Vorwürfe gegen Nothing But Thieves

17. November 2017 11:51; Akt: 17.11.2017 11:51 Print

«Er hat mir die Zunge in den Hals geschoben»

Musikfans erheben Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen die englische Rockgruppe Nothing But Thieves. Die Band weist jegliche Anschuldigungen von sich.

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Den Mitgliedern sowie Tour-Mitarbeitern der englischen Alternative-Rock-Gruppe werden von mehreren Frauen sexuelle Belästigung sowie Sexting mit Minderjährigen vorgeworfen. Die Band ... ... weist in einem Statement sämtliche Anschuldigungen von sich und fügt an, sie prüfe rechtliche Schritte gegen die Twitter-User, die diese Geschichten gepostet haben. Auch andere Musiker sahen sich in den vergangenen Wochen mit dem Vorwurf sexuellen Fehlverhaltens konfrontiert – mehr dazu in den folgenden Bildern. Dem Frontmann der Rockband Brand New, , wurde vergangene Woche von mehreren Frauen vorgeworfen, er habe sie emotional abhängig gemacht, als sie noch minderjährig gewesen seien. Daraufhin habe er Nacktfotos verlangt sowie via Skype vor ihnen masturbiert. Der 39-jährige Amerikaner ... ... veröffentlichte daraufhin ein Statement, in dem er die Vorwürfe bestätigte, sich bei den betroffenen Frauen entschuldigte und enthüllte, dass er sich deswegen bereits in Therapie befinde und sein Leben geändert habe. Ende Oktober gab eine frühere Radiomoderatorin im «Rolling Stone» zu Protokoll, während zwei Jahren eine Beziehung mit geführt zu haben, in welcher er sie missbraucht und kontrolliert habe. Im Sommer erzählten fünf Frauen ähnliche Geschichten über den R&B-Sänger und es war von einer von ihm angeführten Sex-Sekte die Rede. Der heute 50-Jährige ... ... wurde schon früher mit sexuellem Fehlverhalten in Verbindung gebracht – auch mit Minderjährigen. Ausserdem soll er 1994 die damals erst 15-jährige Aaliyah geheiratet haben; er habe dabei angegeben, dass sie bereits 18 sei. 2014 verliess Sängerin Alice Glass (29, Bild) unerwartet und ohne Erklärung das kanadische Electro-Punk-Duo . Drei Jahre später, Mitte Oktober 2017, reichte sie ihre Gründe in einem Statement nach. Als sie und Crystal-Castles-Kopf Ethan Kath (34) ihre Zusammenarbeit begannen, sei sie 15 Jahre alt gewesen und er habe sie mehrmals vergewaltigt sowie ... ... in eine physisch wie psychisch missbräuchliche Beziehung gedrängt. Kath (Bild) wies sämtliche Anschuldigungen von sich und hat mittlerweile mit Edith Frances (22) eine neue Stimme für Crystal Castles angeheuert. Im Mai 2016 trennte sich die Indie-Pop-Gruppe Real Estate von Gitarrist (Mitte), damit dieser sich auf sein Nebenprojekt Ducktails konzentrieren könne. Anfang Oktober 2017 nannte die Band den wahren Grund für diesen Schritt: «Er wurde gefeuert, weil wir von Vorwürfen inakzeptablen Verhaltens seinerseits gegenüber Frauen erfahren haben.» Daraufhin ... ... enthüllten mehrere Userinnen im Netz, wie der 32-jährige Musiker sie sexuell belästigt habe. Die Folge: Anstehende Tourneen wurden abgesagt, Plattenverträge aufgelöst und sämtliche Ducktails-Musik von den Streamingportalen genommen. Rapper wurde Anfang Oktober verhaftet, nachdem eine Frau den Notruf gewählt und gemeldet hatte, dass er sie in seinem Tourbus vergewaltigt habe. Kurze Zeit später zog sie die Vorwürfe zurück, weil sie «nicht ans Rechtssystem glaubt». Infolgedessen wurde keine Anklage gegen den 43-Jährigen erhoben.

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Nach Hollywood und Politik hat die #MeToo-Welle auch die Musikwelt erreicht. Vergangene Woche beschuldigten mehrere Frauen den Sänger der amerikanischen Rockband Brand New des sexuellen Fehlverhaltens gegenüber Fans. Und nun machen junge Britinnen der englischen Alternative-Rock-Gruppe Nothing But Thieves ähnliche Vorwürfe.

Mitgliedern und Mitarbeitern des Quintetts aus Southend-on-Sea in Essex wird vorgeworfen, mit minderjährigen Fans Sex gehabt, Sexting betrieben und Nacktbilder verlangt zu haben. Letztere hätten sie untereinander ausgetauscht und bewertet. Im Laufe der vergangenen zwei Tage posteten etwa ein Dutzend Userinnen solche Erlebnisse mit der Band.

«Er hat meinen Rock hochgehoben»

«Als ich 17 war, hat mich der Drummer nach Nacktfotos gefragt und ich habe Screenshots von den Nachrichten gemacht», schrieb eine Nutzerin etwa und eine andere postete: «Nach einem Gig packte mich der Gitarrist, drückte mich gegen die Wand und schob mir die Zunge in den Hals – vor allen Leuten.»

Eine Fotografin erzählte zudem, dass ihr während eines Gigs von einem Roadie der Rock hochgehoben worden sei, und eine weitere angeblich belästigte Frau hat Screenshots geteilt, die zeigen sollen, dass das Band-Management von ihrem Vorfall wusste, aber nichts unternommen hat.


«Amsterdam» vom aktuellen Nothing-But-Thieves-Album «Broken Machine». (Quelle: Youtube/NBTVEVO)

Die Band weist die Vorwürfe von sich

Solche Geschichten können erfunden, zugespitzt oder falsch empfunden sein, und Screenshots können mit Photoshop behandelt werden. Handfeste Beweise liegen für diese Anschuldigungen aktuell nicht vor, es gilt also die Unschuldsvermutung.

Nothing But Thieves haben am Mittwochabend ein Statement veröffentlicht, in dem sie «diese falschen Vorwürfe zu 100 Prozent dementieren». Sie hätten den grössten Respekt vor Frauen und würden sie nie so behandeln, wie es in diesen Anschuldigungen beschrieben ist. Sie würden zudem rechtliche Schritte gegen die Verfasser der «falschen Vorwürfe» prüfen.

Zürcher Konzert findet trotzdem statt

Auf ihrer aktuellen Grossbritannien-Tour wurden Nothing But Thieves von der kanadischen Band July Talk begleitet. Diese hat nach Bekanntwerden der Anschuldigung bei Twitter verkündet, an den kommenden Konzerten der Tournee nicht mehr aufzutreten. Und das englische Musikmagazin «NME» sagte ein mit Nothing But Thieves geplantes Konzert am Donnerstagabend ab.

Am 3. Dezember ist die Gruppe für eine ausverkaufte Show im Zürcher Dynamo gebucht. Auf Anfrage von 20 Minuten hatten zunächst weder der Veranstalter noch das zuständige Plattenlabel weitere Informationen zum Thema, und aktuell würden keine weiteren Konzertabsagen diskutiert – das Zürcher Datum steht also nach wie vor.

(shy)