James Franco als grosser Verlierer

24. Januar 2018 11:22; Akt: 24.01.2018 11:27 Print

So hat #MeToo die Oscar-Nominierungen geprägt

von Catharina Steiner - Die Academy zeigte sich bei der Auswahl der Anwärter auf den wichtigsten Filmpreis der Welt politisch korrekt. Auch wenn sie die jüngsten Ereignisse nicht angesprochen hat.

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Bei der Oscar-Verleihung 2017 ging «Moonlight» als strahlender Sieger der Zeremonie hervor und gewann ein Goldmännchen in der Königsklasse Bester Film. Folgende Filme sind 2018 für einen Oscar nominiert: ... : 13 – unter anderem für beste Regie, bester Film und Sally Hawkins als beste Hauptdarstellerin. : Guillermo del Toro : Sally Hawkins, Octavia Spencer und Michael Shannon : 9 – unter anderem für beste Regie und bester Film. : Christopher Nolan : Tom Hardy, Mark Rylance und Cillian Murphy : 7 – unter anderem für bester Film und Frances McDormand als beste Hauptdarstellerin. : Martin McDonagh : Frances McDormand, Woody Harrelson und Sam Rockwell : 6 – unter anderem als bester Film und Paul Thomas Anderson als bester Regisseur. : Paul Thomas Anderson : Daniel Day-Lewis und Lesley Manville : 6 – für bester Film und Gary Oldman als bester Hauptdarsteller. : Joe Wright : Gary Oldman und Lily James : 5 – unter anderem als bester Film, beste Regie und Saoirse Ronan als beste Hauptdarstellerin. : Greta Gerwig Saorsie Ronan und Laurie Metcalf : 5 – unter anderem für Sound Mixing und Visual Effects. : Denis Villeneuve : Ryan Gosling und Harrison Ford : 4 – unter anderem als bester Film, beste Regie und Daniel Kaluuya als bester Hauptdarsteller. : Jordan Peele : Daniel Kaluuya und Allison Williams : 4 – unter anderem für Sound Mixing und den besten Soundtrack. : Rian Johnson : Daisy Ridley und Mark Hamill : 4 – unter anderem für das beste adaptierte Drehbuch und Mary J. Blige als beste Nebendarstellerin. : Dee Rees : Carey Mulligan, Garrett Hedlund und Jason Clarke : 4 – unter anderem als bester Film und Timothée Chalamet als bester Hauptdarsteller. : Luca Guadagnino : Armie Hammer und Timothée Chalamet : 3 – unter anderem Margot Robbie als beste Hauptdarstellerin. : Craig Gillespie : Margot Robbie und Allison Janney : 2 – unter anderem als bester Film und Meryl Streep als beste Hauptdarstellerin. : Steven Spielberg : Meryl Streep und Tom Hanks : 1 – für das beste adaptierte Drehbuch. : James Franco : James Franco, Zac Efron und Seth Rogan : 1 – Willem Dafoe ist als bester Nebendarsteller nominiert. : Sean Baker : Willem Dafoe : 1 – für das beste Originaldrehbuch. : Michael Showalter : Zoe Kazan, Holly Hunter und Kumail Nanjiani : 1 – für das beste adaptierte Drehbuch. : Aaron Sorkin : Jessica Chastain, Idris Elba und Kevin Costner : 1 – für Christopher Plummer als bester Nebendarsteller. : Ridley Scott : Mark Wahlberg, Michelle Williams und Christopher Plummer

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Alle warteten gespannt auf die Worte von John Bailey, dem neuen Präsidenten der Academy of Motion Picture Arts and Sciences. Er sprach von einem «bemerkenswerten Jahr für den Film» – verlor in seiner Ansprache zu den diesjährigen Nominierten aber dennoch keine Silbe über die #MeToo-Bewegung, die die Industrie seit Herbst 2017 mit ständig neuen Enthüllungen erschüttert.

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Auf die Nominierungen für den wichtigsten Filmpreis der Welt hatten die Skandale um sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch in Hollywood aber dennoch Auswirkungen:

James Franco
Er galt lange als sicherer Anwärter für eine Nominierung als Bester Hauptdarsteller in «The Disaster Artist». Doch seit in der Nacht der Golden-Globes-Verleihung Anschuldigungen wegen sexueller Belästigung gegen ihn laut wurden, sanken seine Chancen. Stattdessen bekam Aussenseiter Denzel Washington («Roman J. Israel, Esq.») den Zuschlag. Auch bei Bester Film und Beste Regie ging die Komödie leer aus. Lediglich in der Kategorie Adaptiertes Drehbuch reichte es für eine Honorierung.

Kevin Spacey
«All the Money in the World» war eigentlich als Oscar-Abstauber prädestiniert. Doch nur Monate vor dem geplanten Filmstart brach die Kevin-Spacey-Lawine (er soll junge Männer systematisch belästigt haben) über die Macher hinein. Regisseur Ridley Scott reagierte blitzschnell, ersetzte Spacey durch Christopher Plummer und drehte alle seine Szenen nach. Dafür erhielt dieser nun sogar eine Nominierung als Bester Nebendarsteller. Dass es trotzdem nicht für mehr gereicht hat, muss man als Enttäuschung werten.

Harvey Weinstein
Anfang 2017 setzte The Weinstein Company noch grosse Hoffnungen in den Sundance-Hit «Wind River» mit Jeremy Renner und Elizabeth Olsen. Das Drama galt als sicherer Oscar-Kandidat. Doch wie zu erwarten, wurde der Beitrag komplett ignoriert.

#OscarsSoWhite
Der Hashtag sorgte in den letzten Jahren für Ärger. Kritisiert wurde die fehlende Anerkennung für afroamerikanische Filmschaffende. Mit Denzel Washington, Mary J. Blige, Octavia Spencer und Daniel Kaluuya wurden am Dienstag gleich vier schwarze Schauspieler für ihre Leistungen honoriert. «Get Out» des afroamerikanischen Regisseurs Jordan Peele, der sich mit dem Thema versteckter Rassismus beschäftigt, ist zusätzlich als Bester Film und für die Beste Regie im Rennen.

LGBTQ-Bewegung
Filme über Homosexualität sind nach dem Best-Picture-Sieg von «Moonlight» vergangenes Jahr endgültig im Mainstream angekommen. «Call Me by Your Name», der die erwachenden Gefühle eines Teenagers für den wesentlich älteren Arbeitskollegen seines Vaters thematisiert, ist als Bester Film nominiert und Newcomer Timothée Chalamet als Bester Hauptdarsteller.

Frauen-Power
In den letzten Jahren hat die Academy auf Kritik reagiert und mehr junge Frauen aufgenommen. Mittlerweile beläuft sich der Frauenanteil der Mitglieder auf knapp 30 Prozent. Mit Greta Gerwig («Lady Bird») hat es am Dienstag eine weibliche Filmemacherin in die Männer-Domäne Beste Regie geschafft. Und mit Rachel Morrison («Mudbound») wurde erstmals in der Geschichte der Oscars eine Frau für die Beste Kamera honoriert.

Die 90. Oscar-Verleihung findet am Sonntag, 4. März, im Dolby Theatre in Hollywood, Los Angeles, statt. In der Schweiz wird es dann früher Montagmorgen sein.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Horst Kühne am 24.01.2018 11:32 Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Ich weiss auch nicht.. ich finds irgendwie komisch, dass das Fehlverhalten bei der Beurteilung einer schauspielerischen Leistung mit einbezogen wird. Trotzdem kann man die Leute irgendwie doch nicht honorieren. Bei Franco find ichs etwas fraglich, da es ja nur "Anschuldigungen" sind, der wird gleich abgestempelt ohne zu wissen wieviel da überhaupt dahinter ist. Eh.. komische Situation.

  • Der Besuch der alten Dame? am 24.01.2018 11:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verurteilt ohne Richter

    Damit zeigt sich wohl eindeutig, dass die Oskars nicht dazu da sind bie besten Filme und Schauspieler auszuzeichnen. Alleine die nicht bewiesene, möglicherwise sogar falsche, Anschuldigung reicht aus um davon ausgeschlossen zu werden. Wo bleibt die Unschuldsvermutung? Vor einer Urteilssprechung finde ich so ein Vorgehen unerhört, ja gar eine Schande für ein solch berühmter Preis.

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  • Adriana am 24.01.2018 12:02 Report Diesen Beitrag melden

    Künstliche Welt

    An der Oscarverleihung wird also das Balzverhalten und nicht die schauspielerische Leistung beurteilt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Samy am 25.01.2018 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Hört bloss auf damit

    In meinen Augen ist der Oscar nur noch einen Pfifferling wert...Hollywoodstars feiern sich selbst am meisten und die ganze Metoo-Debatte geht mir nur noch auf den Senkel...

    • Frieda C am 11.02.2018 08:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Samy

      Genau.... und wieviele Frauen sich da hochgeschlafen haben weiss keiner! Echte Übergriffe gehören angezeigt und zwar sofort, nicht 10 und mehr Jahre danach...!!!!!

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  • Mia Lia am 25.01.2018 12:30 Report Diesen Beitrag melden

    Eine Frau

    Ich will nicht wissen wie viele Frauen die jetzt mit gross Me-Too aufschreien, eigentlich freiwillig mitgemacht haben für mehr Ruhm ;)

  • Peter am 25.01.2018 08:45 Report Diesen Beitrag melden

    nicht korrekt

    Politisch korrekt wäre es gewesen eine Anschuldigung, welche nichts weiter ist als eine Aussage welche weder bewiesen noch wiederlegt ist sondern einfach in den Raum geworfen wird, nicht zu berücksichtigen. Alles andere hat mit dem heutigen Justizsystem und politischer Korrektheit nichts zu tun!

  • A.D. am 24.01.2018 17:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verdacht = Schuldig

    Für mich die moderne Variante der Hexenjagd schlechthin.

    • Rosa am 24.01.2018 19:39 Report Diesen Beitrag melden

      Nicht alle meinen ja

      Wüssten sich einige Männer wie man sich mit Anstand benimmt hätten wir diese ganze metoo Sache nicht

    • Salomon am 25.01.2018 05:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rosa

      Sie haben mir letztens zwischen die Beine gefasst. Sollte ihr Arbeitgeber dies lesen, wird ihnen gekündigt. Das ist metoo.

    • Vreni am 25.01.2018 08:46 Report Diesen Beitrag melden

      Sexismus

      @Rosa, und wieder werden alle aufgrund weniger Verurteilt und in einen Topf geschmissen, soll ich ihnen was sagen? DAS nennt man Sexismus denken Sie mal darüber nach.

    • Irma La Douce am 11.02.2018 08:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Rosa

      ....sich mit Anstand benehmen, reicht eben nicht....unterschätzt diese gewissen Frauen nicht! Karriere-Leiter grüsst!

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  • M. Roth am 24.01.2018 14:57 Report Diesen Beitrag melden

    2017....

    war das schlechteste Filmjahr aller Zeiten. Da war jetzt wirklich nichts brauchbares drunter... Allgemein finde ich, dass die Filmbranche in den letzten Jahren abgegeben hat. Wer ist auch meiner Meinung?

    • Sauron am 25.01.2018 09:57 Report Diesen Beitrag melden

      Kino is dead

      Ich kann das nur unterschreiben. Früher kam doch mindestens einmal im Monat ein guter bis sehr guter Film raus. Früher habe ich auch sehr viel Geld für Filme und Musik ausgegeben. Heute zahle ich kaum noch was. Lade alles runter. Und habe nicht mal ein schlechtes Gefühl. Irgendwie geht die Qualität in ganz vielen Bereichen sehr zurück. Frage mich warum? Frauen? Diversität? Gender?

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