Horrorfilm-Ikone

17. Juli 2017 02:50; Akt: 17.07.2017 03:19 Print

Zombie-Vater George Romero ist gestorben

Kein anderer hat es vor George Romero geschafft, Zombies so zum Leben zu erwecken, dass sie als Metapher für Rassismus oder Militarismus stehen. Nun ist der Regisseur gestorben.

storybild

Der Schöpfer von «Die Nacht der lebenden Toten» ist gestorben: George Romero mit Zombie-Fans. (12. September 2009) (Bild: Keystone/Darren Calabrese)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Der Schöpfer von Zombie-Filmklassikern wie «Die Nacht der lebenden Toten», George Romero, ist tot. Er starb am Sonntag im Alter von 77 Jahren nach einem Kampf gegen Lungenkrebs, wie seine Familie in einer Mitteilung durch seinen Manager Chris Roe bekannt gab. Er sei gestorben, während er die Filmmusik des Klassikers «Der Sieger» gehört habe und seine Frau sowie seine Tochter an seiner Seite gewesen seien.

Romero hat mit seinem Regisseurdebüt, dem Horrorfilm «Die Nacht der lebenden Toten» von 1968, Standards geschaffen, die bis heute für Zombieverfilmungen gelten. Besonders war, dass Romeros Untote stets mehr als Kannibalen waren: Sie waren Metaphern für an die Gesellschaft angepasste Menschen, Kommerzialisierung, Klassenunterschiede, Rassismus oder Militarismus. «Die Zombies konnten alles sein», sagte Romero in einem Interview mit der Nachrichtenagentur AP im Jahr 2008.

«Menschen versagen, richtig zu reagieren»

«Sie konnten eine Lawine sein, ein Orkan. Es ist eine Katastrophe da draussen. In den Geschichten geht es darum, wie Menschen dabei versagen, richtig zu reagieren. Sie versagen, damit umzugehen», erklärte er. «Sie bleiben da, wo sie sind, statt zu erkennen, dass etwas zu gross für uns ist. (...) Das ist der Teil, der mir immer gefallen hat.»

In seinem Werk «Die Nacht der lebenden Toten» bewegen sich die Untoten langsam, sehnen sich nach menschlichem Fleisch und können nur durch einen Schuss in den Kopf getötet werden. Wenn der Zombie einen Menschen beisst, wird auch dieser zum Untoten. Diese Merkmale sind bis heute fest in Zombie-Film-Charakteren verankert.

Sozialkritisches Stück

Der damals mit einem Budget von rund 100'000 Dollar gedrehte Streifen handelt von Leichenfressern («Ghuls»), die eine Gruppe von Menschen attackieren, die sich in einem Farmhaus versteckt halten. Die Forschungsbibliothek des US-Kongresses erklärte den Schwarzweiss-Film 1999 zum Meisterwerk und nahm ihn in die Liste jener Filme auf, die als besonders erhaltenswert gelten.

Viele werteten den Film als sozialkritisches Stück über Rassismus in den Vereinigten Staaten. Der einzige Schwarze in der Erzählung überlebt zwar die Zombies, wird anschliessend jedoch von weissen Rettungskräften erschossen.

Zehn Jahre später drehte Romero den Klassiker «Zombie» (englischer Titel «Dawn of the Dead»), bei dem sich Menschen gegenseitig in einem Einkaufszentrum angreifen, während draussen Untote wüten. Romeros Zombies inspirierten zahlreiche Regisseure zu Imitationen, Neuverfilmungen und Hommagen.

(chk)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • R.K. am 17.07.2017 05:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verbotene Filme

    Ein grosser Visionär ist von uns gegangen und so sehr einige seiner Filme als,Meisterwerke gelten, darf nicht vergessen werden, dass "Dawn of the Dead" und "Day of the Dead" in der Schweiz nach wie vor laut § 135 StGB als problematisch gelten. Selbst stark zensierte Versionen der beiden Filme befinden sich auf der Verbotsliste des SVV (Schweizerischer Video Verband) und sind daher im Handel nicht erhältlich. Gerade für ein Land wie die Schweiz ist dies als Armutszeugnis zu verstehen, wenn man bedenkt, dass "Dawn of the Dead" sogar zu jenen Filmen zählt, die vom "Museum of Modern Art" in New York in die Liste der einflussreichsten amerikanischen Filme aufgenommen wurde.

    einklappen einklappen
  • Lex am 17.07.2017 07:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mehr als nur Zombies

    Die Filme gelten als Horror und/oder Splatter Movies. Aber wenn man genau hinschaut, und das sagte Herr Romero auch schon, sieht man bei z.B. "Dawn of the dead" mehr als nur Zombies und Menschen die überleben wollen. Darin versteckt sich die Botschaft wie unsere Gesellschaft und mit Konsum umgeht. Also nichts anderes als die meisten Kopflos umherziehen, ohne wirkliches Ziel, während andere genau wissen was sie wollen, und die sind in der Unterzahl. Einfach genial in einem Horrorfilm gepackt. Grandios! RIP Mr. Romero

  • Nago am 17.07.2017 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Du hinterlässt eine Lücke die kein Regisseur je zu füllen vermag. In grosser Hochachtung und tiefer Traurigkeit verabschiede ich mich von dir. In deinen Filmen wirst du ewig weiterleben R.I.P. George A. Romero

Die neusten Leser-Kommentare

  • MG am 17.07.2017 20:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    RIP

    Sah als Teenager DotD im Kino in Zürich. Ich glaube ungeschnitten. Nie wieder sah ich einen spannenderen Film.

  • Daniel Rösch am 17.07.2017 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Godfather

    R.I.P. George A. Romero. Sein Schaffen steht für kreative Unabhängigkeit, Respekt, Würde und Frieden. Sein filmisches Werk wurde leider erst spät gewürdigt und geschätzt. In Interviews hat mich stets seine Intelligenz, Liebenswürdigkeit und Charme beeindruckt.

  • Paddy am 17.07.2017 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    Darf man bei Romero RIP wünschen?

    Vielleicht würde er ja lieber als Zombie zurückkehren. Danke für die Filme!

  • mirko Miljkovic am 17.07.2017 10:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    rip

    rip george. ich kenne alle seine filme und schaue sie immer noch gerne an.

  • Angel De Naples am 17.07.2017 10:09 Report Diesen Beitrag melden

    RIP Romero

    Danke für alles!