«Die 100 besten Plakate»

27. November 2012 17:56; Akt: 27.11.2012 17:56 Print

Kunst an der Litfasssäule

von Susanne Lüthi - Mal schlicht und überzeugend, mal düster und wirr: Ein jährlich erscheinendes Buch zeigt die 100 besten Plakate aus drei Ländern. Ein must have für Grafik-Freunde.

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Hans-Jörg Seidler beweist im Auftrag derStaatlichen Akademie der Bildenden Künste Stuttgart, dass «Plakate bewegen». Uns jedenfalls ist es schon ganz trümmlig. Filmplakate aus Ghana zeigte die Ausstellung «Deadly and Brutal» («Tödlich und brutal»). Das Plakat dazu von Mirko Borsche (Bureau Mirko Borsche) widerstand dem Versuch, die drastische und teilweise schockierende Sprache der handgemalten Filmplakate zu imitieren oder collagieren. Sie wird mit minimalistischen Zeichen heraufbeschwört. Im Jugendtheater Willisau wird «Moby Dick» aufgeführt. Das Plakat dazu hat Paula Troxler gestaltet. «Money for Nothing» («Geld für nichts»). Beitrag zur 4. Soirée Graphique in Bern von Megi Zumstein, Claudio Barandun in Zusammenarbeit mit Daniel Tischler (Foto). Das Poster für eine Kinderwagendemo designte Götz Gramlich (gggrafik). Vier Bücher hat Daniel Dreutz (PHCC Corporate Communications GmbH) so zusammengestellt, dass sie den «Union Jack» und einen Blickfang für den British Book Shop Frankfurt am Main ergeben. Die Nachwuchsband The Sox aus Hildrizhausen warben mit diesem Plakat für ihren Auftritt in der Eldorado Bar Nordenham, deren Website schon mal einen Besuch wert ist. Das Plakat spielt darauf an, dass The Sox Socken heisst, einfach mit einem X am Ende, darum sind die Füsse gekreuzt - wie ein X. Das indische Restaurant Mahamaya Fixpress wirbt für seinen Fixie-Fahrradkurier. Mit dem Plakat vereint Rodja Galli das traditionell Indische mit dem städtischen Fahrradkurier-Service. Amnesty International Deutschland ruft mit einem Plakat von Katinka Reinke zum kritischen Konsum auf. Für eine Henri-Cartier-Bresson-Ausstellung im Museum für Gestaltung Zürich schuf der Fotograf himself das Foto, den Rahmen dazu kreierte Patrick Roppel vom gleichnamigen Studio.

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Wie ermittelt man die 100 besten Plakate eines Jahres aus den drei Ländern Deutschland, Österreich und der Schweiz? Man gründet einen Verein, nennt ihn «100 beste Plakate», wählt Juroren und lässt diese ihre Köpfe zerbrechen.

1659 Plakate wurden 2011 eingereicht. Und, wie Stephan Bundi, Präsident des Vereins im Vorwort von «Die 100 besten Plakate 11» (siehe Info-Box) schreibt, waren glücklicherweise 1239 davon nicht physisch, sondern online eingegeben worden. Diese Werke mussten dann folglich auch nicht entsorgt werden.

Die sechsköpfige Jury musste sich die Frage stellen, was ein Plakat gut oder schlecht macht. Ist es die Typografie? Das Bild? Die Botschaft? Oder etwas ganz anderes? Die Jury hat gewählt, doch wir, die uns das Buch anschauen, dürfen mit jeder Wahl nicht einverstanden sein – es kommt darauf an, was man von einem Plakat will.

So gesehen ist das Plakat-Buch nicht nur einfach ein Nice-To-Have-Bildband, sondern kann zum Nachdenken und Diskutieren anregen. Auf jeden Fall weckt es - ebenso wie ein Blick in unsere Bildstrecke - schon mal die Vorfreude auf die nächstjährige Edition. Die Ausschreibung dafür wird rechtzeitig zum Jahresende starten.