Jeans for Jesus

21. April 2017 09:48; Akt: 21.04.2017 09:48 Print

«Es gibt keine Coolness mehr»

von Neil Werndli - Das neue Album der Berner Mundart-Popband Jeans for Jesus erscheint mit einem passenden Parfum. Mit 20 Minuten sprechen sie über Düfte, Ironie und den Tod der Coolness.

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Mit ihrem Debütalbum und Songs wie «Estavayeah» hat die Berner Band Jeans for Jesus den Mundart-Pop aufs 21. Jahrhundert getrimmt. Nun ist der Zweitling «P R O» erschienen – als Album sowie als Parfum.

20 Minuten hat den (nach dem ersten Spesenessen seines Lebens leicht beschwipsten) Jeans-for-Jesus-Sänger Michael Egger zum Interview getroffen und ist mit ihm von der Parfum-Debatte über klischeehafte Popsongs bis zum Neoliberalismus abgeschweift.

Euer Parfum «P R O» soll unisex sein – ich finde, es riecht männlich.
Andere sagen das Gegenteil. Und die meisten Frauen, die wir kennen, mögen es. Aber das ist doch genau das Spannende an einem Unisex-Duft: Plötzlich fragen wir uns, wer wieso eher nach Blumen riechen will oder eben nicht?

Und ihr startet jetzt einen Parfum-Vertrieb?
Natürlich, das Jeans-for-Jesus-KMU. Nein, im Ernst: Wir verkaufen es einfach über unsere Website und bei der Deluxe Edition des Albums ist ein Fläschchen dabei. Unser Freund Niklaus Mettler hat den Duft kreiert. Als wir ihm sagten, wir bräuchten fünf Liter, hat er es nicht mehr gesehen.


Zum Jeans-for-Jesus-Parfum gibt es einen eigenen Werbespot.

Ihr habt viele Fans erschrocken mit «Dr Letscht Popsong», der nach all den cheesy Hits von Major Lazer, Calvin Harris und Co. klingt.
Teil des Problems ist wahrscheinlich, dass wir jetzt bei Universal sind – deshalb hat der Joke vielleicht viele überfordert.

Es ist auch etwas widersprüchlich: Das Parfum soll den neoliberalen Ansatz des Musikmachens kritisieren, gleichzeitig unterschreibt ihr aber bei Universal, dem grössten Label.
Ja, aber das Parfum riecht auch gut. Es ist mehr als eine Kritik. Der Duft bildet das Album ab. Aber klar, das ist ein Dilemma, das wir auch lange diskutiert haben. Das Problem mit Grosskonzernen stellt sich ja schon früher, etwa bei der Frage, ob du auf Spotify, Apple und in die kommerziellen Läden gehen willst.


Für die Single «Dr Letscht Popsong» wurden Jeans for Jesus «von befreundeten Musiker zusammengeschissen».

Ihr sprecht von Post-Ironie. Was versteht ihr darunter?
Seit der Trump-Wahl ist das ein stehender Begriff. Die kritische Linke wie auch viele Liberale flüchten sich spätestens seit den Neunzigerjahren in die Ironie. Wir dachten uns irgendwann während der Albumproduktion: Die Zeit der Ironie ist vorbei – es braucht eine positive, ernst gemeinte Message. Damals war Trump ein Witz, der Brexit weit weg. Jetzt sind sie Tatsache.

Wo stellt ihr das denn im Alltag fest?
Das ist uns zum Beispiel bei Moneyboy aufgefallen: Da gab es ständig Debatten, was bei Konzeptkünstlern wie ihm ernst gemeint ist. Wir haben sein Ding anfänglich klar als Ironie wahrgenommmen, aber ab einem gewissen Punkt hat man gemerkt: Falls das irgendwann mal ironisch gemeint war, lebt er heute wirklich seine Rolle.

In die gleiche Kerbe schlägt der Begriff «Post-Cool». Was ist heutzutage noch cool?
Genau das ist der Punkt: Es gibt keine Coolness mehr. Ironische Distanz oder die Coolness, sich um nichts zu kümmern, ist immer irgendwie ein Selbstschutz. Aber sie macht unverbunden und zynisch. Wir wollen uns kümmern und Ja sagen zu Sachen, die uns wichtig sind. Auch wenn das vielleicht gerade nur Dinge wie Freundschaft, Bildung, Toleranz, ein Grundeinkommen oder vielleicht eine postkapitalistische Gesellschaft sind.


Die zweite Single «Wosch no chli blibä» handelt nicht etwa von einem Date, sondern von der Flüchtlingskrise.

Heute Abend treten Jeans for Jesus im Kiff, Aarau auf.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pat Turner am 22.04.2017 01:44 Report Diesen Beitrag melden

    Beschränktes Universum

    Tut mir leid: Aber das ist wieder mal Popfastfood: Musik ohne Aussagekraft. Tönt echt schrecklich, keine Hookline nichts und ist so wie das ganze Interview: Nichtsaussagend, wie das meiste aus dem Hause von Universal!

  • Typhoeus am 21.04.2017 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man nicht mehr

    weiter weiss. Schuster bleib bei deinen Leisten..... und mache gute Musik.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pat Turner am 22.04.2017 01:44 Report Diesen Beitrag melden

    Beschränktes Universum

    Tut mir leid: Aber das ist wieder mal Popfastfood: Musik ohne Aussagekraft. Tönt echt schrecklich, keine Hookline nichts und ist so wie das ganze Interview: Nichtsaussagend, wie das meiste aus dem Hause von Universal!

  • Typhoeus am 21.04.2017 10:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wenn man nicht mehr

    weiter weiss. Schuster bleib bei deinen Leisten..... und mache gute Musik.