Presseschau

25. Juli 2017 06:41; Akt: 25.07.2017 13:10 Print

«Die Stimme einer Nation ist verstummt»

«Polo National» ist in den Schweizer Zeitungen heute das dominierende Thema. Sie ehren den Mundartrocker mit Frontbildern und Kommentaren.

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«Tschou Polo»: Der Tod des Mundartmusikers Polo Hofer ist heute das dominierende Thema in der Deutschschweizer Presse. Mit grossen Frontbildern und Doppelseiten ehren die Zeitungen den Berner Mundartrock-Pionier. Sie streichen aber auch seine politischen und philosophischen Seiten hervor.

Der Sänger und Bandleader Polo Hofer, der durch Mundart-Hits wie «Kiosk», «Giggerig» und «Teddybär» bekannt wurde, starb am Samstag 72-jährig. Vor knapp einem Jahr hatte er bekanntgegeben, dass er an Lungenkrebs erkrankt sei. Der letzte ausgebildete Handlithograph der Schweiz war der Gründer der ersten Mundart-Rockband des Landes.

Der «Blick» hält Hofer für einen «National-Unheiligen» und «schweizerischen Weltstar». Er habe mit «Alperose» dem Land den grössten Schweizer Hit geschenkt. Er sei nicht nur Scherzbold und Provokateur gewesen, sondern auch ein Philosoph, der gerne über die Existenz Gottes diskutiert habe. Den grössten Schweizer Mundartrocker habe man nie richtig gekannt.

Der «Bund» und der «Tagesanzeiger» würdigt den Texter, Maler und passionierten Cannabiskonsumenten, zu dessen Erscheinungsbild oft eine dunkle Sonnenbrille und eine Zigarette zählten, als «Kumpel des Schweizervolks» und «Rebellen von nebenan». Hinter dem Sprücheklopfer habe sich aber auch ein sensibler Mensch verborgen. Die Zeitung beschrieb Hofer als Lebemann. Seine Heiterkeit werde schmerzlich fehlen.

Sprache, die jeder verstand

Für die «Aargauer Zeitung» ist ein Pionier und die Stimme einer Nation verstummt. Er habe in den 1970er Jahren zu den Wegbereitern des Berner Rocks gehört. Der Bürger aus Interlaken habe der Gegenbewegung, den Hippies, ein Gesicht gegeben. Er habe ihr Songs gegeben, die ein Lebensgefühl vermittelten, in einer Sprache, die jeder verstanden habe: Mundart.

Die «Neue Zürcher Zeitung» sieht in Hofer ein Vorbild in der Musikszene. In seiner drei Jahrzehnte umspannenden Karriere habe er seit den achtziger Jahren den Weg bereitet für Bands wie Züri West, Patent Ochsner, Stiller Has und viele andere, heisst es im Nachruf. Polo Hofers «Swissness» sei verkaufsfördernd gewesen. Schliesslich sei die Konkurrenz für Hofer und seine Schmetterband aber immer grösser geworden.

Die «Berner Zeitung» konstatiert, dass der Musikkünstler ein Gespür für den Geist der Zeit gehabt habe. Hofer habe in den 1960er Jahren als Erster Mundart und Rock verbunden. Später sei er vom gesellschaftspolitischen Provokateur zum allseits respektierten Nationalheiligtum geworden.

Zwischen Kunst und Kommerz

«Tschou Polo, du wirst fehlen» schreiben die «Luzerner Zeitung» und das «St. Galler Tagblatt». Sie sehen Hofer als ein Stück Schweizer Identität. Er gehöre zu den Grossen der Schweizer Kultur. Er habe nie den Spagat zwischen Kunst und Kommerz gescheut. Obschon er deswegen angefeindet worden sei, sei seine Bedeutung unbestritten.

Die «Basler Zeitung» ist sich sicher, dass Polo Hofer wegen seiner vielen schönen Lieder nicht in Vergessenheit geraten wird. Hofer habe Melancholie in seinen Liedern und seiner Stimme gehabt. Gleichzeitig habe er auch Störrisches, Knorriges und Widerborstiges ausgestrahlt.

(chk/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Brumm am 25.07.2017 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder hat seine Meinung

    Für mich ist er keiner den man hochloben muss, aber etwas gefällt mir besonders. Er hat immer gewusst was er seinem Körper antut, hat es akzeptiert und hat sich dem Tod gestellt als es soweit war.

  • Der Kroate am 25.07.2017 10:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Traurig

    Die Nachricht das Polo nicht mehr unter uns ist macht mich sehr traurig. Habe seine Musik immer sehr gemocht. Aber ihn selbst noch viel mehr. Ein richtiger Charakter-Kopf, mit Ecken und Kanten, eben ein richtiger Rebell, einfach ein toller Typ. Als Musiker Weltklasse, als Mensch noch viel viel grösser. Ruhe in Frieden Polo, wir werden dich sehr sehr vermissen.

  • ENU am 25.07.2017 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der echte ......

    Der echte Berner Oberländer ist von uns gegangen. Er wird in die Geschichtsbücher der Schweizer Kultur eingehen. Er hat so gelebt wie es für ihn richtig war und das ist zu akzeptieren.

Die neusten Leser-Kommentare

  • solo am 25.07.2017 21:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lebender

    Polo Hofer hat bestimmt sehr viel geleistet. Meine Stimme war das aber nicht. Deshalb finde ich es als falsch ihn als Stimme der Nation zu bezeichnen. Trotzdem, Polo Hofer in Ehren. Er hat es gut gemacht.

  • Hofer Fan am 25.07.2017 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hofer Fan

    Polo, der Bob Dylan aus der Schweiz. Vielleicht hätte auch Polo den Nobelpreis erhalten.

  • ENU am 25.07.2017 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der echte ......

    Der echte Berner Oberländer ist von uns gegangen. Er wird in die Geschichtsbücher der Schweizer Kultur eingehen. Er hat so gelebt wie es für ihn richtig war und das ist zu akzeptieren.

  • Brumm am 25.07.2017 15:29 Report Diesen Beitrag melden

    Jeder hat seine Meinung

    Für mich ist er keiner den man hochloben muss, aber etwas gefällt mir besonders. Er hat immer gewusst was er seinem Körper antut, hat es akzeptiert und hat sich dem Tod gestellt als es soweit war.

  • Marcel am 25.07.2017 14:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unter Stimme der Nation verstehe ich etwas anderes

    War überhaupt nicht mein Typ. Die Stimme der Nation ist für mich Roger Federer. Er kann zwar nicht singen präsentiert unser Land aber einiges besser als Polo.