«The Walk»

22. Oktober 2015 12:30; Akt: 22.10.2015 12:30 Print

Der Irre, der in 400 Metern Höhe balanciert

von C. Steiner - Was bewog einen Franzosen 1974 dazu, auf einem Seil zwischen den Türmen des World Trade Center zu balancieren? Schauspieler Joseph Gordon-Levitt weiss es.

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Am 7. August 1974 schrieb der Franzose Philippe Petit Geschichte. Er verschaffte sich illegal Zugang zu den Türmen des World Trade Center, spannte ein Drahtseil dazwischen und balancierte hoch über den Strassen von Manhattan. Der Hochseilartist verzichtete auf irgendeine Form der Sicherung und ging nicht nur einmal von einem Turm zum nächsten, sondern achtmal. Insgesamt 45 Minuten dauerte sein irres Kunststück. Petit war zu diesem Zeitpunkt 25 Jahre alt. Vom Boden aus blickten Hunderte Menschen gebannt nach oben. Auf diesem Foto sieht er ziemlich entspannt aus dafür, dass ihn ein falscher Tritt ins Jenseits befördert hätte. So sieht der inzwischen 66-Jährige heute aus. Im Oktober 2015 zeigte er sich in Rom anlässlich der Präsentation von «The Walk». Der Spielfilm zeichnet die Ereignisse von damals nach. Das gab es bereits einmal:. 2009 widmete sich der Dokumentarfilm «The Wire» dem Drahtseilakt. Regisseur James Marsh (links) erhielt dafür einen Oscar. Und was machte Petit? Eine Blume auf der Nase balancieren, was sonst. Am 22. Oktober 2015 kommt nun die heissersehnte Spielfilmversion ins Kino. In die engen Hosen von Petit schlüpft Joseph Gordon-Levitt. Vom wagemutigen Franzosen hat der Hollywoodstar viel gelernt. «Wenn man auf einem Seil balanciert, sucht man sich einen Punkt aus, auf den man schaut. Nirgends anders hin, und man denkt auch an nichts anderes. Wenn man den Fokus verliert, ist die Balance weg», , verriet uns der 34-Jährige im Interview. «Schauspielern ist ähnlich. Du denkst nicht an das grosse Budget, die vielen Leute am Set, sondern nur an deine Figur.» Das Balancieren musste Gordon-Levitt auch lernen. Unter fachmännischer Betreuung von Petit natürlich.

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1974 macht Philippe Petit einen Schritt, der die Welt verändern sollte. Der Franzose balanciert auf einem Hochseil ungesichert zwischen den Türmen des World Trade Center hin und her. 110 Stockwerke über dem Boden, 45 Minuten lang. Ein falscher Tritt und alles wäre aus gewesen. Sein Leben hing am seidenen Faden, auch wenn das Seil aus Stahl gemacht war.

2009 setzte John Marsh diesem verrückten, aber auch poetischen Ereignis ein filmisches Denkmal. «The Wire» erhielt den Oscar für den besten Dokumentarfilm, berührte Millionen von Menschen. Nun bringt Robert Zemeckis («Forrest Gump») mit «The Walk» die Spielfilmversion ins Kino. In der Hauptrolle: Joseph Gordon-Levitt.

«Wie ein Flugzeug in der Luft»

«Petit ist teilweise verrückt, und das würde er als Erster zugeben», erzählt der 34-Jährige beim Interview in Mexiko. Ein gefundenes Fressen für einen Schauspieler seines Kalibers. «Wenn man eine einseitige Figur spielt, ist das langweilig. Menschen sind kompliziert. Petit ist auf der einen Seite dieser brillante, mutige Künstler und andererseits ein Mensch, der seinen Verstand verliert.»

Der Streifen huldigt aber nicht nur Petit, sondern auch den ursprünglichen Türmen des World Trade Center. Gordon-Levitt lebte im Sommer 2001 als Student in New York. Eines freien Nachmittags begab er sich spontan ganz nach oben, auf der Aussichtsplattform des ikonischen Wolkenkratzers. «Es fühlte sich nicht an wie in einem Gebäude zu sein, sondern wie in einem Flugzeug hoch in der Luft», erinnert er sich. Zwei Monate später fielen die Türme aufgrund der Angriffe von Terroristen zusammen. Mit dem Film wolle man auch die positiven Erinnerungen an die Türme feiern, so Gordon-Levitt.

Anders als der todesmutige Petit scheut der Hollywoodstar die Gefahr – zumindest wenn es um seine physische Gesundheit geht. Seine Kicks holt er sich auf dem Filmset: «Wenn man ein Schauspieler ist, geht man automatisch Risiken ein. Danach bin ich süchtig.»

«The Walk» startet heute in den Deutschschweizer
Kinos.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • NeedHelp am 22.10.2015 13:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ???

    Mann, es gibt jene Dokus über Knie und Co. und jetz noch ein Film?! Ist das so ein Reisser?! Klärt mich auf, verstehe den hype nicht..! Jemand läuft über ein Seil... Hammer! Klar eine Leistung, aber gleich ein ganzer Film??

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  • Karlssontje am 22.10.2015 12:41 Report Diesen Beitrag melden

    Na ja, wenn er will.

    Ob er nun aus 10 oder aus 400 Metern herunter fällt macht keinen Unterschied. Das Resultat bleibt das gleiche wenn man bedenkt, dass eine Fallöhe von nur gerade 5m als tödlich gilt.

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  • Robert am 22.10.2015 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grosses Kino

    Endlich mal wieder ein Film, wo 3D sinnvoll ist. Für so etwas wurde das Kino erfunden, grossartiger (Kino-) Film!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lucie Santschi am 23.10.2015 08:08 Report Diesen Beitrag melden

    Mehr Grafik

    Ich denke nicht, dass es bei diesem Film primär um die Story ansich geht. All zu viel kann man da nicht rausholen sonst wird es langatmig. Aber der Film ist in 3D und ich denke, dass da der Fokus ziemlich auf die Grafik gelegt wird denn schon der Trailer sieht vielversprechend aus und einige Effekte kommen auch ohne Brille bereits zur Geltung. Die Story wird zweitrangig sein, die Grafik wird dafür umso mehr einfahren!

  • Joke am 22.10.2015 23:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ich bin irre

    Ich gehe jeden Tag zur Arbeit. Das ist irre! :o)

  • Heisenberg83 am 22.10.2015 15:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krass

    Ich habe schon Schiss wenn ich irgendwo von hoch runter schauen muss und der läuft da ein bisschen rum...

    • Ueli Steck am 23.10.2015 15:54 Report Diesen Beitrag melden

      @Heisenberg:

      dann schauen Sie mal etwas über Alex Honold, da kriegt man Panik vor dem Bildschirm

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  • Conny am 22.10.2015 14:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glutsch

    Und wenn er runterfällt machts kurz platsch und er verzeilt sich explosionsartig auf den Fussboden.

  • Robert am 22.10.2015 14:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Grosses Kino

    Endlich mal wieder ein Film, wo 3D sinnvoll ist. Für so etwas wurde das Kino erfunden, grossartiger (Kino-) Film!!