Heimliche Headliner

02. April 2017 20:15; Akt: 02.04.2017 22:27 Print

Schweizer Newcomer räumen beim M4Music ab

von Neil Werndli - Am Wochenende fand in Zürich die 20. Ausgabe des M4Music-Festivals statt. Die Schweizer Newcomer liessen internationale Grössen alt aussehen.

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Es ist quasi der Start in die Schweizer Festivalsaison: Am Wochenende fand rund um den Zürcher Schiffbau das M4Music statt, wo die Förderung der hiesigen Szene oberste Priorität hat. In der Demotape Clinic werden die besten Songs von hoffnungsvollen Newcomern gekürt. Der Award für das Demo of the Year ging dieses Jahr an aus dem Wallis. Die Siegerin der Kategorie Electronic kündigte Moderatorin Anic Lautenschlager an als «ein Tee, den ich gerne trinke»: erhielt den mit 3'000 Franken dotierten Preis. In der gitarrenlastigen Rock-Kategorie ging der Award an aus Fribourg. Der einzige deutschsprachige Sieger war, der den Urban-Sieg nach Basel holte. Das Line-Up des M4Music zeigte eindrücklich, dass Schweizer Musiker mit internationalen Acts mithalten können. Als der Ostschweizer am Freitagabend im Exil seinen Hüftschwung zum Besten gab, war der Club so voll, dass ... ... der Einlass gestoppt werden musste und Dutzende Gäste für den Newcomer Schlange standen. Auch der Bieler Rapper zeigte, dass er mit seinen 17 Jahren bereits genug Power hat, um in der grossen Halle nicht unterzugehen. Nemo brannte förmlich und riss das Publikum mit, während ... ... internationale Grössen wie The Shins auf derselben Bühne Mühe hatten, mit den Festivalgängern zu connecten. Eine der stärksten Shows des ganzen Festivals lieferte am Freitag nach Mitternacht die Berner Mundart-Truppe . Das Konzert fiel auf den Releasetag ihres neuen Albums «Pro». Für einen aussergewöhnlichen «WTF»-Momente sorgte das Zürcher Duo («Jupiter» ausgesprochen), das alleine mit Drums, Gesang und ein paar minimalistischen Bass-Synthies arbeitet. Besonders charmant: Vor ihrer Show im Exil verteilten JPTR Glückskekse mit teilweise vulgären Sprüchen und einem Download-Code für die Musik des Duos. Pure Gänsehaut: im Moods. Und als auf der kleinen Lastwagen-Bühne vor dem Exil performten, hätte man meinen können, die aufsteigenden Schweizer Bands sind am M4Music die wahren Headliner.

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Das M4Music-Festival zeigte dieses Wochenende, dass hiesige Musiker keineswegs bescheiden auftreten müssen – teilweise spielten sie die internationalen Namen unter den Tisch.

Es war die Jubiläumsausgabe des Festivals rund um den Zürcher Schiffbau, dessen erklärtes Ziel die Förderung des Schweizer Musikschaffens ist. Dies erreicht das M4Music jedes Jahr aufs Neue, zum einen mit der Talente-Plattform Demotape Clinic oder dem von lokalen Acts getragenen Line-up auf den fünf Bühnen.

Meimuna holt das Demo of the Year

Fangen wir bei den Kleinen an: In der Demotape Clinic wird jedes Jahr der beste Song von Newcomern der Kategorien Pop, Rock, Electronic und Urban mit 3000 Franken prämiert. Den stärksten Beitrag erklärt die Jury dann zum Demo of the Year und vergibt weitere 5000 Franken. Diese Ehre ging dieses Jahr ins Wallis: Cyrielle Formaz, alias Meimuna, räumte mit ihrem gleichnamigen Song ab.


Meimuna hat ihren gleichnamigen Song selbst produziert und damit das Demo of the Year 2017 gewonnen. (Quelle: Youtube / Cyrielle Formaz)

«Holy shit, das ist absolut verrückt», schrieb Meimuna auf Facebook. Bereits bei der Awardshow schien sie komplett überwältigt. Nach dem Sieg in der Pop-Kategorie hatte sie «völlig vergessen», dass es noch einen Hauptpreis gibt – und plötzlich stand sie auf der Bühne, um ihn in Empfang zu nehmen. Die Sieger der übrigen Kategorien sehen Sie in der Bildstrecke.


Die Dankesrede von Meimuna. (Video: 20 Minuten)

Schlange stehen für Schweizer Newcomer

Das Programm des eigentlichen Festivals war ebenfalls ein Loblied auf das hiesige Musikschaffen. Das Programm bestand zu einem Grossteil aus Schweizern, die an der Schwelle zu nationalem Erfolg stehen oder bereits über die Landesgrenzen hinaus schielen.

Diese Acts waren die eigentlichen Highlights: Als die Ostschweizer Panda Lux auf der Showcase-Bühne, die nur aus einem Lastwagen besteht, auftraten, war der kleine Vorplatz so voll, dass man hätte meinen können, hier spielt ein internationaler Headliner.

Ähnlich sah es bei Newcomer Crimer aus. Der berühmteste Mittelscheitel der Schweiz heizte dem Exil ein. Noch bevor das Konzert angefangen hatte, bildete sich eine riesige Schlange vor dem Club.

Die Schweizer haben Bock

In der grossen Halle lieferte der 17-jährige Rapper Nemo eine tolle Show ab. Der Bieler wird in den kommenden Monaten beweisen müssen, dass er auch auf grossen Festivalbühnen bestehen kann. Jetzt schon ist klar, dass man sich um ihn keine Sorgen machen muss – Nemo brannte förmlich vor Leidenschaft.

Dieser Erfolgshunger war auch bei Damian Lynn spürbar: Er hat am Freitag sein neues Album «Truth Be Told» veröffentlicht und brachte die Menge im Moods mit neuen Songs und auch einem Medley aus Covern von 50 Cent, Macklemore und Drake zum Tanzen. Ob da nun ein 25-jähriger Luzerner oder Ed Sheeran auf der Bühne stand – kein Unterschied. Die Schweizer Musiker brauchen sich vor internationalen Vorbildern nicht zu verstecken.

Derweil gingen die hochkarätigen Gäste aus dem Ausland in der Halle eher unter. Der schlecht abgemischte Sound ruinierte die gefühlsgeladene Show der Indie-Pioniere The Shins. Auch bei heiss erwarteten Auftritt der schottischen Band Young Fathers wollte der Funken nicht recht überspringen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • soso am 02.04.2017 22:36 Report Diesen Beitrag melden

    Krüpplig

    der sound bei the shins war leider in der tat unterirdisch. schade

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  • marko 32 am 02.04.2017 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glückwunsch

    Glückwunsch

  • El Suizo am 02.04.2017 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mister Milano und Brandy Butler

    Hinzu kamen die Bieler Mister Milano aus Biel und Brandy Butler and the Brokenhearted, die im Moods für Gänsehaut und Euphorie sorgten. Grosses Kino!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Gelangweilter Fan am 03.04.2017 08:58 Report Diesen Beitrag melden

    Schulterklopfen für die Musikindustrie

    Ich mach mir aber sorgen um Nemo! Dodo wird aus ihm einen weiteren seichten Feelgood Radiorapper a la Bligg oder Lo+Leduc machen. Dabei scheint mir der Markt mehr als gesättigt mit solchen Acts. Schade um Nemo's Talent, wenn ihr mich fragt... Ein bischen mutiger und experimentierfreudiger dürften die Musiker und Labels schon sein. Wenn ihr den Leuten immer nur die gleiche langweilige Kost vorsetzt entwickeln die schliesslich nie einen eigenen Geschmack...

  • peter am 02.04.2017 23:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wutbürger

    aber dafür, dass es vor allem kleinere acts hat, sind 60 franken für einen Abend definitiv zu viel!

    • Sandra Frei am 03.04.2017 11:11 Report Diesen Beitrag melden

      Geiz ist ungeil

      für 20 konzerte an einem abend von 20-04 Uhr? du bist wohl nicht nur wut- sondern auch ein sehr sehr geiziger bürger, der den wert von musik nicht versteht.

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  • soso am 02.04.2017 22:36 Report Diesen Beitrag melden

    Krüpplig

    der sound bei the shins war leider in der tat unterirdisch. schade

    • K. Enner am 03.04.2017 07:48 Report Diesen Beitrag melden

      Wirklich?

      Die einzige Band die ich sehen wollte. Aber dann habe ich ja nichts verpasst..

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  • El Suizo am 02.04.2017 21:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mister Milano und Brandy Butler

    Hinzu kamen die Bieler Mister Milano aus Biel und Brandy Butler and the Brokenhearted, die im Moods für Gänsehaut und Euphorie sorgten. Grosses Kino!

  • marko 32 am 02.04.2017 20:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glückwunsch

    Glückwunsch