Das sagen die Leser

17. April 2018 11:43; Akt: 17.04.2018 11:43 Print

«Farid Bang und Kollegah haben ehrlich gewonnen»

Die Debatte um die Auszeichnung der umstrittenen Rapper Kollegah und Farid Bang reisst nicht ab. Auch die Meinungen der 20-Minuten-Leser gehen auseinander.

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Eure Meinung war gefragt: Was hält ihr von der Debatte um die Echo-Verleihung an die Rapper Kollegah (l.) und Farid Bang? Auf den folgenden Slides siehst du einige der Antworten der 20-Minuten-Leser. «Die jungen Leute mögen die Musik, ich persönlich auch. Deshalb sollte sie auch entsprechend ausgezeichnet werden. Klar, die Texte sind an der Grenze des Erlaubten, man sollte diese aber nicht zu ernst nehmen! Für mich ist die Debatte über den Echo 2018 völliger Schwachsinn.» Katja (26): «Ich finde es richtig, dass es jetzt strengere Regeln geben soll. Ein Youtuber wurde wegen eines Auschwitz-Vergleiches wegen Volksverhetzung verurteilt. Kollegah und Farid werden mit einem Echo belohnt. Versteht einer die Welt?» «Ich finde es gut, dass die beiden ausgezeichnet werden. Wer einige Male die Texte hört und sie auch zu verstehen versucht, wird erstaunt sein, wie manchmal sehr viel mehr als eine blosse Beleidigung dahintersteckt. Und manchmal ist es einfach geil, im Auto mit vollem Bass diesen In-die-Fresse-Punchline-Rap aufzudrehen und schön tabulos mitzurappen.» «Ganz grundsätzlich empfinde ich den Narzissmus in den westlichen Ländern heutzutage als kaum mehr auszuhalten. Die Medien wissen derweil auch nicht mehr anders mit Selbstinszenierung umzugehen, als ausgerechnet jenen eine grandiose Bühne zu bieten, die sich ausschliesslich selbst feiern sowie bejubeln und inhaltlich substanzlos sind. Ich wünschte mir massiv weniger Narzissmus und wieder viel mehr starke Inhalte über Menschen, die wirklich etwas bewegen auf der Welt und nicht vorsätzlich Negatives schüren.» Albinot (21): «Diese zwei Rapper sind talentiert und gebildet, das alles ist nur Show und Fassade. Was auch viele nicht erkennen, ist die Tatsache, dass diese Eskalation zur Verbreitung der Reichweite dient – und dies von beiden Seiten. Die Medien profitieren davon ungemein und auch die beiden Rapper. Zur Echo-Diskussion sage ich nur, sie haben den Echo den Anforderungen gemäss verdient und erhalten. Farid Bang und Kollegah haben ehrlich gewonnen. Diesen Sieg so zu verschmähen, klingt für mich einfach beschämend und unreif.» : «Die Jungs ziehen ihr Ding durch, schlussendlich ist es Musik, manchen gefällt es, manchen nicht. Der Echo ist eine Preisverleihung für die Künstler, die am meisten Erfolg hatten. Ganz einfach, Gold und Platin-Platten lügen nicht. Hört euch mal die Ami-Songs an, in jedem Lied wird beleidigt, wieso blenden alle diese Songs aus? Aber die von Farid und Kollegah sind schlimm und antisemitisch? Bitte, wacht auf...» «Man sollte einen Rapsong wie einen Actionfilm sehen: Keiner würde Sylvester Stallone für ein ‹Rambo›-Zitat zur Rechenschaft ziehen wollen und so muss man das auch bei Kollegah und Farid Bang sehen: Das sind Künstlerfiguren, die sich eben von den Privatpersonen unterscheiden.»

Zum Thema
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Auch Tage nach der Echo-Verleihung vom vergangenen Donnerstag wird auf diversen Kanälen weiterhin rege diskutiert: War es richtig, die deutschen Rapper Kollegah (33) und Farid Bang (31) mit einem Preis fürs beste Hip-Hop-Album auszuzeichnen? Vor allem die antisemitische Textzeile «Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen» gab im Vorfeld der Show Anlass zur Grundsatzdebatte.

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Haben Kollegah und Farid Bang einen Echo verdient?

Campino (55), der Frontmann der Toten Hosen, gab seine Meinung noch auf der Bühne der Awardshow kund. Man müsse sich die Frage stellen, wann die moralische Schmerzgrenze erreicht sei. «Diese Grenze muss jeder Künstler für sich selbst ziehen.» Seine persönliche aber sei mit den Texten der Rapper überschritten. Campino zieht eine klare rote Linie bei Frauenfeindlichkeit, bei Homophobie und bei Antisemitismus.

Anfang Mai spielen sie in der Schweiz

Die Verantwortlichen der wichtigsten Musikpreis-Verleihung Deutschlands waren zunächst anderer Ansicht. Sie beriefen sich auf das Reglement, das bei der Auszeichnung der Künstler zu einem grossen Teil auf die Verkaufszahlen baut. Und verkauft haben Kollegah und Bang ihr Album «Jung, brutal, gutaussehend 3» mit den fragwürdigen Zeilen richtig gut. Am Sonntag kam es dann zum Richtungswechsel: Die Echo-Organisatoren wollen die Regeln überdenken.

Auch in der Schweiz bewegt die Debatte – am 5. Mai werden Kollegah und Farid übrigens in Schauffhausen auftreten. Wir wollten von den 20-Minuten-Lesern deshalb wissen: Wie ordnen sie das Ganze ein? Wer mag die Musik von den beiden und warum? Und wo sind die Grenzen künstlerischer Freiheit?

Einige der eingegangenen Meinungen kannst du in der Bildstrecke oben nachlesen.


Und hier siehst du, was Kollegah nach der Awardshow zu Campinos Kritik sagte. (Video: Tamedia/Glomex)

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