Suisa, Pro Litteris & Co

07. Dezember 2011 14:00; Akt: 19.12.2011 15:07 Print

Arme Künstler, reiche Verwalter

von Niklaus Riegg - Während viele Schweizer Künstler kaum von ihrer Kunst leben können, werden bei den Gesellschaften, die ihre Rechte verwalten, fürstliche Löhne bezahlt. Der Nationalrat will nun die Löhne deckeln.

Einer der wenigen Suisa-Künstler, die mehr Geld von der Suisa bekommen als deren Generaldirektor: Der Franzose Charles Aznavour. (Quelle: YouTube)
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Der Generaldirektor der Suisa hat laut Medienberichten im Jahr 2008 mehr als 350 000 Franken verdient. Laut «Sonntag» erhalten die Suisa-Vorstandsmitglieder 1050 Franken Sitzungsgeld – pro Tag.

Ganz anders die Autoren und Musiker, deren Urheberrechtserträge die Suisa einzieht, verwaltet und ausschüttet: Nur gerade 30 Künstler bekamen von der Suisa mehr als 100 000 Franken ausbezahlt, nur drei von ihnen mehr als 500 000, darunter war aber kein Schweizer. Die grosse Mehrheit der 14 817 Suisa-Mitglieder indes hat von der Genossenschaft weniger als 1000 Franken bezogen, über 5000 Mitglieder sogar weniger als 100 Franken.

Neben den drei internationalen Stars, die ihre Rechte von der Suisa wahrnehmen lassen, geht also die grösste Summe aus dem Suisa-Topf an deren Generaldirektor Andreas Wegelin – falls er das gleiche Gehalt bezieht wie sein Vorgänger Alfred Meyer, der 2008 im Amt war. Doch die Suisa selber sieht keine Probleme bei den Löhnen: «Der Vorstand ist weiterhin der Ansicht, dass die Saläre im Vergleich mit anderen Dienstleistungsfirmen in einem vernünftigen Rahmen liegen», schreibt die Suisa in ihrem aktuellen Jahresbericht.

Anderer Meinung ist der Nationalrat. Er hat am Dienstag mit 131 zu 43 Stimmen bei 9 Enthaltungen beschlossen, die Löhne der Top-Kader der Verwertungsgesellschaften zu deckeln. Für den Schweizer Konsumentenschutz, welcher die Standesinitiative zusammen mit Nationalrätin Susanne Leutenegger Oberholzer (SP) angestossen hat, stehen die Löhne bei Pro Litteris und Suisa in keinem Verhältnis zu den Geldern die ausgeschüttet werden.

Konsumentenschutz-Geschäftsleiterin Sara Stalder sagt auf Anfrage von 20 Minuten Online: «Die Verwertungsgesellschaften tragen kein Risiko, sind nicht am Markt, müssen keine Aquise durchführen. Deshalb sind diese Löhne aus unserer Sicht zu hoch.» Die Konsumenten bezahlten Abgaben für Leerdatenträger und bespielte Medien und diese sollten auch bei den Künstlern ankommen. Die Suisa war bis jetzt für 20 Minuten Online für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Der Vorstoss geht nun in den Ständerat.

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