«DAMN.»-Albumkritik

19. April 2017 12:16; Akt: 19.04.2017 12:16 Print

Kendrick Lamar ist und bleibt ein Rap-Gott

von Thierry Kuhn - In den letzten drei Jahren hat sich Kendrick Lamar zu einem der wichtigsten Rapper unserer Zeit gemausert. Diesen Status zementiert er mit seinem neuen Werk.

«Sit down, be humble!» Kendrick Lamar predigt in seiner Comeback-Single Bescheidenheit. (Quelle: Youtube / KendrickLamarVEVO)
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Vor knapp einem Monat liess Kendrick Lamar mit seinem Song «The Heart Part 4» die Bombe platzen und stellte damit klar: Er ist zurück.

Die Erwartungen waren hoch gesteckt – zu gut ist der Vorgänger und dessen Kritiken ausgefallen. Zwei Jahre nach dem Meisterwerk «To Pimp a Butterfly» folgt nun Kendricks viertes Album, dessen Titel mit dem ersten Gesamteindruck übereinstimmen dürfte: «DAMN.»

Zwischen Bescheidenheit und Übermut

«DAMN.» fällt um einiges zugänglicher und weniger herausfordernd aus als der Vorgänger «To Pimp a Butterfly», das an Komplexität ohnehin kaum zu übertreffen war. Die Schönheit liegt hier erneut in der Kreativität und Leidenschaft, die Kendrick Lamar in seine Songs steckt. Er besitzt das Talent, sich mit teilweise kontroversen Themen in einer Art und Weise zu befassen, wie das nur die wenigsten seiner Kollegen können.

Die Vorab-Single «Humble» und deren brillantes Video zeigen, wie Kendrick den aktuellen Zeitgeist versteht. Religiöse Referenzen ziehen sich durch alle 14 Songs, was sich auch in den vielen Gegensätzen äussert – die Songs tragen kontrastreiche Namen wie «Pride» und eben «Humble» oder «Lust» und «Love». Auch der ungewohnte Synthie-Track «God» muss sich nicht verstecken, während die Rihanna-Collabo «Loyalty» nach einer hitverdächtigen Sommerhymne klingt.

Zahlreiche andere Künstler kommen auf «DAMN.» sporadisch zum Zug – wie etwa Thundercat, Terrace Martin, James Blake, The-Internet-Gitarrist Steve Lacy und Newcomer Zacari auf der sanften Ballade «Love». Auf Jazz-Einflüsse verzichtet Kendrick dieses Mal grösstenteils, stattdessen arbeitet er mit zeitgemässen Elementen. Die beiden Hausproduzenten Sounwave und DJ Dahi prägen das Album denn auch mit ihren ganz eigenen Visionen und lassen Kendrick trotzdem noch den nötigen Raum, seine verspielten Stimmmuster einzubringen.

Von der Strasse auf den Rap-Thron

Kendrick Lamar muss keine musikalischen Opfer erbringen, denn jeder einzelne Ton hat seine Berechtigung: Ihm gelingt es problemlos, Grössen aus anderen Genres wie Rihanna und selbst U2 nahtlos in sein Klangbild einzubinden, ohne dabei vom Kurs abzukommen. Er holt gar DJ-Legende Kid Capri aus der Versenkung zurück und bringt Sound-Architekten wie The Alchemist («Fear») und 9th Wonder («Duckworth») mit an Board. In Letzterem brilliert Kendrick mit grossartigem Storytelling und offenbart eine bedeutsame Geschichte aus früheren Tagen, die beinahe sein ganzes Leben verändert hätte: Sein Vater, mit Familiennamen Duckworth, wurde einst beinahe von Kendricks heutigem Label-CEO Anthony «Top Dawg» Tiffith erschossen, als dieser noch in Bandenkriege verwickelt war.

Hier schliesst sich denn auch der Kreis: Statt auf den Strassen zu verwahrlosen, sitzt Kendrick auf dem Rap-Thron und es scheint, als könne das bald 30-jährige Wunderkind nichts falsch machen. Mit seinem doch eher anspruchsvollen Sound hat Kendrick mittlerweile auch Rap-Gelegenheitshörer erreicht und bewiesen, dass er einer der wichtigsten Künstler der Neuzeit ist.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • N.F am 19.04.2017 12:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ???

    Rap-Gott?

  • N.L am 19.04.2017 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Marshall

    Es gibt nur einen Rap-Gott. Eminem.

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  • Sam Winchester am 19.04.2017 13:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    R.I.P Hip Hop

    Ist für mich einfach kein Hip Hop mehr sorry ... sondern einfach ein Swag Song mehr. Der wahre Hip Hop ist ausgestorben meiner meinung nach... die wahren Beats wie z.b von Biggie Tupac oder Mobb Deep shock one Part 2 das waren noch richtige Hip Hop beats aber diese Zeiten sind vorbei.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Klaus von den eisigen Gegenden am 20.04.2017 20:06 Report Diesen Beitrag melden

    Kendrick ist 'overhyped'!

    Ich muss sagen das Album ist der Hammer, aber warum ist Kendrick L. So Mainstream geworden?!

  • Goldie am 19.04.2017 22:11 Report Diesen Beitrag melden

    Guter Rap

    Ihr solltet lieber mal MC Miker G & Deejay Sven hören :)

  • Oldschool am 19.04.2017 21:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch...

    Bin 26 und hab noch nie was von dem ghört. Muss man den kennen??? Ich bleib lieber bei Tupac & Biggie

    • Zürich 1986 am 19.04.2017 22:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Oldschool

      Kennen muss man ihn nicht aber er ist für die heutige Zeit kein schlechter Rapper. Am Openair Frauenfeld fand ich seinen Auftritt überzeugend. An das Niveau von Tupac, Biggie, Lloyd Banks etc. kommt eh fast keiner ran.

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  • goldie am 19.04.2017 20:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Musikgeschichte

    90' hip-hop mit heute zu vergleichen ist fraglich. Die Musik verändert sich mit den Jahren. Demzufolge kann ich bestätigen, dass Kendrick momentan weit oben auf der Best-Rap-Liste steht!

    • Zürich 1986 am 19.04.2017 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @goldie

      90's Hip Hop ist mir am liebsten aber Kendrick Lamar überzeugt auch mich.

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  • Reich (noch) Nicht am 19.04.2017 20:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ikonen

    Es gibt viele hip hop Ikonen ... run dmc, a tribe called quest, Gang Starr, KRS-One, Jurrasic 5, afura, Poor righteous teachers, Doug E. Fresh, ..., Lamar würde ich da nicht zählen lassen

    • Zürich 1986 am 19.04.2017 22:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Reich (noch) Nicht

      Denke in den Neunzigern gab es halt viele sehr gute Rapper. Heutzutage kann man die fast an einer Hand abzählen. Bin aber überzeugt dass sich dies bessert in den nächsten Jahren. Teilweise werden wieder 90's Beats und Flows in die Tracks eingebaut.

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