Heilige Seilschaften

17. Dezember 2012 18:45; Akt: 11.05.2013 01:25 Print

«Wenn null Punkte, dann für den guten Zweck»

von Marlies Seifert - Kürzlich gab Roman Camenzind noch zu Protokoll, er würde nie einen ESC-Song schreiben. Jetzt hat seine Firma den Heilsarmee-Beitrag produziert – weil man um die Community der Organisation weiss.

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Die Heilsarmee mit «You and Me». Im Grossformat auf dem Videoportal Videoportal
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«Ich ziehe in keinen Kampf, den ich nur verlieren kann. Die Seilschaften beim ESC machen es der Schweiz leider unmöglich zu gewinnen» - mit diesen Worten liess sich der erfolgsverwöhnte Musikproduzent Roman Camenzind (Bligg, Pegasus, Adrian Stern) vor ziemlich genau einem Jahr von 20 Minuten Online zitieren. Hinter dem Heilsarmee-Song, mit dem die Schweiz im Mai am Song Contest in Malmö antritt, steckt nun aber ausgerechnet Camenzinds Produktionsfirma HitMill. Wie kam es zu dem plötzlichen Sinneswandel? Auch dem geschäftstüchtigen Musikmacher ist aufgefallen, dass die Heilsarmee über ein breites Netzwerk verfügt. In 24 von 38 Eurovision-Ländern hat die christliche Gemeinschaft Anhänger. Diese Seilschaft macht er sich nun zunutze.

Roman Camenzind, vor einem Jahr sagten Sie noch, Sie würden nie beim ESC mitmachen. Wieso hat dann ihre Firma den Song der Heilsarmee geschrieben?
Roman Camenzind: Ich hatte nie eine Abneigung gegenüber dem Song Contest. Aber mein Ehrgeiz lässt es nicht zu, dass ich irgendwo mitmache, wo ich keine Aussicht auf Erfolg sehe. Wir haben jedes Jahr zig Anfragen zum Schreiben eines ESC-Songs bekommen und haben alle ausgeschlagen. Das Risiko einer Blamage schien mir immer grösser als die Chance auf Erfolg.

Weshalb war die Ausgangslage bei der Heilsarmee eine andere? 

Zunächst mal war es einfach eine geile Idee, die Heilsarmee ins Rennen zu schicken. Ausserdem konnten wir in diesem Fall gar nicht verlieren. Selbst wenn wir im Vorentscheid rausgefallen wären, hätten wir noch gewonnen. Denn wenn man mit der Heilsarmee null Punkte holt, dann wenigstens für den guten Zweck.

Gratis haben Sie den Song aber nicht produziert.

Nein, wir sind der Heilsarmee finanziell aber entgegengekommen. 
Über genau Zahlen geben wir keine Auskunft.

Wurde das Projekt bei Ihnen lange diskutiert?

Nein, mir war von Anfang an klar, dass das funktionieren könnte. Die Heilsarmee hat in ganz Europa ein sehr starkes Netzwerk. In diesem Wettbewerb wird das von grossem Vorteil sein. Das war mir bewusst und war mit ein Grund, weshalb wir uns für das Projekt entschieden haben und es gemeinsam mit der Heilsarmee umgesetzt haben.

Das klingt sehr abgeklärt.

Wir haben immerhin einen Ruf zu verlieren. Und wir möchten besser abschneiden als unsere Vorgänger in den letzten Jahren.

Wie 20 Minuten Online berichtete, darf die Gruppe aufgrund der Wettbewerbsrichtlinien aber nicht in Uniform und auch nicht unter dem Namen Heilsarmee auftreten...
Für uns ist das nur von Vorteil. Die Solidarität und das Interesse werden durch die ganze Geschichte nur noch steigen. Jeder in Europa wird wissen, wer da auf der Bühne steht.

Welche Chancen rechnen Sie der Gruppe nun aus? Schafft sie es dank ihres Netzwerks vielleicht sogar zum Sieg?

Ich rechne nicht damit, dass wir gewinnen. Nach den letzten Jahren wäre das vermessen. Aber ich glaube fest, dass wir es ins Finale schaffen werden und nicht mit null Punkten nach Hause fahren werden.

Nein, mir war von Anfang an klar, dass das funktionieren könnte. Die Heilsarmee hat in ganz Europa ein sehr starkes Netzwerk. In diesem Wettbewerb wird das von grossem Vorteil sein. Das war mir bewusst und war mit ein Grund, weshalb wir uns für das Projekt entschieden haben und es gemeinsam mit der Heilsarmee umgesetzt haben.

Das klingt sehr abgeklärt.
Wie 20 Minuten Online berichtete, darf d