstkoordinator Mallory. Dabei kommt Fiennes, den man als Oberbösewicht Voldemort aus den Harry-Potter-Filmen kennt, eine tragendere Rolle zu als zunächst vermutet. Dench, die seit «Goldeneye» mit von der Partie ist, seither eine emotionellere Beziehung zu Bond pflegte und letztendlich der Rolle des Geheimdienstchefs viel mehr Bedeutung gab, ist die Schlüssenfigure in «Skyfall». Wird sie die Entführungs- und Attentatsversuche überleben? Nein, einen Unterwasser-Lotus oder einen Mini-Jet, der in einem Pferdewagen versorgt werden kann, gibt es nicht. «Ist nicht gerade wie Weihnachten», entfährt es Bond, als er von Q lediglich eine neue Pistole und einen Peilsender bekommt. Wichtiger dabei ist: Q ist wieder da! Ein nerdiger, etwas gar junger Q nämlich, gespielt von Ben Wishaw. Das kommt gut, wartet nur! Aufschnaufen, liebes Publikum! Trotz aller Härte und Grimmigkeit, hält endlich wieder Humor Einzug in den Bond-Alltag. Vielleicht liegt es daran, dass «Skyfall» eines der britischsten Bond-Filme seit Langem ist der Gros der Handlung spielt in London -, vielleicht auch daran, dass dies der «Coming of age»-Film der drei Craig-Streifen ist, die quasi die Vorgeschichte zu 007 erzählen ... Am Schluss des Streifens hat James Bond mit seiner Vergangenheit gebrochen und erträgts mit einer Prise trockenem Humor. 007 meldet sich zum Dienst.

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Achtung, liebe Leserschaft, dieser Artikel enthält den einen oder anderen Spoiler. Logisch. Aber nichts, was den Filmgenuss stören könnte - keine Sorge!

001. Tradition: Wenn etwas beim Vorgängerfilm «Quantum of Solace» gefehlt hat, dann die reichhaltige Tradition von mehr als 20 Bond-Filmen. Augenscheinlich wollte der damalige Regisseur Marc Forster mit Althergebrachtem brechen, um der Welt einen moderneren, relevanteren Bond zu präsentieren. Das Resultat war ein Schlamassel, das hauptsächlich an einem schwachen Drehbuch und uninspirierter Regie litt, auch weil Forster beliebte Bond-Motive wie das Gewehrlauf-Logo oder die Bond-Titelmelodie partout wegliess. «Skyfall»-Regisseur Sam Mendes schafft es nun meisterhaft, Bond wahrlich zeitgemäss rüberzubringen, zugleich aber Traditionen beizubehalten. Ohnehin wird in «Skyfall» die Filmgeschichte reichlich zitiert: Von «Apocalypse Now» bis «Get Carter». Schön aber auch, wie die Bond-Zitate gegen Schluss des Filmes an Häufigkeit zunehmen, um am Ende Bond als durch und durch definierte Filmfigur abzuliefern: Moneypenny ist im Vorzimmer, M überreicht ihm ein Dossier, auf dem «Top Secret» steht. Achten Sie mal darauf, in welcher Szene das Bond-Gitarrenriff erstmals zu hören ist! Genial.

002. Action: Letztlich ist jeder Bondfilm ein Action-Streifen, und so ist jeder neue 007 ein Gradmesser für Filmtechnik und Zeitgeist zugleich. In der Ära Daniel Craig haben die Bondfilme bekanntlich an Härte zugelegt – von allen Bond-Darstellern sieht Craig blutend und lädiert weitaus am besten aus. Bloss wurde die Geschwindigkeit und Hektik der Actionsequenzen bei «Quantum» schmerzlich auf die Spitze getrieben, was hauptsächlich dem Einfluss Jason Bournes zuzuschreiben ist, war doch «Bourne Ultimatum»-Regisseur Dan Bradley für diese zuständig (Marc Forster schien sich einzig auf die ebenso schmerzlich langatmigen Sequenzen konzentriert zu haben). Dies wurde bei «Skyfall» korrigiert: Die Action ist weiterhin umwerfend imposant, doch man verliert nie den Überblick.

003. Bondgirls: Bérénice Marlohe als Severine ist ein klassisches, verführerisches Bondgirl, dessen natürlicher Lebensraum ein von Gaunern umgarntes Casino ist. Wider Erwarten hat sie aber in «Skyfall» erstaunlich wenig Leinwandzeit, was aber damit zu erklären ist, dass Bond sich im Grunde nicht sehr für sie interessiert – zumindest nicht in romantischer Hinsicht (zum Sex in der Dusche kommt es aber alleweil). Ganz anders verhält es sich mit Moneypenny, gespielt von einer sehr, sehr flirtigen Naomie Harris. Zwischen ihr und Bond knistert es gaaaanz schön heftig. Ausserdem ist Eve Moneypenny (ja, auch das ist eine Neuerung – sie hat einen Vornamen) eine schlagkräftige und schiesswütige MI6-Agentin. Kurz gesagt, eine Wucht.

004. Schurken: Ja, Javier Bardem als Raoul Silva gefällt. Nach einem grossartigen ersten Auftritt verfällt er ab und an ins Theatralische, doch dies stört bei einem richtig geilen Bond-Bösewicht nicht. Schliesslich lässt er dennoch genug Subtilität für jede Menge Interpretationsspielraum zu: Wer ist eigentlich dieser Raoul Silva? Und was ist das von Daniel Craig zitierte «sehr spezielle Verhältnis» von ihm zu Bond? Einige spannende Theorien geistern bereits herum. Wir verraten hier mal noch nichts.

005. Cast: Daniel Craig überzeugt weiterhin als knallharter 007, wie man ihn aus den beiden Vorgängerfilmen kennt. Dem gibt es nichts hinzuzufügen. Besondere Aufmerksamkeit gebührt aber Dame Judy Dench als M und Ralph Fiennes als Geheimdienstkoordinator Mallory. Dabei kommt Fiennes, den man als Oberbösewicht Voldemort aus den Harry-Potter-Filmen kennt, eine tragendere Rolle zu als zunächst vermutet. Dench, die seit «Goldeneye» mit von der Partie ist - und seither eine emotionalere Beziehung zu Bond pflegte, wodurch sie der Rolle des Geheimdienstchefs viel mehr Bedeutung gab -, ist die Schlüsselfigur in «Skyfall». Wird sie die Entführungs- und Attentatsversuche überleben?

006. Gadgets/Q: Nein, einen Unterwasser-Lotus oder einen Mini-Jet, der in einem Pferdewagen versorgt werden kann, gibt es nicht. «Skyfall» spiegelt die Digitalisierung des Alltags und des Terrors wider. Mit Hacking kann man viel mehr Schaden anrichten und so sind Laptops die gefährlicheren Massenvernichtungswaffen. «Ist nicht gerade wie Weihnachten», entfährt es Bond, als er von Q lediglich eine neue Pistole und einen Peilsender bekommt. Wichtiger dabei ist: Q ist wieder da! Ein nerdiger, etwas gar junger Q nämlich, gespielt von Ben Wishaw. Ein schlauer Schachzug, den süssen Wishaw als Q zu casten – da ist sicher manch ein Hipster-Girlie und Boygroup-Fan begeistert davon.

007. Humor: Aufschnaufen, liebes Publikum! Trotz aller Härte und Grimmigkeit hält endlich wieder Humor Einzug in den Bond-Alltag. Vielleicht liegt es daran, dass «Skyfall» einer der britischsten Bond-Filme seit Langem ist – das Gros der Handlung spielt in London, die meisten Akteure sind demzufolge Briten. Vielleicht aber auch, weil dies der «Coming of Age»-Film der drei Craig-Streifen ist, die quasi die Vorgeschichte zu 007 erzählen. Am Schluss des Streifens ist James Bond ein Mann ohne Vergangenheit: Das Haus seiner Kindheit ist zerstört, die Eltern längst tot und gewisse andere «Familienmitglieder» (schauen Sie doch selbst!) gestorben. James Bond hat mit seiner Vergangenheit gebrochen und erträgts mit einer Prise trockenem Humor. 007 meldet sich zum Dienst.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin Z. am 23.10.2012 23:42 Report Diesen Beitrag melden

    Filmkritik??

    Ich frage mich wie 20 Minuten dazu kommt eine ausführliche Filmkritik zu veröffentlichen. obwoh sie den Film Skyfall nie gesehen haben?? Lieber Redakteuren, bitte schaut euch den neuen Bondstreifen ersteinmal an, bevor ihr den Film in die so dermassen rühmt...

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  • peter müller am 24.10.2012 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es lohnt sich...

    ich habe ihn gesehen und er lohnt sich wirklich. action, trockener humor, retro-anspielungen und ein grossartiger bösewicht. super unterhaltung, viel vergnügen!

  • Hanspi am 24.10.2012 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Junior-Q

    Wie soll man von einem Q, der aussieht wie ein Binär-Eleve, der eben erst gelernt hat in "1" und "0" zu denken, Spitzen-007-Gadgets erwarten.

Die neusten Leser-Kommentare

  • peter müller am 24.10.2012 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    es lohnt sich...

    ich habe ihn gesehen und er lohnt sich wirklich. action, trockener humor, retro-anspielungen und ein grossartiger bösewicht. super unterhaltung, viel vergnügen!

  • Hanspi am 24.10.2012 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Junior-Q

    Wie soll man von einem Q, der aussieht wie ein Binär-Eleve, der eben erst gelernt hat in "1" und "0" zu denken, Spitzen-007-Gadgets erwarten.

  • Sven Landolt am 24.10.2012 09:44 Report Diesen Beitrag melden

    Kritiken

    Auch wenn ein Bond von den Kritikern negativ aufgenommen wird. Es bleibt ein Bond, und ist es immernoch wert ins Kino zu gehen. Da trink ich lieber einen Drink weniger und riskiere einen "mittelmässigen" Film zu sehen.. Bei einem Bond wird die Messlatte halt einfach höher gesetzt, als bei einem neuen Independent Film.. Umso besser also, wenn der Film sogar bejubelt wird..

    • bond fan am 24.10.2012 09:51 Report Diesen Beitrag melden

      Na ja

      bei denn letzten 2 Bond war das definitiv nicht der Fall!

    • John am 25.10.2012 16:52 Report Diesen Beitrag melden

      Mal Ian Fleming gelesen?

      Stimmt. Die another Day, mit schmuse Kater Brosnan war ja echt der Hammer. Und das sage ich der in dieser Zeit aufgewachsen bin. Die letzten 2 Bonds waren nächer an der literarischen Vorlage wie kein anderer zuvor.

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  • Emil S. am 24.10.2012 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Das kann nichts sein

    ...heinekensaufender schmalspur Agent..., heisst der jetzt Johannes und ist Schweizer Armee oder was?

  • Beat Nik am 24.10.2012 08:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Andere Meinung

    Im Gegensatz zu vielen Hobby Filmkritikern, fand ich Quantum einen absolut coolen Actionstreifen inkl. Bond. Tolle Fortsetzung zu Casino Royal, und viel besser als der letzte, wirklich uninspirierte SciFi Brosnan!

    • Lexika am 24.10.2012 15:57 Report Diesen Beitrag melden

      ich gleicher Meinung

      Danke endlich jemand der's kapiert hat.....

    • John am 25.10.2012 16:53 Report Diesen Beitrag melden

      gleicher Meinung

      Endlich. Es gibt noch Leute die was von Filmen verstehen. Quantum ist halt mehr als nur ein action streifen, man muss es aber auch verstehen.

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