Tom Tykwer

26. November 2012 07:22; Akt: 26.11.2012 09:18 Print

«Wöchentlich gab es Katastrophen»

von Isabelle Riederer - «Cloud Atlas» ist der teuerste europäische Film aller Zeiten. Was ihn so teuer machte, erklärt Regisseur Tom Tykwer im Interview mit 20 Minuten Online.

«Cloud Atlas» läuft ab dem 29. November in den Kinos.
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Herr Tykwer, David Mitchells Roman «Cloud Altlas» galt lange Zeit als unverfilmbar. Wie haben Sie es trotzdem geschafft?
Tom Tykwer: Ja, das war auch die zentrale Herausforderung, der wir uns stellen mussten, bevor wir überhaupt anfingen zu drehen. Wir mussten uns selber die Frage beantworten, wie kriegen wir das alles in einen Film, der gute zweieinhalb Stunden lang ist, der extrem unterhaltsam sein soll und für den man nichts, was einem wirklich am Herzen liegt aus dem Roman opfern muss. Wir mussten ein System bauen, das zum Film passt. Und so haben wir uns entschieden nicht das Buch an sich zu verfilmen, sondern die Erinnerung an das Buch.

Und wie haben Sie das gemacht?
Mit Karteikarten. Wir haben zu dritt (Anmerkung der Redaktion: Mit den Regisseuren Andy und Lana Wachowski) jede Szene, jeden Moment, jede Situation, jeden Augenblick, der uns wirklich wichtig war und den wir beeindruckend fanden auf eine Karte geschrieben. Dann legten wir die Karten auf den Boden und haben angefangen, sie aufzuheben und in andere Kontexte zu schieben. Plötzlich fiel uns auf, dass es Figuren gab, die den gleichen Prozess durchmachten und so kamen wir auf die Idee, dass diese Figuren, die ähnlich sind, auch vom selben Schauspieler gespielt werden könnten.

Da fällt mir ein, ich habe gehört, dass die Schauspieler sich aufgrund ihrer aufwendigen Maske am Set teilweise gar nicht mehr erkannt haben. Stimmt das?
Oh ja, die sind mit Vorliebe aneinander vorbeimarschiert. Aber klar, wenn Hugh Grant als Asiate an Halle Berry als weisse jüdische Frau vorbei geht, dann wissen die beiden im ersten Moment nicht, dass sie sich eigentlich schon seit Jahren kennen. Also ich weiss noch der verrückteste Tag am Set war, als wir die Szene mit Hugh Grant am Pool drehten. Er spielte diesen abgetakelten, alten Playboy, der meckernd am Pool rumsteht und verheiratet ist mit Ben Whishaw als seine Frau Georgette. Wir mussten uns unheimlich zusammenreissen, um die Szene überhaupt ernsthaft über die Runden zu kriegen. Jeder hat gelacht.

Mit über 100 Millionen Franken ist «Cloud Atlas» der teuerste europäische Film aller Zeiten. Was hat ihn so teuer gemacht?
Also wenn man das nicht sieht, dann weiss ich nicht, was ein Film sonst teuer macht. Es fliegt einem ja quasi um die Ohren. In dem Film ist alles drin, sogar ein kompletter Science-Fiction-Film. Für die Science-Fiction-Szenen muss man eine ganze Welt erfinden. Die Architektur, jedes Fenster, jedes Fortbewegungsmittel, die Kleider - nichts existiert, alles muss erfunden werden. Dann gibt es im Film die Szenen auf hoher See. Das Kompliziertest und Teuerste, was es gibt, sind Szenen auf einem Schiff zu drehen. Es ist ein Film, in dem fünf von sechs Geschichten in Zeiten spielen, die es nicht mehr gibt oder die noch gar nicht existieren. Schwerer kann man sich die Produktion eines Films eigentlich gar nicht mehr machen. Finden Sie nicht auch, dass der Film sehr aufwendig gemacht ist?

Doch…
...eben, wir haben wirklich alles Geld in diesen Film gesteckt. Wir haben alle nichts gekriegt für den Film, im Gegenteil, wir haben noch eigenes Geld hineingesteckt. Die Schauspieler haben teilweise für einen Bruchteil ihrer normalen Gage gearbeitet. Alle haben nur mitgemacht, weil sie einfach Lust auf den Film hatten.

Das klingt so als hätten Sie ziemliche finanzielle Probleme gehabt.
Andauernd. Wöchentlich wurden wir von der Finanzierungsseite her von irgendwelchen Katastrophen heimgesucht. Es war unglaublich schwierig, Investoren zu finden. Wir dachten immer, man will doch mal was Neues sehen, anstatt Spider-Man im fünften Remake. Aber da haben wir uns wohl getäuscht.

Sie haben vier Jahre mit dem «Matrix»-Machern Lana und Andy Wachwoski an «Cloud Atlas» gearbeitet. Wie funktionierte die Zusammenarbeit zu dritt?
Gut. Ich weiss schon, ein Konzept von Harmonie klingt heutzutage unglaubwürdig, doch es war tatsächlich der Fall, dass wir kein einziges Mal ernsthaft gestritten haben.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Freddy Meyer am 26.11.2012 10:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein Film mit Tiefe

    Hab mir den Film dieses Wochenende angeschaut und finde ihn absolut empfehlenswert. Einziges Malheureux ist, dass meiner Meinung nach zu hektisch zwischen den verschiedenen Handlungssträngen hin und her gezapt wird. Die Qualität und die grandiosen Bilder der einzelnen Geschichten ist aber schon Grund genug diesen Film ein zweites Mal anzuschauen.

  • Kinofreak am 26.11.2012 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Der Beste

    Dies war der 32. Film den ich in diesem Jahr gesehen habe. Es liefen dieses Jahr schon einige sehr gute Filme. Aber der absolute TOP-Film 2012 hat mir noch gefehlt. Nun habe ich ihn entdeckt. Cloud Atlas ist spitze! Und an Tom Tykwer: Danke, dass es noch Filmemacher wie Sie gibt, welche eben nicht auf andauernde Remakes wie bei Spider-Man setzen.

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  • Hildegard Fusser am 26.11.2012 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Meisterwerk

    Obwohl der Film einerseits höchste Konzentration erfordert ist es eine Gefühlsgeschichte von der man sich einfach gehen lassen soll. Um den Wolkenatlas zu geniessen muss man sich vollends und bedingungslos auf ihn einlassen. Ein Grund weshalb die Kritiken zum Film so stark differenziert sind.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Hussain Abel am 26.11.2012 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    Schöner Film

    Ich fand den Film wunderschön. Vergleichbar mit Avatar: Gefühlsvoll, spannend, episch. Einzig die Tiefe fehlt. Trozdem würde ich gleich wieder ins Kino. Bewertung 8/10

    • sixsmith am 27.11.2012 13:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Besser

      naja die story ist schon etwas besser als die von avatar..

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  • Hildegard Fusser am 26.11.2012 20:13 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Meisterwerk

    Obwohl der Film einerseits höchste Konzentration erfordert ist es eine Gefühlsgeschichte von der man sich einfach gehen lassen soll. Um den Wolkenatlas zu geniessen muss man sich vollends und bedingungslos auf ihn einlassen. Ein Grund weshalb die Kritiken zum Film so stark differenziert sind.

  • Jakob Bronschofer am 26.11.2012 20:05 Report Diesen Beitrag melden

    Der Wolkenatlas

    Hab den Film gesehen und bin begeistert. Seit Inception der erste wieder richtig gute Kinofilm. Ein Actionfilm bei dem man auch sein Gehirn anschalten muss. Einziger Makel sind die ständigen Hinweise auf Reinkarnation, an welche ich persönlich nicht glaube. P.S: Der Soundtrack ab 3.10 (Min) ist einfach wunderschön.

  • Bernd Meier am 26.11.2012 19:53 Report Diesen Beitrag melden

    Umbedingt anschauen

    Ich gebe dem Film 9/10 Punkten. Der Aufbau ist verückt, nicht nur spielen die einzelnen Geschichten in verschiedenen Epochen, auch die Genres sind unterschiedlich (Krimi, Komödie,..) Der Film baut eine epische Spannung von der man Gänsehaut bekommt. Einzige Kritik: der Wechsel zwischen den einzelnen Handlungen erfolgt manchmal zu hektisch.

  • Kinofreak am 26.11.2012 11:09 Report Diesen Beitrag melden

    Der Beste

    Dies war der 32. Film den ich in diesem Jahr gesehen habe. Es liefen dieses Jahr schon einige sehr gute Filme. Aber der absolute TOP-Film 2012 hat mir noch gefehlt. Nun habe ich ihn entdeckt. Cloud Atlas ist spitze! Und an Tom Tykwer: Danke, dass es noch Filmemacher wie Sie gibt, welche eben nicht auf andauernde Remakes wie bei Spider-Man setzen.

    • Nico am 26.11.2012 18:01 Report Diesen Beitrag melden

      Savages

      Savages kann ich Dir nur empfehlen, falls noch nicht gesehen :-)

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