Cruz und Co.

04. August 2014 06:04; Akt: 05.08.2014 13:05 Print

Hollywood twittert gegen die Gewalt in Gaza

Im Nahost-Konflikt erheben immer mehr Stars ihre Stimme. Viele bekunden ihr Mitgefühl mit den Palästinensern und fordern ein Ende der israelischen Offensive. Das sorgt für Wirbel.

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Als Hollywood-Regisseur Jonathan Demme gebeten wurde, sich für die Opfer des Gaza-Konflikts starkzumachen, zögerte er nicht. Gemeinsam mit Kollegen aus dem Showgeschäft stellte er sich über Twitter, Facebook und Co. hinter die leidenden palästinensischen Kinder, Frauen und Männer – und musste dafür selbst heftige Kritik einstecken.

Wie Demme («Das Schweigen der Lämmer») ging es Dutzenden Prominenten, die in den vergangenen Wochen ihre Stimme gegen die eskalierende Gewalt erhoben. Einige, wie Sängerin Rihanna oder Basketballstar Dwight Howard, ruderten zurück und löschten ihre Kommentare nur kurz nach dem Posten wieder. Auch die Schauspieler Penélope Cruz und Javier Bardem machten einen Schritt zurück, nachdem sie einen Appell «gegen den Völkermord an den Palästinensern» unterzeichnet hatten.

Ihr gehe es um Frieden für beide Seiten, betonte Cruz. Ein Urteil über die Situation wolle sie sich nicht anmassen. Ähnlich argumentiert Demme: «Ich sehe dies nicht als politische Aktion», sagt der Regisseur. Es sei kein Einsatz für einen palästinensischen Staat oder die Hamas. «Es geht darum, dass unschuldige Leben genommen werden und um die Zerstörung einer Kultur», erklärt er. «Ich habe mich nie meiner pazifistischen Haltung geschämt.»

Kein sensibles Thema mehr

Dennoch sorgen Proteste gegen die israelische Offensive und Fingerzeige auf das palästinensische Leid für scharfen Gegenwind, sowohl im Netz als auch innerhalb der Elite von Show und Entertainment. Noch vor einem Jahrzehnt galt der israelisch-palästinensische Konflikt den meisten Stars als zu sensibles Thema für öffentliche Kommentare. Mit dem Siegeszug der sozialen Medien prallen jetzt die Standpunkte aufeinander.

Er wolle Kollegen wie die Schauspielerin Scarlett Johansson oder die Moderatoren Howard Stern und Bill Maher, die die israelischen Aktionen unterstützten, von der Sinnlosigkeit der Gewalt überzeugen, sagt der Film- und Fernsehstar Wallace Shawn («Star Trek»). Für sein Mitwirken an einem Video in Erinnerung an die Opfer im Gazastreifen wurde er – selbst Jude – auf der Strasse ausgebuht. Auf der Aufnahme halten Dutzende Prominente jeweils ein Schild mit Namen und Alter eines Toten hoch. Im Internet wurde das Video binnen zweier Tage rund 100'000-mal aufgerufen.

Für unverantwortlich hält hingegen Rabbiner Marvin Hier, Gründer des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Los Angeles, Bekundungen wie den spanischen Appell, zu dessen rund 100 Unterzeichnern Cruz und Bardem gehörten. Ihm falle auf, dass immer wieder Prominente den aktuellen Konflikt falsch interpretierten, sagt Hier. Er gewinne ausserdem den Eindruck, dass einige Israel verurteilten, um inmitten eines zunehmend antisemitischen Klimas in Europa bei ihren Fans zu punkten. «Ich glaube, dass sie denken, damit an Popularität zu gewinnen.»

Der Grossteil des Protests konzentriert sich indessen auf Aufrufe zum Frieden. Dass er wegen seiner Tweets eher Anhänger verliert als gewinnt, nimmt der US-Schauspieler Mark Ruffalo («The Avengers», «The Kids Are All Right») dafür gerne in Kauf: «Wenn man sich an eine Million Menschen wendet, auch wenn es nur in 140 Zeichen ist, und man fünf oder zwei oder ein Prozent erreicht, die in dem Moment anders denken oder die Dinge anders sehen, dann hat man meiner Meinung nach etwas wirklich Positives getan.»

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Yannick Brunner am 04.08.2014 06:16 Report Diesen Beitrag melden

    Massenmörder

    Es ist unerträglich, dass Israel Massenmorde an Schulen, Frauen und Kindern mit dem Recht auf Selbstverteidigung begründet, obwohl sie den Palästinensern nicht nur das Land gestohlen haben, sondern auch die Menschenwürde und mit dem Wasser die Lebensgrundlage. An Verträge halten sie sich auch nicht, sonst hätten sie den Siedlungsbau längst einstellen müssen. Und wenn jemand das kritisiert, wird er einfasch als Antisemit abgestempelt. Die haben nichts, aber auch gar nichts aus ihrer eigenen, traurigen Geschichte gelernt.

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  • Joe Amberg am 04.08.2014 06:28 Report Diesen Beitrag melden

    Antisemitismus...

    Die diversen Kreigsverbrechen die Israel in den latzten 3 Wochen begangen hat wurden von der UNO bereits im Detail dokumentiert. Der wahre Skandal ist dass diese Taten faktisch systematich totgeschwiegen werden, wer es wagt diese Fakten auf den Tisch zu legen wird pauschal als böser Antisemit verunglimpft. Da bekanntlich auch die Palästinenser Semiten sind (Söhne des Sem), sind diese Anwürfe an Absurdität kaum mehr zu überbieten.

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  • Yassir Tannenbaum am 04.08.2014 06:50 Report Diesen Beitrag melden

    Undiferenzierte Sicht in den USA

    Ist schon schade was für eine riesen Macht die Israelische Lobby in den USA hat.. Gibt in den USA viele die von einem Gross Israel träumen aber selbst noch nie in Israel waren oder sich mal mit dem Problem ernsthaft befasst haben. Ichfinde in den USA besteht ein unaugewogenes verhältnis zu Israel und zum Judentum undifferenzierte Bewunderung. Mann muss ja nicht gleich antisemitsch werden, aber zumindest eine neutralere Sichtweise und auch Kritik sollte möglich sein, wer Israel kritisiert findet nicht automatisch die Hamas&co gut.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Jelena am 04.08.2014 14:36 Report Diesen Beitrag melden

    Partei ergreifen ist nicht Rassismus

    Man stelle sich vor, jemand würde einfach in meine Wohnung reinmarschieren und sagen, dass dies jetzt seine Wohnung sei und macht sich breit. In diesem Falle würde ich auch mit allen Mitteln mein Zuhause verteidigen. Ausserdem: Nur weil ich die Partei der Palästinenser ergreife, gelte ich nicht als Rassist oder Antisemitist. Es geht um Gerechtigkeit und die Menschen. Und auch die sogenannte Verteidigung von Israel gegenüber der Hamas rechtfertigt diesen Töten von all den Unschuldigen in keinster Weise!

  • Max und Trudi am 04.08.2014 14:26 Report Diesen Beitrag melden

    Initiative, damit kein Kriegsmaterial...

    ....mehr hergestellt wird! Diese elende, seit Jahrzehnten, weltweite Kriegerei endet erst, wenn endlich Weltweit, auch in der Schweiz !!! keine Waffen/ Kriegsmaterial mehr hergestellt werden. Es kann doch nicht sein, dass man wegen Angst der Arbeitslosigkeit ( was ich auch bedaure) weiter Kriegsmaterial herstellt, obwohl tausende Menschen damit "abgeschlachtet" werden. Wann endlich hört dies auf?

  • Cassandra am 04.08.2014 14:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das hört nie auf

    Hier ist keine Seite besser als die andere - leiden müssen vor allem Kinder die auch gleich mit dem entsprechenden Weltbild aufwachsen und den Konflikt weiterführen werden. Traurig das einige wenige auf beiden Seiten so viel Leid und Trauer verursachen.

  • Pandora am 04.08.2014 14:05 Report Diesen Beitrag melden

    Weder noch...

    Ich habe nichts gegen Juden. Auch nicht gegen Muslime, Christen, usw. Ich habe etwas gegen Menschen, die in ihren Rachefeldzügen und ihrer Machtgier das Leben tausender unschuldiger Frauen, Männern und Kinder aufs Spiel setzen oder sogar bewusst in Kauf nehmen. Egal welcher Religion er angehört, egal welche Hautfarbe er hat. Krieg trifft immer die, die am wenigsten dafür können und auch nie davon profitieren werden. So viele Kriege wurden schon geführt, doch daraus lernen werden wir nie.

  • Sandra am 04.08.2014 14:00 Report Diesen Beitrag melden

    Tote Zivilisten durch Hamas

    Komisch, wie viele Kommentare erscheinen, die ohne Fakten auskommen. So ist automatisch Israel für alle Toten im Gazastreifen verantwortlich. Dass viele Zivilisten durch die Hamas umgekommen sind, stört viele Hamas-Freunde überhaupt nicht. Die vielen Toten beim Raketenangriff auf das Shifa-Spital waren z.B. auf eine fehlgeleitete Hamasrakete zurückzuführen (allerdings wurde es wie gewohnt zuerst Israel untergeschoben). So starben viele Zivilisten, weil Hamasraketen innerhalb des Palästinensergebietes runtergingen. Warum stören diese Toten nicht?