Schweizer Spotify-Playlists

16. August 2017 17:33; Akt: 16.08.2017 17:33 Print

«Sie können einen Hit fördern – oder verhindern»

von Schimun Krausz - Ab Ende August unterhält Spotify vier Schweizer Playlists und bringt damit hiesige Musik unters Streaming-Volk. Die Branche applaudiert, gibt sich aber noch nicht zufrieden.

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Diese Woche meldete der Verband der Schweizer Musiklabels (IFPI), dass Spotify am 25. August mit vier eigens für die Schweiz zusammengestellten und fortlaufend kuratierten Playlists an den Start geht. Damit bietet der weltweit grösste Musik-Streamingdienst erstmals speziell auf die Schweiz zugeschnittene Inhalte an, die über die automatisch ermittelten Charts hinausgehen.

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Schweizer Playlists bei Spotify – yay oder nay?
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Insgesamt 237 Teilnehmer

Im Juli monierte Produzent und Labelbesitzer Roman Camenzind noch, die Schweiz sei «vom hitparadenrelevanten Musikdienst Spotify ausgeschlossen». Die angekündigten Playlists bezeichnet er nun gegenüber 20 Minuten als «wichtigen Zwischenschritt». Enthusiastischer ist sein Berufskollege Philipp Schweidler: «Dieser Schritt war längst überfällig und gibt unserem Musikschaffen im Streaming-Geschäft endlich die Relevanz, die es verdient.»

Warum sind Playlists wichtig?

Schweidler führt die Bedeutung solcher Listen aus: «Die Playlist-Kuratoren der Streaming-Dienste – insbesondere bei Spotify als Marktführer – sind die neuen Gatekeeper im Musikgeschäft. Sie können aktiv einen Hit fördern oder eben auch verhindern.» Ohne einen Platz in einer relevanten Playlist seien Radio-Airplay und Chart-Platzierungen heute fast nicht mehr möglich.

Die Hitparade stützt diese Aussage: Nur ein einziger Schweizer Künstler hat aktuell ein Lied in den Top 100 der Single-Charts (Loco Escrito, dessen «Sin ti» stetig nach oben klettert und momentan auf Platz 15 weilt). Mit dem Schweizer Inhalt biete sich dem lokalen Musikschaffen «endlich die Möglichkeit, am wachsenden Streaming-Geschäft teilzuhaben», so Schweidler.

IFPI-Geschäftsführer Lorenz Haas schätzt, dass der Marktanteil von Schweizer Musik im Streaming-Segment dank dem Schritt von Spotify «mittelfristig verdoppelt» werden könnte.

Wie werden die Playlists zusammengestellt?

Die vier Playlists (Details dazu in der Bildstrecke) werden gemäss Mitteilung von Spotify «auf der Startseite und unter ‹Browse› in der App prominent platziert». Der Streaming-Riese wollte auf Anfrage nicht mitteilen, wer die Listen zusammenstellt und betreut; das schwedische Unternehmen verfügt über keine Schweizer Niederlassung.

Bernd Blankenburg von Universal Music konnte mehr dazu sagen: «Wir sind in regelmässigem Kontakt mit dem Editorial-Team in Berlin, das auch für die Schweiz zuständig ist. Unsere Playlist-Vorschläge werden vom redaktionellen Team aufgenommen und geprüft.» Eliane Weber vom Sammellabel Musikvertrieb präzisiert: «Auf die Zusammenstellung haben wir keinen Einfluss, können Titel aber bei Spotify pitchen.»

Wie geht es weiter?

Was Spotify über besagte vier Listen hinaus für die Förderung und Repräsentation des Schweizer Musikschaffens angedacht hat, konnte man noch nicht sagen. Blankenburg wünscht sich nach wie vor, dass die Schweden ein hiesiges Büro eröffnen, denn: «Es ist wichtig, dass die Editorial-Teams eine gewisse Nähe zum Markt haben.»

Und Schweidler würde gern mehr lokale Listen sehen – auch, damit mehr Nischen-Genres bedient werden können: «Hier können sich die Streaming-Anbieter profilieren und auch fernab vom Mainstream die Zuhörer mit Sparten-Playlists bedienen.» Weber denkt ähnlich und wünscht sich «Schweizer Rock, Indie, R&B und Electronic».

Camenzind gibt sich vorsichtig optimistisch und hofft derweil, dass bei der «prominenten Platzierung» der Listen Wort gehalten wird, denn er weiss: «Wenn sie erst durch mehrere Klicks erreichbar sind, wären sie praktisch irrelevant.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ali G am 16.08.2017 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Danke, aber nein danke

    Auf "Schwiiz Rap" kann ich getrost verzichten. Diese Möchtegern Rapper kann ich nicht ernst nehmen.

  • C.D. am 16.08.2017 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CDs.

    es ist eigentlich schade das cds nicht mehr so oft in Gebrauch sind. ich persönlich habe lieber cds, mini disc und platten. ist einfach ein anderes Gefühl beim hören. es wäre sehr schade wen das bald nicht mehr zum kauf im laden steht.

  • Typhoeus am 16.08.2017 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich ist es soweit

    Alle können aufatmen.

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  • Ali G am 16.08.2017 19:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

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    Auf "Schwiiz Rap" kann ich getrost verzichten. Diese Möchtegern Rapper kann ich nicht ernst nehmen.

  • Typhoeus am 16.08.2017 18:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich ist es soweit

    Alle können aufatmen.

  • C.D. am 16.08.2017 17:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CDs.

    es ist eigentlich schade das cds nicht mehr so oft in Gebrauch sind. ich persönlich habe lieber cds, mini disc und platten. ist einfach ein anderes Gefühl beim hören. es wäre sehr schade wen das bald nicht mehr zum kauf im laden steht.