Null Body Positivity

05. Juli 2017 11:36; Akt: 05.07.2017 11:58 Print

Darum gibt es keine Männer-Plus-Size-Models

von Martin Fischer - In Sachen Körperideale hat sich bei den Frauen in den letzten Jahren einiges getan. Die Männer hinken weit hinterher. Warum?

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Unter den weiblichen Models haben in den letzten Jahren einige im Plus-Size-Segment beachtliche Karrieren lancieren können. Bei den Männern? Da siehts nur so aus: Trainierte Bodys überall, am liebsten mit Sixpack. Links sehen wir hier zwei der erfolgreichsten Instagram-Männer, ... ... die wir Ihnen auch noch gern einzeln zeigen. Der Kanadier Nick Bateman ist Model (und ein bisschen Schauspieler), hat offensichtlich viel Arbeit in seinen Körper investiert und dadurch 6,6 Millionen Instagram-Follower gewonnen. Der andere Kollege vom Bild vorhin heisst Mariano Di Vaio, Blogger, Sänger, und ebenfalls Sixpackträger und mehrfacher Insta-Millionär. Lucky Blue Smith gehört auf Instagram und auch auf dem Laufsteg zu den gefragtesten Männern. Er ist bekannt geworden mit Schmollmund, blondierter Mähne und stahlblauen Augen. Er hat 3 Millionen Instagram-Fans. Und sein Body sieht so aus. Lucky verkörpert den momentan gefragten Typus «trainiert, aber nicht aufgeblasen», wie Agentur-Chefin Zineta Blank erklärt. «Die Jungs ohne Sixpack sind gefragter und verdienen zurzeit viel mehr als die mit.» Der 32-jährige Spanier Jon Kortajarena ist schon seit vielen Jahren erfolgreich im Business. Er hat über eine Million Abonnenten auf Instagram – und sehr wenig Körperfett. Und Schnitt: Hier knipst Zach Miko ein Selfie im Gym. Er ist 2015 als erstes männliches Model mit ein paar Extrakilos von der weltgrössten Agentur IMG unter Vertrag genommen worden. Bis dato hat er 60'000 Instagram-Follower angehäuft. Auf seinem Profil schreibt er: «Body Positivity ist ein schwieriges Thema für Männer. Deshalb ist es so wichtig, dass wir darüber reden.» Zachs deutsches Pendant ist Claus Fleissner. Der Frankfurter betreibt einen ziemlich erfolgreichen Plus-Size-Blog namens Extra Inches. Er will für fülligere Männermodels eine Lanze brechen. Den Hauptgrund für die geringe Zahl an Mitstreitern sieht er in einem grundsätzlichen Ungleichgewicht. Zu Stylebook.de sagt er: «Modeln ist eben eine der Domänen, in der Frauen die Hosen anhaben.» Auch wenn Sie hier nur ein Bikini anhat: Ashley Graham hat im Curvy-Segment eine grosse Karriere hingelegt. Sie war auf dem Cover der «Sports Illustrated» und der «Vogue» und hat 4,5 Millionen Instagram-Follower. Die Britin Iskra Lawrence bringt es auf 3,5 Millionen (sie macht sich vor allem für unretouchierte Fotos stark) ... ... und die sehr füllige und tätowierte Amerikanerin Tess Holliday hat 1,4 Millionen. Sie war schon auf der Titelseite des «People»-Magazins und hat für H&M gemodelt. Auch Tara Lynn hat es geschafft: Die 34-jährige Amerikanerin hat unter anderem für La Redoute eine eigene Kollektion in Übergrossen entworfen.

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Ashley Graham (29), Plus-Size-Superstar, hat 4,5 Millionen Instagram-Follower und seit ihrem Durchbruch mit dem «Sport Illustrated»-Cover 2016 über eine Million Franken verdient. Auch die Engländerin Iskra Lawrence (26), die sich für unretouchierte Fotos einsetzt, oder die tätowierte und sehr füllige Tess Holliday (32) bringen es auf Millionen Social-Media-Fans. Das zeigt: In Sachen Diversifizierung von Körperidealen haben weibliche Models in den letzten Jahren einiges erreicht.

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Und wo bleiben die Männer? IMG, die grösste Modelagentur der Welt, hat vor gut einem Jahr unter viel medialem Applaus eine Abteilung für männliche Plus-Size-Models lanciert. Ihr Aushängeschild: Zach Miko. Der hat, Stand heute, etwas über 60'000 Instagram-Follower. Und ein Blick aufs IMG-Portfolio zeigt: Er ist dort bis heute der Einzige.

«Wie soll man sie nennen?»

Body Positivity für Männer: Gibt es im Jahr 2017 nicht. Zumindest nirgends, wo sie wahrgenommen würde – nicht in den Kampagnen grosser Modehäuser, nicht auf Social Media. Bart, lange Haare, auch Brusthaare, Tattoos und Piercings: All das ist okay. Aber Muskeln müssen sein, Bauch darf nicht sein.

Ursula Knecht, Chefin der Modelagentur Option, erklärt: «Bei einem Mann wirken zusätzliche Pfunde schnell schwabbelig. Bei einer Frau betonen sie im Idealfall vorhandene Kurven.» Ähnlich sieht das auch Zineta Blank, Agenturchefin bei Visage: «Frauen kann man Curvy Models nennen. Wie soll man die Männer nennen? Fat Models? Das ist nicht sexy.»

«Für Männer gibts seit jeher nur ein Ideal: Adonis»

Blank nennt noch einen historischen Grund für das bisherige Ausbleiben der männlichen Body-Revolution: «In der Kunst gab es für Frauen immer wieder andere Schönheitsideale, mal schlanker, mal kurviger. Für Männer gibts seit jeher eines: Adonis.»

Beide Agenturchefinnen betonen, dass es für Männer mit Extrakilos zurzeit absolut keine Nachfrage gebe. Trotzdem könne es sein, dass da noch was geht. So hat der britische Fashion-Gigant Asos in seinem Online-Shop eine Sektion für «Big Men's Clothing» eingerichtet.

«Ich würde es begrüssen, wenn Plus-Size-Männer Erfolg hätten, denn die allermeisten Männer da draussen haben kein Sixpack – die haben niemanden, mit dem sie sich identifizieren können», sagt Blank. Sie hat auch schon einen Vorschlag, unter welchem Label man die Herren mit mehr dran vermarkten könnte: «Ich fänd Teddy Models gut – denn wer mag Teddybären nicht?»

Würden Sie es begrüssen, mehr Plus-Size-Männer in Kampagnen zu sehen? Diskutieren Sie mit.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Lukas Meier am 05.07.2017 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Selten so gelacht

    «die haben niemanden, mit dem sie sich identifizieren können» ... Vielleicht leben wir in einer Welt in der es auch andere Sachen gibt als die sogenannte Schönheit oder was auch immer uns solche oberflächlichen Leute erzählen wollen. Ich habe mehr als genug Vorbilder welche effektiv etwas erstrebenswertes erreicht haben.

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  • Rodney M am 05.07.2017 11:55 Report Diesen Beitrag melden

    Richtige Männer...

    Richtige Männer müssen nicht schön sein. Die müssen etwas auf dem Kasten haben. Vincent Cassel hat sich auch Monica Belucci geangelt, obschon er nicht der hübscheste oder muskulösester Mann ist. Nur Loser und/oder eitle Menschen müssen auf Äusserlichkeiten zurückgreifen.

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  • Eric am 05.07.2017 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Ok, jedem das Seine

    Wenn man sonst nix zu bieten hat als ein aufgepumptes Körpergefühl. Ich verlasse mich da lieber auf etwas länger anhaltendes wie meine Intelligenz. Mit dieser habe ich es immerhin geschafft, ein KMU aufzubauen und eine gesunde Familie zu gründen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Der Dude von nebenan am 05.07.2017 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Durchschnittlich

    Und was ist mit mir? Ich fordere eine Quote für absolute Durchschnittstypen!

  • Frau am 05.07.2017 20:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sich akzeptieren

    Ein durchtrainierter Körper ob Frau oder Mann finde ich schon etwas schönes. Alle Augen richten sich danach aber es ist nur ein Bild und alles andere zählt , Vorallem der Ausdruck und innere Werte . Mein Motto , ich gefalle mir und liebe mich mit meinem Körper , es ist ein akzeptieren und sich wohlfühlen

  • juliaaa am 05.07.2017 19:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    das beste zitat dazu...

    ...kam von einem ehemaligen Arbeitskollegen, der voller Verachtung einem Jungen beim Selfie knipsen zusah: "men don't need to be beautiful. men must be ugly and fearful".

  • S.G. / am 05.07.2017 19:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egal

    Jeder soll so leben wie er es für richtig hält! Ob Muskulös, Normal oder Übergewichtig; es muss für einen selber passen. Persönlich finde ich (sportlich & muskulös) übergewichtige Menschen unattraktiv.

  • N.B. am 05.07.2017 18:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frau

    Ob nun jemand etwas pummelig oder eher dünn ist, spielt doch ehrlich keine grosse Rolle. Vielleicht beim allerersten Eindruck, aber sobald man die Person kennt, entscheidet anderes über sympathisch oder nicht. Ps: verliebt habe ich mich noch nie in einen Adonis...