Ende einer Ära

09. März 2017 14:08; Akt: 09.03.2017 14:08 Print

Hollywoods romantische Komödie ist abgelutscht

von C. Steiner - Frauen wollen tolle Frisuren und treue Ehemänner! Die klassische Rom-Com bedient Klischees am Laufmeter und muss darum neuen Ideen weichen.

Küss sie doch! Die besten Schmatzer der Filmgeschichte sehen Sie im Video.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Erinnern Sie sich an die Zeit, als im Wochentakt Rom-Coms im Kino starteten? Filme wie «You've Got Mail», «My Best Friend's Wedding» und «Sleepless in Seattle» waren in den 1990er und Nullerjahren echte Blockbuster. «Pretty Woman», der wohl bezauberndste Film über eine Prostituierte, spülte 1990 knapp 500 Millionen Dollar in die Kinokassen. Das ist die Liga, in der heute Comic-Verfilmungen spielen.

Umfrage
Mögen Sie klassische romantische Komödien?
84 %
16 %
Insgesamt 1098 Teilnehmer

Es war die Zeit, als Jennifer Aniston, Cameron Diaz, Drew Barrymore und Julia Roberts die grössten Stars des Planeten waren und alle ihre Frisuren und Boyfriends wollten. Junge trifft Mädchen. Junge verliebt sich in Mädchen. Junge verliert Mädchen. Junge erobert das Mädchen zurück. So lautete die einfache Formel, die Millionen in die Multiplexe zog. Heute sind romantische Komödien im Kino dünn gesät. Grosse Budgets sind selten geworden, Hollywood setzt vor allem auf Marken, vorwiegend in Form von Comicbuch-Vorlagen.

Happy Ends entsprechen nicht der Realität

Aber auch inhaltlich sind die klassischen Rom-Coms heute nicht mehr gefragt. Perfekte Frauen mit perfekten Jobs (Cupcake-Bäckerin! Event-Managerin! Lifestyle-Journalistin!) entsprechen nicht mehr dem Zeitgeist. Eine Liebe wie im Märchen? In Zeiten von Tinder, Ghosting, Benching und anderen Beziehungsphänomenen wurden die weltfremden Happy Ends, die uns die grossen Studios auftischen wollten, zunehmend unglaubwürdig. Genauso wie die Unterstellung, dass Frauen nur dann glücklich sein können, wenn sie einen Mann gefunden und einen Ring am Finger haben.

Viele Kritiker riefen in den letzten Jahren den unwiderruflichen Niedergang des Genres aus. Und es stimmt: Bis auf wenige Ausnahmen schaffte es tatsächlich keine Liebeskomödie mehr, ein Massenpublikum anzuziehen. Trotzdem wäre es falsch, den Totenschein auszustellen. Die romantische Komödie ist nicht tot, sondern hat sich verändert.

Neue Heldinnen pfeifen auf Monogamie

Während grosse Studios und Filmstars das Interesse an den platten Stoffen verloren haben, treiben Indie-Produktionen und vermehrt TV-Serien den Gedanken der Rom-Com einen Schritt weiter. Statt dem Publikum Zuckerwatte zu servieren, wird Beziehungsrealitäten Rechnung getragen. Die neuen Heldinnen haben Fehler, sie haben vielleicht gar keine Lust auf eine feste Beziehung oder pfeifen auf Monogamie.

Wie Zooey Deschanel, die Joseph Gordon-Levitt am Ende von «500 Days of Summer» mit einem gebrochenen Herzen zurücklässt. Oder Amy Schumer in «Trainwreck», die mit einem Mann nach dem anderen ins Bett steigt, nur um ihn um 3 Uhr morgens rauszuwerfen. Auch die Protagonistinnen der US-Serien «Love», «You're the Worst» oder «Crazy Ex-Girlfriend» sind meilenweit von den perfekt frisierten Rom-Com-Heldinnen von vor 15 Jahren entfernt. Sie suchen nach ihrer eigenen Identität, und vielleicht fällt bei der Suche noch der geeignete Typ ab. Und das reicht doch auch völlig, oder?

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M. Ovie am 09.03.2017 14:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traumfabrik

    Wenn ich die Realität will, kann ich zu Hause bleiben. Im Kino möchte ich gerne in andere (Traum-)Welten abtauchen und sehen, wie die Liebe gewinnt und das Gute über das Böse siegt.

    einklappen einklappen
  • jörg am 09.03.2017 14:30 Report Diesen Beitrag melden

    Wer krankt hier am meisten?

    Ist es der Rom-Com Film oder die sogenannte "Realität" die er abzubilden hat. Nun ist es offenbar so, dass die Frauen, die in einer Multioptionsgesellschaft ihre Rolle nicht mehr finden können, keinen Stoff mehr für eine romantische Komödie liefern können. - Bin ich froh, habe ich noch eine Frau, die einem alten Rom-Com Klischee entspricht. - Schade nur, dass nicht mal mehr Hollywood zu träumen vermag.

    einklappen einklappen
  • Gerry41 am 09.03.2017 15:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Filme zum ansehen

    Also egal ob die Zeit abgeblich vorbei ist. Ich schau mir diese Filme gerne an. Romantik ist immer gut.

Die neusten Leser-Kommentare

  • A.R. am 09.03.2017 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Romantic forever

    Ich vermisse diese Filme wie "Pretty Woman", "Schlaflos in Seattle" und Co. sehr.... Hoffe so sehr, dass Hollywood wieder mehr romantische Filme produziert.

  • Tentakel schmatzt G-Punkt am 09.03.2017 20:17 Report Diesen Beitrag melden

    Zeichnerin heutzutage Hentei Protuzentin

    Ich finde Caroline in the City immer noch super ! Heute wäre alles anders!

  • Pitsch der Glatzkopf am 09.03.2017 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beziehungs Unfähig

    Für Romantik und wahre Liebe scheint die heutige, degenerierte Gesellschaft nicht mehr fähig zu sein. Einfach nur den Weg des geringsten gehen, sich dann aber über alles beklagen.

  • Mrs. Darcy am 09.03.2017 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pride & prejudice

    Ich finde Stolz & Vorurteil immer noch den besten Liebesfilm aller Zeiten.

  • egon Zehnder am 09.03.2017 16:16 Report Diesen Beitrag melden

    träum weiter, Kritiker

    Na ja. Da wünscht sich ein Kritiker wieder mal etwas Profilierung. Aber solange diese Filme gut laufen, werden sie miz Sicherheit auch produziert werden.