Männerbusiness

29. Juni 2016 05:50; Akt: 29.06.2016 09:59 Print

Nur 12 Prozent Frauen auf Schweizer Festival-Bühnen

von Aisha Abdel Dayem - An den grossen Schweizer Openairs treten diesen Sommer rund 310 Bands und Künstler auf. Frauen hat es kaum darunter.

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20 Minuten hat analysiert, verglichen und ausgerechnet, wie viele weibliche Acts beziehungsweise Bands mit Frauen dieses Jahr an den Schweizer Openairs auftreten. Berücksichtigt wurden dabei die aktuellen Line-up-Plakate von den Openairs Frauenfeld, Gampel, St. Gallen, Zürich, dem Greenfield-Festival und dem Gurtenfestival. Nachfolgend die Ergebnisse in aufsteigender Reihenfolge. Das Greenfield-Festival bildet das Schlusslicht. In Interlaken traten dieses Jahr 59 Bands ins Rampenlicht. Davon haben nur vier Acts Frauen an Bord, das sind 6,7 Prozent. Die Zahlen beim Openair Frauenfeld fallen nur wenig höher aus. 51 Acts werden auftreten. Darunter sind vier mit Damen - immerhin sind drei davon Frontfrauen. Das entspricht 7,8 Prozent des Gesamt-Line-ups. Noch mal ein wenig höher fällt der Prozentsatz am Open Air Gampel aus. Zur «Iischi Party» inmitten der Walliser Bergwelt sind 35 grössere Acts geladen; vier (einer wird erst noch angekündigt) davon mit Frauen an der Front oder in der Band. Das sind etwa 9 Prozent Frauen-Anteil am Musikangebot. Das Berner Gurtenfestival wird dieses Jahr von 51 Bands und DJs bespielt. Sieben davon sind Frauen oder haben Frauen im Band-Line-up. Das ergibt immerhin 13,7 Prozent. Das Openair St. Gallen hat mit 74 Acts das grösste Line-up. Ganze zwölf Frauen-Acts sind dabei und schlagen mit 16,2 Prozent zu Buche. Die höchste Frauenquote unter den grossen Schweizer Festivals erreicht das Zürich Openair. Bislang sind 40 Acts angesagt. Neun davon sind ganz oder teilweise mit Frauen besetzt - das ergibt 22,5 Prozent, also fast ein Viertel des Gesamt-Line-ups. Immerhin, aber es ist trotzdem nur ein Viertel.

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Zahlreiche nationale und internationale Bands und DJs werden sich diesen Sommer auf den Schweizer Openair-Bühnen tummeln. Bei den Line-ups fällt auf: Die Sänger, Instrumentalisten und Mischpult-Artisten sind hauptsächlich männlichen Geschlechts. An den Festivals in Frauenfeld, St. Gallen, Zürich, Gampel, Interlaken und auf dem Berner Gurten spielen dieses Jahr insgesamt 310 Acts. Nur bei 39 davon, also 12,6 Prozent, spielen Frauen eine Rolle.

Umfrage
Braucht es für Schweizer Festivals eine Frauenquote?
11 %
1 %
4 %
28 %
56 %
Insgesamt 176 Teilnehmer

Der Frauenmangel (in tragenden Funktionen) im Musik-Business wird nicht erst 2016 beklagt. Fabienne Amlinger vom Interdisziplinären Zentrum für Geschlechterforschung IZFG an der Universität Bern erklärt: «Das Rock- und Pop-Business war in seiner Entstehung ein männlich geprägtes Feld. Das macht sich bis heute bemerkbar.» Laut Amlinger gibt es durchaus bekannte Leadsängerinnen. «Es scheint aber bei den mehrheitlich männlichen Openair-Veranstaltern kein Bewusstsein zur geringen Anzahl an Frauen auf der Bühne zu existieren – oder kein Wille, das zu ändern», führt sie weiter aus. Das Problem liege auch in der Sozialisation. Es gebe für Mädchen/Jugendliche nicht genug weibliche Vorbilder, mit denen sie sich identifizieren könnten, so Amlinger.

«Wir steuern uns selbst in Mustern»

Auch Regula Frei von der Musikerinnen-Koordinationsstelle Helvetiarockt sieht darin den Hund begraben: «Wir steuern die Kinder und uns selbst in Mustern und merken es gar nicht.» Dazu komme der technische Aspekt. «Selbstvertrauen in der Musik-Technologie zu zeigen, ist für viele Frauen schwierig. Ganz sicher gibt es interessierte Frauen, die sich aber in der Rolle noch nicht wohl fühlen und sich entwickeln können», ist Frei überzeugt.

Den Veranstaltern und Organisatoren der Openairs einfach Sexismus vorzuwerfen, greift zu kurz. «Wir achten bei der Auswahl der Bands in erster Linie auf die Qualität und Aktualität der Musik sowie auf die zu unserer Strategie passenden Stilrichtungen. Danach folgen die Kriterien der Verfügbarkeit», erklärt Sabine Bianchi, Mediensprecherin des Openair St. Gallen. «Es wäre schön, wenn noch mehr Künstlerinnen verfügbar wären, aber wir müssen keine Quote erfüllen.»

«Bei Schweizer Acts ist es einfacher»

Ähnlich sieht das Roman Pfammatter, Programmleiter des Open Air Gampel. Er macht sich aber trotzdem Gedanken über den Frauenmangel auf den Schweizer Festival-Bühnen: «Grundsätzlich gibt es zu wenige Frauen in Bands. Aber ich buche sehr gerne weibliche Acts.» Pfammatter, der zudem seit 24 Jahren Inhaber einer Booking- und Eventmanagement-Firma ist, ist es wichtig, Musikerinnen zu fördern.

«Wir haben gerade noch die letzten drei Bands gebucht und da hatte es glücklicherweise noch ein gemischtes Duo dabei. Ich war froh, dass wir somit eine weitere Frau ins Line-up aufnehmen konnten.» Und er fügt an: «Bei den Schweizer Acts ist es einfacher, gute Musikerinnen zu finden. Diese buchen wir auch oft zur Verstärkung unseres Programms.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • René B. am 29.06.2016 07:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauenquoten

    Auf dem Bau hat es auch viel zu wenig Frauen, das muss unbedingt geändert werden. ;-)

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  • Jane38 am 29.06.2016 07:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    frauenquote?!

    weshalb? weil man bands nimmt die angesagt sind und nicht wegen der frauenquote. man kan es auch übertreiben mit dem feminismus...liebe frauen macht gute musik und zack seit ihr dabei

  • hanueli am 29.06.2016 06:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lachhaft

    Leute, langsam wird es lächerlich mit dieser ganzen Frauenquotensache. Ich fühle mich auch langsam diskriminiert dass so wenige arme leute in der Politik sitzen, ich fordere eine arme-leute-quote im bundesrat!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Boris Meister am 29.06.2016 15:05 Report Diesen Beitrag melden

    Festival-Täter verhaften!

    Da muss doch die Politik sofort einfahren, die schuldigen Festival-Täter entlassen resp. verhaften und einsperren und alle Festivals mit einer Männer-Quote (inklusive Roadies!!!!) von mehr als 50 % verbieten. Ironie-Off: Meine Güte, solcherart sind Bedenken und Probleme, wenn grad keine anderen zum Ärgern bereitstehen.

  • Sanji am 29.06.2016 10:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nightwish und Amaranthe

    Bei Nightwish sind 5 Männer und 1 Frau auf der Bühne. Die Frau ist die Sängerin. Bei Amaranthe ist es das selbe, nur singen dort auch noch 2 Typen mit. Dürfen diese zwei Bands also auch nichtmehr auftreten, obwohl sie je 1 Frau dabei haben?? Mein Gott, hört mal auf über Quoten rumzujammern. Wenn der Geschmack halt lieber Männdliche Acts hat, dann sei es so.

  • Herr Bünzli Theophil am 29.06.2016 10:41 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    die Lady mit der Gitarre sieht aber sehr hübsch und kuschelig aus

  • Dave A. am 29.06.2016 09:58 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Gedanken zu Quoten

    Jede (Frauen)Quote ist Diskriminierung. Frauen wissen nicht mehr, ob sie einen Job wegen ihrer Qualifikation oder wegen der Quote erhalten und Männern werden Absagen erteilt, obwohl sie die perfekten Kandidaten wären - bloss weil sie einen Penis und keine Brüste haben. Dabei ist es völlig egal ob es nun um Jobs oder um Buchungen bei Festivals geht. Man sollte endlich von diesen ganzen Quoten ablassen, für gleiche Bedingungen sorgen & das Resultat akzeptieren. Auch wenn dadurch nicht 50% Frauen auf dem Bau und 50% Männer in der Kleinkindererziehung arbeiten, denn das bringt schlichtweg nichts.

  • Peter Schilling am 29.06.2016 09:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frauenrecht und Quote 

    Das geht aber gar nicht; Politik muss sofort eingreifen ! Und die Gagen?? Sind sicherlich dumping-Löhne.