Sofa statt Kino

17. Dezember 2016 22:28; Akt: 17.12.2016 22:28 Print

Bestimmt «La La Land» Zukunft der Filmindustrie?

Apple will Filme kurz nach dem Kinostart als Stream anbieten. Damit hätten auch Genres eine Chance, die das Kinopublikum sonst ignoriert – wie das gefeierte Musical «La La Land».

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Filme zwei Wochen nach dem Kinostart bereits zu Hause oder unterwegs streamen – und das sogar legal? Dieses Vorhaben geistert schon länger durch die Industrie. Apple nutzt nun seine Stellung im Markt, um dies voranzutreiben. Eine der Chancen dieses Vertriebsmodells ist es, dass Werke aus Nischen-Genres wieder ein grösseres Publikum erreichen – Werke wie das Musical «La La Land» mit Ryan Gosling und Emma Stone. Im von Remakes, Marvel-Verfilmungen und «Harry Potter»-Prequels dominierten Markt sprechen solche Streifen oft nicht mehr genug reguläre Kinogänger an, um ihre Produktion und grossflächige Distribution zu rechtfertigen. «La La Land» könnte darum eine entscheidende Rolle in der Frage nach dem Sinn eines Streaming-Modells wie dem von Apple spielen – und ganz generell in der Frage, in welche Richtung sich das Kino in Zukunft entwickelt. Dieser Meinung ist Tom Hanks, der sich kürzlich zum Film äusserte – wobei anzumerken ist, dass der Hollywood-Veteran nicht mit «La La Land» verbandelt ist. «Der Film wird das Publikum testen», sagte er gemäss Deadline.com, «weil er keines der Kriterien erfüllt, die grosse Studios heute wollen.» «Wir gehen doch alle aus demselben Grund ins Kino: Wir wollen an einen Ort entführt werden, an dem wir vorher noch nicht gewesen sind.» Das Ziel sei es, etwas zu schauen, das man sich vorher nicht vorstellen konnte, und sich danach denkt: «Gott sei Dank wurde das gemacht.» Und so ein Streifen sei eben «La La Land», von dem Hanks sich sehr begeistert zeigte, und anfügte: «Wenn das Publikum so etwas Wundervolles wie diesen Film nicht feiert, dann sind wir alle verloren.» Der Musical-Film von «Whiplash»-Regisseur Damien Chazelle kommt am 12. Januar in die Deutschschweizer Kinos. Neben Stone und Gosling werden auch John Legend (hier in der Mitte), Rosemarie DeWitt und J. K. Simmons auf der Leinwand zu sehen sein.

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In naher Zukunft könnten Filme nur zwei Wochen nach ihrem Kinostart bereits als Stream angeboten werden – zum Beispiel bei Apple. Die grossen Hollywood-Studios bekämen dadurch die Möglichkeit, mit Services wie Netflix zu konkurrieren, die ein Publikum bedienen, das – aus welchen Gründen auch immer – selten oder nie ins Kino geht.

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Frühere Verfügbarkeit von neuen Streifen könnte ein wachsendes Kundenbedürfnis erfüllen und gleichzeitig zur Minderung der Filmpiraterie führen, sagte Warner-Bros.-Chef Kevin Tsujihara gemäss Bloomberg.com zum Thema.

Chance für Nischen-Genres

Allerdings besteht laut TheVerge.com die Gefahr, dass gewiefte Piraten auch einen Weg um Apples Kopierschutz finden. Ein Knackpunkt des Modells sind auch die Kosten: Momentan wird von einem Mietpreis von 25 bis 50 Franken pro Film ausgegangen.

Verlockend an dieser neuen Vertriebsart ist Mashable.com zufolge – neben der Tatsache, dass Sie keine Hose mehr anziehen müssen, wenn Sie aktuelle Kinofilme schauen wollen – die Chance, dass die grossen Studios wieder mehr Risiken eingehen, weil sie ihr Publikum direkt erreichen und nicht mehr ausschliesslich auf Produktionen setzen müssen, die in möglichst vielen Kinos möglichst viele Kinogänger ansprechen. Sie könnten so wieder vermehrt Werke drehen lassen, die mittlerweile zu Nischen-Genres zählen, etwa klassische Dramen.


Ein Clip aus «La La Land». (Quelle: Youtube/Lionsgate Movies)

Oder Musicals wie das anstehende «La La Land» mit Emma Stone und Ryan Gosling in den Hauptrollen. Der Film hat schon vor seinem Release (bei uns läuft er regulär am 12. Januar an) zahlreiche Auszeichnungen abgeräumt – darunter am Sonntag stolze acht Critics' Choice Awards – am Montag wurde bekannt, dass er für sieben Golden Globes nominiert ist.

In einer Fragerunde zu seinem Film «Sully» meinte Tom Hanks kürzlich, dass «La La Land» «das breite Publikum testen wird, weil er keines der Kriterien erfüllt, die grosse Studios heute wollen», also keine bekannten Charaktere, kein Remake und kein «Marvel's» im Titel.

Das Publikum hat es in der Hand

Zwar gebe es «einige gute Filme», die den genannten Kriterien entsprächen, aber der Leinwand-Veteran unterstrich die Wichtigkeit neuer Ideen: «Wir gehen doch alle aus demselben Grund ins Kino. Wir wollen an einen Ort entführt werden, an dem wir vorher noch nicht gewesen sind.» Das Ziel sei es, etwas zu schauen, das man sich vorher nicht vorstellen konnte, und sich danach denkt: «Gott sei Dank wurde das gemacht.»


Der neuste Trailer zum Film. (Quelle: Youtube/Lionsgate Movies)

Der Kinostart von «La La Land» hat für Hanks darum besonderes Gewicht. «Wenn das Publikum so etwas Wundervolles wie diesen Film nicht feiert», sagte er, «dann sind wir alle verloren». Und das Kino-Zuhause-Modell hätte dann ebenfalls ein wichtiges Argument weniger.

(shy)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Piora am 17.12.2016 22:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Von Zuhause aus

    In der Schweiz ist online Filme schauen und downloaden legal ;-)

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  • Junger Mann am 17.12.2016 23:38 Report Diesen Beitrag melden

    Kino forever

    Ich gehe hauptsächlich ins Kindo wegen dem Atmosphäre. Es macht einfach Spass im Kino zu schauen. Ich werde auch in 20 Jahren ins Kino gehen :-)

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  • Marc am 17.12.2016 23:43 Report Diesen Beitrag melden

    Mhhh

    Naja, die Selektierung hat schon ihren Grund: es spielt Kohle ein. Auch Apple wird Kartoffelsalat keine Streaming-Zeit einräumen, weil der Film einfach schlecht ist. Sie werden dann halt einfach die besten "Nischen-Filme" streamen. Die mittleren/schlechten Filme bleiben dann immer noch auf der Strecke.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • max62 am 18.12.2016 16:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Witz.

    Schon der Mietpreis ist ein Witz. Brauchen die Geld?

  • Josef Rusch am 18.12.2016 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Werbung

    Und irgendwann wird dies dann noch zusätzlich mit Werbung finanziert. Schade eigentlich.

  • MrHolmes am 18.12.2016 09:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    So ist das eben...

    Mist! La La Land hätte ich mir rechtlich schützen lassen sollen. So bezeichne ich die Allianzler im WoW Universum. Und das schon seit der Beta ^^

  • MiguelAlvaro am 18.12.2016 07:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geduld

    Ein Kinoticket kostet bei uns CHF 20. Wenn man dann noch was zu Essen oder Trinken möchte, ist man schon bei knapp CHF 40 (für eine einzelne Person, keine Paare oder Familien). Da kann ich auch gut 3-4 Monate auf die DVD, Online oder Free TV warten...

    • Hudini am 18.12.2016 22:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @MiguelAlvaro

      Mit der Carte Bleue kommst du für 13.- ins Kino. Und du kannst ja zum Beispiel eine Guacamole im Tupper mitnehmen mit nem Sack Chips. Das kostet dann max 20.- total ;) Ausserdem lohnt es sich meiner Meinung wegen dem Sound ins Kino zu gehen. Atmos hat schon was.

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  • SausB am 18.12.2016 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Yes

    Mit dieser Idee habe ich mich schon seit mehreren Jahren angefreundet und würde diese nun endlich willkommen heissen. Der Preis ist jedoch so hoch, dass ich weiterhin hier und da der Piraterie verfallen werde. Meiner Meinung nach, ist dies der Eintritt in den Massenmarkt und muss alleine daher schon wesentlich günstiger sein, da die gesamten Nebenkosten eines Filmtheater nicht vom Zuschauer getragen werden müssten. Bis maximal 15 Stutz darf der Preis sein und dann verdient die Filmindustrie kräftig mit!