Sex in der «Spex»

13. September 2012 18:31; Akt: 13.09.2012 18:31 Print

Zu porno für die Schweiz

von Niklaus Riegg - Die aktuelle Ausgabe des Popkulturmagazins «Spex» wird in der Schweiz nicht verkauft. Der Inhalt sei zu anstössig. In Deutschland ist das Magazin normal erhältlich.

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Das Popkulturmagazin «Spex» gilt als dezidiert links und vertritt immer wieder feministische Positionen. Umso grösser die Überraschung, dass die neuste Ausgabe der Nerd-Bibel laut der «Spex»-Redaktion in der Schweiz nicht ausgeliefert werden darf – offenbar wegen jugendschutzrechtlicher Bedenken des Kioskbetreibers Valora.

Laut einer Mitteilung der «Spex»-Redaktion war der Auslöser für die Nichtauslieferung in der Schweiz «zwei Fotos aus der Titelstrecke zum Thema Pornografie, die offenbar als pornografisch eingestuft wurden». Seltsam: Die Bilder stammen aus einer Session der Fotografin Heji Shin für das Aufklärungsbuch «Make Love». Dieses ist in Deutschland empfohlen für Jugendliche ab 14 Jahren – in der Schweiz ist es frei erhältlich. Bilder aus den selben Aufnahmesessions wurden auch im «Spiegel» veröffentlicht – und nicht beanstandet. Laut «Spex» wurden die Bilder schon damals rechtlich geprüft – zumindest für Deutschland.

«Keine Pornografie»

Die Redaktion der «Spex» wurde vom Verkaufsverbot überrascht: «Nach juristisch gültiger Definition erfüllen die vorliegenden Fotos von Heji Shin kein einziges zwingendes Kriterium der Pornografie. Sie zielen nicht auf eine Aufstachelung des Geschlechtstriebes ab, sondern dienen der Aufklärung und der Dokumentation eines gesellschaftlichen Phänomens. Gerade in einer Gesamtschau mit dem redaktionellen Zusammenhang sind die vorliegenden Fotos als künstlerische Arbeiten zu werten, die hier einer Illustration der in den Texten aufgeworfenen Themenfelder dienen, ohne dabei zum Ziel zu haben, den Leser respektive Betrachter in irgendeiner Weise sexuell zu stimulieren. Die gezeigten Männer und Frauen werden keineswegs zu Sexualobjekten degradiert.»

«Sanfte Zensur» vom Grossisten

Eine Anfrage bei «Spex» bringt etwas Licht ins Dunkel: «Die Ausgabe wurde nicht offiziell verboten. Aber unser Grossist hat sich geweigert, das Heft in den Schweizer Handel zu bringen», so «Spex»-Chefredaktor Torsten Gross auf Anfrage von 20 Minuten Online, «das ist eine Form der sanften Zensur». Für das Popkultur-Magazin ist das eine Premiere: «Für uns entsteht ein wirtschaftlicher Schaden, wir liefern über 1000 Exemplare in die Schweiz», so Gross weiter.

Ein Entscheid der Valora

Gefällt hat den Entscheid die Valora, welche in der Schweiz über 1000 Kioske betreibt – mit folgender Begründung: «Die Zeitschrift ‹Spex› ist als Jugendmagazin eingestuft. Im Unterschied dazu gilt das Magazin ‹Spiegel› als politisches Magazin und hat eine andere Zielgruppe als die Zeitschrift ‹Spex›», so Stefania Misteli von Valora auf Anfrage. «Im Gegensatz zu Deutschland hat die Schweiz im Strafgesetzbuch einen expliziten Pornographieartikel (Art. 197 Strafgesetzbuch), welcher es verbietet, pornographische Schriften und Bilder Jugendlichen unter 16 Jahren anzubieten, zugänglich zu machen, zu zeigen und zu überlassen», so Mistelli weiter.

«Pornografie weiter ein Thema»

Zieht die «Spex» aus dem Fall Konsequenzen? «Wir werden deswegen nicht vom Thema Pornografie absehen», so Gross. «Und hoffentlich müssen wir in Zukunft nicht eine extra Ausgabe für die Schweiz mit abgeklebten Bildern machen.»

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Ausgewählte Leser-Kommentare

An allen Bahnhofs- und Tankstellen-Kiosken wird Pornographie neben dem Bravo und Micky-Mausheftchen ausgestellt. Valora kennt offensichtlich die Gesetze. Es ist langsam Zeit , sich daran zu halten und die Pornohefte aus den Regalen zu verbannen. Das hat nichts an einem Kiosk verloren, vielmehr in einem Erotikshop. – Jack Bauer

Arme Valora. Und das in der heutigen Zeit. Valora ist nicht hinter dem Mond, nein viel weiter weg. Schlicht ein Armutszeugnis. – FritzA

Ich finde es ein starkes Zeichen von Valora, dass sie nicht bereits sind, diese Hefte zu verkaufen. Sie nehmen ihre Verantwortung wahr. Unter dem Deckmantel der Kunst werden heute obszöne Bilder unter die Massen gebracht. Auch wenn die Jugendlichen sich demnach anderer Quellen bedienen, heisst es noch lange nicht, dass durch die Medien der Mainstream zügelloser Sexualmoral unaufhaltsam vorangetrieben werden muss. – Guxa

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter M am 16.09.2012 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Hexenjagd

    Wahrscheinlich haben die von der Valora Angst vor der Zürcher Staatsanwaltschaft: Das ist bedenklich!

  • Stöff am 14.09.2012 21:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Daneben, besser Preise reduzieren

    Vollkommen daneben. Die Valora soll besser mal bei den Verlagen die Verkaufspreise der Zeitschriften, welche z.t. Bei uns Doppelt so teuer sind wie in Deutschland runterhandeln.

    • Peter M am 16.09.2012 15:10 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Ja, du hast recht! Anstatt diese dämlichen Euro-Bonus-Coupons zu verteilen, die man beim nächsten Mal einlösen kann.

    einklappen einklappen
  • Marcel am 14.09.2012 21:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Porno

    Pruede doppelmoralige schweiz

  • Steffi am 14.09.2012 16:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Monopol

    Pornos verkaufen sie an jedem Kiosk, aber diese Ausgabe eines sonst erhältlichen Magazins wird kurzerhand verboten?!? Ach wie scheinheilig! Und wann Stutzt die WEKO die Valora wegen des Monopols endlich auf die richtige Grösse - e.E. auf max 20% - zurück?

  • Jay am 14.09.2012 12:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    USA

    Seit wann sind wir ein Bundesstaat der USA?? Fast an jeder Schweizer Tankstelle kann man Pornographisches Material kaufen.