Neue Regeln

07. September 2017 15:39; Akt: 07.09.2017 15:39 Print

Magermodels müssen jetzt zunehmen

Es ist ein Schritt in eine gesündere Zukunft: Nach Skandalen haben zwei Luxusgüterkonzerne eine Charta unterzeichnet. Models von Louis Vuitton oder Dior müssen zunehmen.

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Dass Models dünn sind, ist nicht neu. Dass sich nun aber nach dem Staat Frankreich auch Luxuskonzerne für ein etwas gesünderes Frauenbild auf den Laufstegen einsetzen wollen, schon. Herausstehende Schulterblätter und dünne Arme werden trotzdem nicht ganz verschwinden. Denn... ... die Models, die für die Marken von LVMH oder Kering laufen (oder shooten) wollen, müssen neu zwar Konfektionsgrösse 34 statt 32 tragen. Aber wie LVMH-Verwaltungsrat Antoine Arnault selbst sagt: «Die Grössen beginnen künftig bei 34, und das ist auch schon recht klein.» Und: Die Frauen, die wie hier Kendall Jenner, für Dior oder andere konzerneigene Marken laufen wollen, müssen zum Arbeitsantritt ein nicht mehr als sechs Monate altes Gesundheitszeugnis vorlegen. Zudem sollen, so heisst es in der Charta, Therapeuten oder Psychologen während der Arbeitszeiten eines Models anwesend sein. Plus: LVMH und Kering engagieren keine Leute mehr unter 16. Mode für Erwachsene soll auch an einigermassen Erwachsenen vorgeführt werden. Die Regeln gelten auch für Männer. Älter als 16 und die Mindestkleidergrösse 44. Damen-Designer fertigen üblicherweise Sample-Klamotten in Grösse 32 an. Dies, weil viele sagen, dass ein Kleidungsstück an einer grossen, dünnen Person (ob Mann oder Frau) besser aussehe. In Frankreich hat der Staat die Reorganisation der Modelmasse übernommen. Anfang Mai ist ein Gesetz in Kraft getreten, dass den Mindest-BMI der Models regelt und ebenfalls ein Gesundheitsattest vorschreibt. Wer sich nicht an diese Regeln hält, muss mit einer Busse von bis zu 75'000 Euro oder Gefängnis rechnen. Das Supplement: Ab Oktober müssen retuschierte Fotos als solche gekennzeichnet werden.

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Kommt eine endlose Debatte jetzt endlich zu einem Ende? Ja, Models sind dünn. Zu dünn oft. Und ja, das ist in manchen Fällen nicht gesund. Oft sind die Damen auf dem Laufsteg sehr jung, stehen teilweise noch mitten in der Entwicklung zur Frau und bekommen ihre Tage nicht mehr – ein Effekt des zu heftigen Hungerns.

Auch wenn Models gerne ihre wahnsinnig guten Gene als Begründung für ihren schmalen Körper bemühen – vermutlich gilt das nicht für alle. Es ist kaum wahrscheinlich, dass zufälligerweise Hundertschaften von jungen, modebegeisterten Frauen genetisch superdünn sind. Für viele ist das Model-Business harte Arbeit. Sie müssen hungern, um in den Sample Size Zero (hierzulande 32) reinzupassen.

Scharfe Kritik an überzeichneten Forderungen

Wie unlängst das dänische Model Ulrikke Hoyer via Instagram publik machte, sind die jungen Frauen den oftmals überzogenen Forderungen von Casting-Agenten ausgeliefert. Hoyer, einer durchaus schmalen Zeitgenossin, wurde aufgetragen, doch mit dem Essen aufzuhören. Sie sei aufgebläht. Doch solche Forderungen sind offensichtlich noch gar nichts. James Scully, ein international renommierter Casting-Director, kritisierte seine Zunft im Dezember 2016 scharf: «Die Model-Branche ist noch viel sadistischer», sagte er anlässlich eines Branchenevents.

Wegen Beispielen wie dem von Ulrikke Hoyer reagierten nun die Luxuskonzerne LVMH (hier gehören etwa Dior, Louis Vuitton, Fendi, Givenchy oder Marc Jacobs) und Kering (Gucci, Bottega Veneta, Saint Laurent, Alexander McQueen und Stella McCartney) und haben eine Charta verabschiedet.

Psychologen für Models vor Ort

Darin steht, dass künftig nur noch Models ab Konfektionsgrösse 34 (früher 32) für die Marken laufen oder werben dürfen. Dazu müssen sie zum Zeitpunkt der Modeschau oder des Fotoshootings ein Gesundheitszeugnis abliefern, dass nicht älter als sechs Monate sein darf, und sie müssen mindestens 16 Jahre alt sein. «Das ist eine sehr starke Massnahme, die es uns erlauben wird, voranzukommen», wird Kering-Chef François Henri Pinault in diversen Medien zitiert. LVHM-Chef Antoine Arnault ergänzt: «Einige Modedesigner fertigen ihre Prototypen in Grösse 32 an. Damit ist jetzt Schluss. Die Grössen beginnen künftig bei 34, und das ist auch schon ziemlich klein.»

Zudem verpflichten sich die Konzerne dazu, während der Arbeitszeit (also vor, nach, während Shows oder Shootings) Therapeuten oder Psychologen vor Ort zu haben. Wie Arnault erklärt, gehe es ja auch darum, neue Standards in der Fashion-Industrie zu setzen. Damit geben sich die ersten Riesenkonzerne «Body positiv» und bekommen selbstverständlich viel Applaus (schadet dem Marketing womöglich nicht). Bei aller möglichen Kritik: Falsch ist der Ansatz ja nicht.

Strenges Gesetz in Frankreich

Auch nicht ganz neu. So müssen Models in Frankreich seit Anfang Mai 2017 bereits ein Gesundheitszeugnis vorlegen, wie Spiegel.de schreibt. Wer ein Model ohne Attest beschäftigt, muss mit einer Strafe bis zu 75'000 Euro oder Gefängnis rechnen. Und Frankreich geht mit seinem Gesetz sogar noch einen Schritt weiter. Ab Oktober müssen Bilder, die retuschiert wurden, mit einem Hinweis versehen werden. Französische Politiker hoffen, dass damit unerreichbare Schönheitsideale nach und nach verschwinden und junge Menschen weniger Gefahr laufen, an einer Essstörung zu erkranken.

(bbe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • nie mals am 07.09.2017 15:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immer wieder

    Seit Jahren kursieren Schlagzeilen das keine Magermodels mehr zugelassen werden und trotzdem sehe ich Jahr für Jahr die selben Skelette über den Laufsteg staksen.

  • beerii am 07.09.2017 15:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genial!

    Wann zieht die Schweiz mit? Mal abgesehen von den Models finde ich den Hinweis am Schluss des Artikels wunderbar; alle retoushierten Fotos müssen als solche gekennzeichnet werden. Super Ansatz! Hoffe das bringt was!

  • zyx94 am 07.09.2017 15:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ENDLICH!

    Wieviele Frauen mussten wohl an Magersucht erkranken, bis die Modeindustrie dass nun endlich erkannt hat? Wieso gibts dafür keine Zahlen/ Statistiken??

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tereza am 07.09.2017 20:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verwirrend!

    Ich frage mich immer wieder wer soll diese Kleider tragen? Mein Kleiderbügel? Mir fällt auf das früher eine Grösse 40 ziemlich gross war, heutzutage ist die Grösse 38 praktisch eine frühere 46. Warum macht ihr das? Was für ein Sinn steckt dahinter? Da wundert man sich das man sich fett fühlt? Echt zum kotzen.

  • Andreas Honegger am 07.09.2017 19:22 Report Diesen Beitrag melden

    Immerhin

    Immerhin mal ein Schritt in die richtige Richtung. Auch Models sollen doch aussehen wie Frauen und nicht wie tapezierte Knochen. Sie hätte eigentlich Rundungen, sogar schöne (wenn sie denn da sind).

  • Jean am 07.09.2017 17:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mann sagt zu dünn ist nicht wirklich schön

    Als Mann sage ich es hier ganz klar, diese Models sind viel zu dünn. Es darf ruhig ein wenig mehr sein, normales Gewicht wäre schön. Gut es gibt heute auch den anderen Trend das feste Frauen gefragt sind. Wenn ich müsste entscheiden, dann würde ich die festeren Models vorziehen vor so einem Knochengestell.

  • mondstern am 07.09.2017 17:31 Report Diesen Beitrag melden

    Hungrige Gesichter

    Die Hungergames gehen weiter. Bei 1.76 und darüber ist die Grösse 34 traurig und extrem dünn! Ich weiss selbst, wie es damals war, als ich mit meiner Grösse 1.74 fast in der Magersucht fiel. Bitte Grösse 36/38 bei den Models!

  • ein mann am 07.09.2017 17:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wozu wird das zeug in kindergrössen vorgeführt?

    warum werden die kleider nicht einfach in grössen vorgeführt, die der potentiellen kundschaft entsprechen? also 38/40/42 ?

    • dünni am 07.09.2017 18:58 Report Diesen Beitrag melden

      Solche und solche

      @ein mann Bin auch "potentielle Kundin" und trage Grösse 34. Die Menschen sind doch unterschiedlich gross und schwer! Nur, weil es mehr Gr. 40 - Trgerinnen gibt, sind die Frauen mit kleineren Grössen auch noch da...

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