Verkehrte Welt

08. Juli 2015 10:22; Akt: 08.07.2015 10:22 Print

Keine Nippel – dafür Pornografie auf Instagram

von L. Esseiva/P. Stirnemann - Instagram sperrt Userinnen, die Nippel-Fotos posten. Dagegen regt sich Widerstand. Gegen Pornografie scheint das Netzwerk aber machtlos.

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Auf der Fotoplattform Instagram ist nicht alles erlaubt: Nackte Frauenbrüste sind verboten. Doch kluge Frauen wissen sich zu helfen und photoshoppen einfach Männernippel auf die verbotenen Stellen - und schon ist wieder alles legal. Der Nippel-Krieg brach im Sommer 2015 aus. Daraufhin hat Künstlerin Micol Hebron eine Vorlage für den Nippel-Trick veröffentlicht. Das Resultat sieht dann so aus. Oder so. Noch einen Schritt weiter geht der Onlineshop «The Ta Ta Top». Sie sehen sich als Teil einer Bewegung. Mit ihren Bikinioberteilen sieht Frau dann so aus. Bilder wie diese entrüsten die Frauen. Warum sollte Justin Biebers Fudi erlaubt sein und Nippel nicht? Der Instagram-Post von Justin wurde in wenigen Stunden 1,2 Milliionen gelikt und oft verulkt. Sogar Sponge Bob hat Freude an Justins Hintern. Auch Miley Cyrus macht sich über das Bild lustig. Die Photoshop-Künste der User kennen kaum Grenzen. Im Vergleich: Im Mai 2014 wurde das Bild des teils bedeckten Hinterns von Bloggerin Meghan Tonjes von Instagram gelöscht. Begründung: Der Inhalt sei unangebracht. Die Bloggerin geht davon aus, dass das Foto wegen der Grösse ihres Pos entfernt wurde. Nach einem monatelangen Disput zwischen der Sängerin und dem sozialen Netzwerk wurde dieses von Rihanna auf Instagram gepostete Cover des französischen Magazins «Lui» im Mai 2014 von der Seite verbannt. Die erzürnte Künstlerin verliess Instagram daraufhin für ein halbes Jahr. Was der russische Präsident Putin, sprich ein Mann, auf Instagram darf, ist für Frauen offiziell verboten: Aus Protest gegen die Frauen-diskriminierenden Richtlinien des sozialen Netzwerks postete Chelsea Handler im Herbst 2014 diese Montage. Das Bild wurde von Instagram im Oktober letzten Jahres entfernt. Anscheinend erlaubt Instagram nur Bilder, die bestimmten Schönheitsidealen entsprechen. Anders kann man sich nicht erklären, warum das Netzwerk dieses Bild von Nutzerin Samm Newman gelöscht hat, zumal es auf Instagram von schlanken Frauen in Unterwäsche oder Bikini nur so wimmelt. Zu Beginn dieses Jahres wurde der Instagram-Account des australischen Online-Magazins «Sticks and Stones» wegen dieses Bildes gelöscht. Begründung: Die Bikinizone der beiden Models sei nicht ausreichend rasiert, beziehungsweise man sehe ihre Schamhaare. Drei Wochen später entschuldigte sich Instagram und schaltete den Account wieder frei. Das sind die allgemeinen Nutzungsbedingungen von Instagram. Unter Punkt 2 wird ziemlich genau erklärt, was gezeigt werden darf, und was nicht. Das schreckt viele Nutzer allerdings nicht ab, trotzdem ihre nackten Hintern auf dem sozialen Netzwerk zur Schau zu stellen. Gibt man etwa den harmlosen Suchbegriff #Models ein, kriegt man nicht nur diese prallen Backen zu sehen, ... ... es werden auch Inhalte angezeigt, die ganz klar gegen die Richtlinien von Instagram verstossen. Es scheint, als ob das Netzwerk gegen die Porno-Poster wenig ausrichten kann. Instagram-Aktionismus: . Allerdings wäre es ratsam, wenn sich das soziale Netzwerk mehr auf die Verbannung expliziter Bilder konzentrierte als auf Hashtags mit einem gewissen Symbolcharakter.

Zum Thema
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Die Kontroverse um Nacktheit auf Instagram flammte vor einigen Monaten auf, als auf demInstagram-Account von Rihanna einige Bilder wegen sichtbarer Nippel gelöscht wurden. Rihanna löschte vor Wut über das Vorgehen gleich ihren ganzen Account und blieb dem Netzwerk für ein halbes Jahr fern. Auch wenn ihr Konto mittlerweile wieder aktiv ist, laufen Frauen zu Recht Sturm gegen das harsche Instagram-Reglement.

Umfrage
Sollen Frauen-Nippel auf Instagram erlaubt sein?
83 %
17 %
Insgesamt 2022 Teilnehmer

Nacktheit ist auf Instagram verboten. Eigentlich. Denn es wird nicht mit den gleichen Ellen gemessen. Männer-Fudis sind erlaubt, öffentliches Zeigen von Frauenbrüsten führt zum Ausschluss. Eben erst hat Justin Bieber seinen nackten Hintern präsentiert. Seiner Aufforderung «Look» folgten unzählige Fans. Innert weniger Stunden bekam Biebs für den Post 1,2 Millionen Likes und 360'000 Kommentare. Instagram lässt einen solchen Beitrag ohne Murren zu.

Männernippel machen Frauenbrüste legal

Diesen Umstand wollte die US-Künstlerin Micol Hebron nicht auf sich sitzen lassen und überlegte sich eine Lösung für das Problem – und die ist denkbar einfach: Sie schnitt einfach Männer-Nippel im Photoshop aus und montierte sie über das weibliche Geschlechtsmerkmal. Schon ist das Foto auf Instagram legal.

Noch weiter geht der Onlineshop The Tata Top. Sie verkaufen für 28 Dollar Bikinioberteile mit aufgedruckten Nippeln. Anständig und vor allem gesetzeskonform angezogen kann so jede Frau Nippelbilder auf Instagram posten. Der Shop sieht sich aber nicht als einfaches Kleidergeschäft, sie seien Teil einer Bewegung. Bereits «Free The Nipple» setzt sich für das Recht auf Luft der weiblichen Brust ein.

Brüste werden verbannt – Porno nicht erkannt

Zwar verschärft Instagram laufend die Richtlinien für seine Nutzer, um möglichst jugendfrei auftreten zu können. Allerdings gelingt das dem Netzwerk eher schlecht als recht. Sucht man beispielsweise unter dem nicht weiter anzüglichen Hashtag #Models nach unverfänglichen Bildern schöner Frauen und Männer, findet man ohne weiteres pornografisches Bildmaterial (siehe Bildstrecke).

Es scheint, als ob Instagram zumindest derzeit die eigenen Richtlinien nicht durchsetzen kann. Mag sein, dass Accounts von Frauen, die öffentlich gegen die Zensur nackter Haut auf Instagram protestieren, leichter auszumachen sind als mehr oder weniger heimlich gepostete Bilder mit pornografischem Inhalt. Da die betreffenden Posts aber mit harmlosen, alltäglichen Schlagwörtern versehen werden, nach denen auch Minderjährige durchaus suchen könnten (und die auch Instagram-Mitarbeiter finden würden), stellt sich die Frage, warum Instagram hier nicht so rigoros gegen fehlbare Nutzer vorgeht, wie sie es bei Rihanna taten.

Technologie könnte helfen

Vielleicht fehlt es den Netzwerkbetreibern am Ende gar an Ressourcen, um die Millionen Bilder und Kurzvideos in angemessener Weise zu überprüfen? Google setzt bei seinem Fotos-Service bekanntlich auf die Hilfe von sogenanntem Machine Learning beziehungsweise auf Biometrie (zum Beispiel mithilfe von Gesichtserkennung). Die Technologie funktioniert zwar noch nicht einwandfrei und macht etwa bei der automatischen Gruppierung von Bildern Fehler. Doch könnte man mit einem vergleichbaren Tool sicher auch Instagram vor ungewollten Inhalten sicherer machen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jimi am 08.07.2015 08:44 Report Diesen Beitrag melden

    Nippel

    Nippel hin oder her, männlich oder weiblich, lasst doch den freuzügigen Menschen auf Instagram ihren Frieden. Auch wenns euch nicht gefällt, jeder hat einen gewissen Fetisch.

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  • Jo Kurth am 08.07.2015 10:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorbild für die Welt.

    Die Betreiber dieser Netzwerke sind so moralisch, die haben sogar eine Doppelmoral!

  • Elena am 08.07.2015 10:57 Report Diesen Beitrag melden

    Nettes Teil!

    So ein Bikini-Oberteil hol ich mir! Schön, wie da die Doppelmoral auf die Schippe genommen wird! :D

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sanda Markovic am 08.07.2015 15:19 Report Diesen Beitrag melden

    FREE THE NIPPLE

    Ich verstehe einfach nicht wieso Männer dürfen und Frauen nicht. Nur weil Frauen etwas mehr Fett in dieser Region haben? Wem machen wir etwas vor?? Wir tun so als ob wir nicht wüssten, dass Frauen Brüste haben...

  • haha am 08.07.2015 15:07 Report Diesen Beitrag melden

    Bild Nr 15

    Und wieso postet man sowas freiwillig'

  • Bob-Jörg am 08.07.2015 13:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorteile geniessen

    Sind wir doch mal ehrlich, wer ein Internetzugang besitzt wird an einem (k)nackigen Fräulein nicht vorbei kommen, das Internet ist voll damit. Wem da der Zeiger gleich 12 Uhr steht, ist das ein Treffer auf der Zielscheibe. Ich (38) stöbere regelmässig durch Instagram um mir hie und da ein hüpsches Fudeli anzugucken. Es gab mir seit her ein Aufschwung im Abenteuerleben mit meiner Frau Ingrid. Früher musste man sich ein Traumkörper auf ein Papier zeichnen. Heute bin ich mit ein paar Klicks auf der gewünschten Seite. Wen ihr wisst welche ich meine ;-)

    • Marc am 09.07.2015 07:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      jaaaa

      so eine fuddeli Ratingseite ist eben schon etwas feines und nichtmal billig gemacht:)

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  • Rösi Müller am 08.07.2015 13:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Denken

    Die sollen wieder Menschen statt Maschinen einsetzten. Die sehen mehr und haben im Normalfall auch einen gesunden Menschenverstand. Ich suche übrigens noch einen 20% Job Homeworking

    • Hans Hölzl am 08.07.2015 14:39 Report Diesen Beitrag melden

      bin dabei

      Ja, bisschen Pornos schauen während der Arbeitszeit würde mir auch gefallen.

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  • Richard am 08.07.2015 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    USA prüde

    Dem Provider wäre es ja wurscht, aber das Jugendschutzgesetz der USA zwingt sie zu solch hirnrissigen Vorgaben. Nacktheit online ist auch in den USA erlaubt wenn verhindert wird das Kinder und Jugendliche dies zu Gesucht bekommen. Die sozialen Netzwerke wollen aber für die ganze Familie da sein, also nichts bluttes erlaubt im offiziell prüden Amerika.

    • Katrin am 09.07.2015 01:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Naja

      Ist ja auch berechtigt. Muss nun wirklich nicht unvedingt sein.. Gibt genug andere Seiten für diesen Interessenbereich.

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