Neue Band PrettyMuch

03. August 2017 05:48; Akt: 03.08.2017 05:48 Print

Das Boygroup-Fieber hört einfach nicht auf

Der Mann hat ein Gespür: Aus One Direction hat Simon Cowell eine Hit- und Geldmaschine gemacht. Jetzt schickt der Brite PrettyMuch ins Rennen. Boygroups forever!

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Das ist sie also: die neueste Boygroup-Sensation aus den USA namens PrettyMuch. Die fünf Jungs heissen Austin (19), Edwin (18), Nick (19), Brandon (17) und Zion (18). Jeder deckt eine bestimmte Rolle ab. Das Spannende an Boygroups ist ja: Sie sind immer ein Produkt ihrer Zeit. Das Marketing-Konzept für diese Art von Kleinmännerchor funktioniert nach bewährten Prinzipien. Aktuell braucht eine Boygroup also einen leicht surfigen Kiffer-Dude (der natürlich nicht kifft, Gott behüte!), einen Sportlichen, einen Rapper, einen etwas leicht Nerdigen und einen Kumpel (der vorn mit den kaputten Hosen). So hat es immer funktioniert: fünf Typen zusammenwürfeln, jedem einen bestimmten Style verpassen, der ein gewisses Segment abdeckt. Immer nach der neuesten Mode, aber nie so, dass es zu sehr aneckt. Und logo: Die Boys haben nie, nie, nie eine Freundin (oder einen Freund). Sie haben einfach nie Zeit für eine Beziehung. Simon Cowells Idee, fünf Einzelsänger zu einer Gruppe zu formieren, hat ja schon einmal gut funktioniert. Sie erinnern sich an diese fünf schnuffigen Schwiegersöhne? Das sind One Direction. Sie belegten bei «X Factor» 2011 den dritten Platz, danach «leakte» ein Song online und, bang, der Rest ist Geschichte. An diesem Beispiel lassen sich recht gut einige grundlegende Boygroup-Prinzipien darlegen. Zayn Malik (der mit den Tattoos) hat die Band als Erster mit Solo-Ambitionen verlassen. Das verkraftet eine Boyband fast nicht (denken Sie doch an Take That und Roooobbbiiiiiieeeee). Danach tourten die restlichen vier noch ein bisschen. Dann machten sie eine Pause (die läuft noch). Es sieht aber für eine gemeinsame Zukunft nicht gut aus. Harry (der ganz rechts) hat mittlerweile ein Soloalbum rausgebracht. Das ist sogar richtig gut. Und seine erste Filmrolle in Christopher Nolans «Dunkirk» hat ihm weitere Zukunftsmöglichkeiten eröffnet. Das ist in vielerlei Hinsicht ein Sonderfall: Diese vier (Achtung: vier!) bilden Five Seconds of Summer. Die waren so vor ein, zwei Jahren das nächste grosse Ding. Fans sind sich einig (wir wissen das, weil wir öfters mal Beschwerdemails bekommen haben), sie sind keine, wir wiederholen, keine Boygroup. Ja, sie spielen Instrumente, das ist eher untypisch. Weil es aber vier herzige, junge Burschen sind, wurden sie mit der klassischen Boygroup vergemeinschaftet. Unser Vorschlag zur Einigung: Wir gründen für 5SOS eine Subgattung. Damit sollten alle leben können. Diese fünf hier waren auch mal gross. So in den Nuller-Jahren. Auch hier wird wieder klar, was manche in dieser Zeit (das Bild stammt aus dem Jahr 2006) so für hip hielten. Das sind US5. Eine Zusammenstellung von Deutschen und Amerikanern. Jay Khan (in der Mitte) erlangte deutschlandweit Ruhm, als er im Dschungel-Camp mit Indira kuschelte. Das war Post-US5. Die fünf waren halbwegs erfolgreich. Der Durchbruch gelang dem Trupp in den USA aber nie so richtig. Ein grosser Sprung. Dieses Bild steckte 1990 in Kassettenhüllen vieler junger Mädchen. Das sind die New Kids On The Block. Die Urururururgrossväter der modernen Boygroup. Sie hatten alles, für jeden was dabei. Sie spielten Anfang der Neunziger sogar einmal ein Konzert im Zürcher Hallenstadion. Das Gekreische (ja, wir waren dabei) war ohrenbetäubend, reihenweise fielen sie in Ohnmacht, die Väter (und teilweise Mütter, aber meistens Väter) standen geschockt daneben. So wie heute halt bei One Direction. Voilà. Danny, John, Jordan, Donnie und Joey. Letzerer erlebte mit NKOTB seinen Stimmbruch live auf der Bühne. Die aktive Zeit dieser Band reichte von 1984 bis 1994. 2008 wagten sie ein Comeback. Donnie (in der Mitte) ist übrigens der Bruder von Hollywood-Superstar Mark Wahlberg. Das Comeback dauert noch an. Hier stellt sich nun die Frage: Wie heissen Boygroups mit Männern über 40? Wir nehmen Ihre Inputs gern in den Kommentaren auf. Sie dürfen nicht fehlen. Nie. Das sind Take That, noch mit Robbie. Der guckt böse. Diese Art von Frisur war damals in. Nachdem Robbie Williams die Truppe Mitte der 90er verlassen hatte, wurden Bilder wie dieses heiss diskutiert. Steht der Robbie hier schon im Abseits? Er ist ein wenig mehr am Bildrand als die anderen. Nach seinem Weggang wurde eine Helpline aufgeschaltet. Für die Fans. Robbie kam 2010 für eine kurze Reunion zurück. Die paar Jahre haben all diesen Männern gutgetan. Die durchaus witzigen, aber nicht witzig gemeinten Frisuren sind weg. Die Fans sind mit ihnen gealtert. Und weil wir gerade bei Take That sind. Weil das mit den Engländern so gut funktionierte, kam ein irischer Musik-Manager auf die Idee, eine irische Band zu gründen. Er inserierte in diversen Zeitungen und castete diesen Trupp zusammen. Ronan Keating (zweiter von rechts) ist auch heute noch erfolgreich. Stephen Gately (ganz links) starb 2009 im Alter von 33 Jahren. Gemeinsam waren sie alle: Boyzone. Diese fünf Herren müssen nicht vorstellt werden. Falls doch, wären das die Backstreet Boys. Sie gelten mit 130 Millionen verkauften Platten als die erfolgreichste klassische Boygroup ever. Seit 1993 singen sie zusammen. Kevin Richardson (ganz links) ist zwischendurch mal ausgetreten, dann wieder eingetreten. Auch sie sind mittlerweile alle über vierzig, haben Kinder. Hier, 1998, lieferten sie noch den Stoff, aus dem adoleszente Träume waren. Denn darum gehts ja bei diesem Konzept: eine Projektionsfläche für erwachende Sexualität und romantische Gedanken sein. Noch etwas Basiswissen: Boygroups sind berühmt für gut choreografierten Tanz. Auch der Gruppen-Rowdy, bei BSB wars der AJ, musste da mittanzen. Dieses Dreieck mit Spitze nach vorne ist eine ganz klassische Formation. Auf diesem Bild gibts viel zu sehen. N*Sync sind nur Marionetten (sind Boygroups in jedem Fall), Justin Timberlake (Mitte) hat diese leicht blondierten Locken, und überhaupt: die Hosen. Was soll das mit diesen Hosen? Hier sieht Justin schon etwas besser aus. Früher gab es im Boygroup-Bereich eigentlich zwei Sorten Menschen: Backstreet-Boys-Fans und N*Sync-Fans. Ein Lebensentwurf, der für Orientierung sorgt. Das sind East 17. Sie waren Anfang der Neunziger ein Gegenentwurf zu Take That. Diese konstruierte Feindschaft wurde dann abgelöst von Oasis und Blur. Was Sie aber sicher nicht wussten: Seit 2014 sind Brian, Tony und Blair wieder aktiv. 2017 kam ihr neues Album «24/7» auf den Markt. Die sind eigentlich nicht so wichtig. Aber das Bild ist so lustig. Das sind Caught in the Act (tolle Namen haben sie auch immer alle, diese Boygroups). Benjamin Boyce (zweiter von links) checkte 2015 ins RTL-Dschungelcamp ein. Er gehört nicht mehr zur Gruppe. Eloy, Bastiaan und Lee treten wohl immer noch zusammen auf. Das hier ist die Nachfolgergruppe von Boyzone. Auch fünf, auch Iren. Sie hiessen Westlife. 2012 lösten sie sich auf. 2006 sangen sie an den Swiss Awards im Zürcher Hallenstadion. Hier nur noch zu viert. Brian McFadden verliess die Gruppe 2004. Er wollte mehr Zeit für seine Familie und Soloprojekte haben. Zur Info: Männer auf Stühlen, die Balladen singen, auch das ist ein Klassiker im Boygroup-Business. All-4-One: Müssen Sie nicht kennen. Sie kennen aber sicher ein paar Lieder. Zum Beispiel «I Swear» aus dem Jahr 1994. Wird heute noch gerne an Hochzeiten gespielt. Blue? Hatten einen Cameo-Auftritt in «Love Actually» und sind damit quasi unsterblich. Lee und Antony lernten sich 2000 bei einem Casting kennen. Sie holten dann Duncan und Simon mit in die Band. «One Love» gehört zu ihren grössten Hits. Und: «Sorry Seems To Be the Hardest Word», den sie zusammen mit Elton John aufnahmen (ist ja sein Lied). 2011 machten sie beim ESC mit. Sie landeten auf Platz 11. Noch ist kein Ende in Sicht.

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Böse Menschen schmeissen die Beatles mit den Backstreet Boys oder One Direction in einen Topf. Nun, vermutlich haben diese musikalischen Männer-/Jungsformationen nur eins gemeinsam: Sie haben in verschiedenen Jahrzehnten Millionen von Frauen zum Kreischen gebracht.

Umfrage
Waren Sie mal in einen Boygroup-Sänger verliebt?
22 %
4 %
7 %
18 %
10 %
10 %
29 %
Insgesamt 304 Teilnehmer

Das ist übrigens nicht sexistisch gemeint: Psychologen haben in Studien herausgefunden, dass Boygroup-Fandom ein mehrheitlich weibliches Phänomen ist. In ihrer Arbeit «Gender in Fandom» schreibt Kaya Mendelsohn, dass bei Jungs ähnliche Phänomene (wie etwa ein zu Johlen umfunktioniertes Kreischen) bei Sportanlässen (allen voran: Fussball) zu beobachten sei.

Nach One Direction kommen PrettyMuch

Hier soll es aber um Boybands gehen. Die klassische Boygroup (wir bevorzugen diese Bezeichnung; die fünfköpfigen, tanzenden Männerchöre spielen selten ihre eigenen Instrumente), ein musikalisches Synonym für die 90er-Jahre, tritt nun in neuster Inkarnation in Erscheinung: PrettyMuch haben soeben ihre Debütsingle veröffentlicht.

Die Hand am Startknopf hatte wiederum Simon Cowell (57). Der Brite hatte 2010 bei der britischen Version von «X Factor» fünf herzige Jungs zu One Direction formiert (hier sind sich die Quellen übrigens nicht ganz einig: Nicole Scherzinger sagte, es sei eigentlich ihre Idee gewesen). Doch mit dem «Leaken» (als ob im Boygroup-Business irgendwas aus Versehen passieren würde) ihrer ersten Single wurden die Jungs zu Weltstars.

Auf Spotify schwer angesagt

Nun also PrettyMuch: Wieder fünf Jungs, die singen, tanzen und hübsch aussehen (ein bisschen edgy, aber nicht zu krass, Modetrends unterworfen, aber nicht zu krass). Ihre erste Single «Would You Mind» läuft laut Variety.com in Spotifys ViralCharts in den Top Ten.

Austin (19), Edwin (18), Nick (19), Brandon (17) und Zion (18) trällerten in den USA als Solokünstler vor sich hin. Dann kam Cowell und sagte: «Kommt, wir machen eine Boygroup aus euch.» Die Boys sind noch so fresh, sie haben noch nicht einmal ein Video oder einen Wikipedia-Eintrag. Das muss jetzt noch organisch wachsen.

Lebensdauer beträgt 6,8 Jahre

Organisch ist quasi das Update zur klassischen Boygroup-Strategie. Manchmal kannten sich die Boys schon ein bisschen (New Kids On The Block), manchmal wurden die Mitglieder einfach per Casting zusammengewürfelt (One Direction oder Take That) und manchmal folgten sie einem Aufruf à la «Wir machen jetzt die irischen Take That» (Boyzone).

Nach über dreissig Jahren der klassischen «Male Vocal Artists» (so heisst das im Selbstverständnis der einzelnen Gruppen) könnte man meinen, jetzt sei mal Schluss. Aber nein, das wird es vermutlich nie sein. Denn wie wissenschaftliche Studien und ein bisschen gesunder Menschenverstand nahelegen, wird es immer heranwachsende Mädchen (in selteneren Fällen auch Männer) geben, die ein ungefährliches Ventil für sich entwickelnde Sexualität und romantische Träume suchen.

Denn das ist der eigentliche Fluch der Boygroups: Sie sind Projektionsfläche. Gut vermarktete, durchdesignte Projektionsfläche. Laut Fivethirtyeight.com beträgt die durchschnittliche Lebensdauer einer Männerformation 6,8 Jahre.

Danach sind die Boys eben Männer, wollen mal anders als heimlich eine Freundin oder einen Freund haben, sich anziehen, wie sie mögen und eventuell eigene Musik machen. Dann bricht die Formation bis zur für Boygroups typischen Reunion auseinander. Solokarrieren werden gestartet. Das klappt pro Band in der Regel in einem Fall – man denke an Justin Timberlake, Robbie Williams, Harry Styles.

Und die nächste Boy-Formation steht schon parat. Um von ihnen zu träumen und sich über sie lustig zu machen.

Sehen Sie in der Bildstrecke ein paar Gesichter, die Sie bestimmt schon vermisst haben. Bitte verzeihen Sie uns – die Liste ist nicht vollständig. Es wären einfach viel zu viele und die Zeit war knapp. Auch wir müssen täglich an unseren Tanz-Choreos schleifen.

Als Soundtrack schlagen wir die Backstreet Boys vor. Ein Klassiker:

(bbe)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dante1991 am 03.08.2017 07:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erinnerungen...

    Hahahahaha!!! Da kommt mir doch gleich South Park in den Sinn!!! Danke für das Lachen am Morgen.

  • Piäm am 03.08.2017 07:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kreischende Mädchen

    Solange es kreischende Teeny-Mädchen gibt, hört das nicht auf. Aber natürlich habe ich vergessen, dass die Mädchen ja den Jungs immer im Alter voraus und reifer sind. Darum kreischen sie ja dann auch, wie es kein Morgen gäbe... :-)

  • Liz am 03.08.2017 07:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was wäre....

    ...eine Teenie-Zeit ohne Boygroups?? Kann ich mir gar nicht vorstellen! Für ein Mädchen gehört das zum erwachsen werden doch einfach dazu ...ich erinnere mich gerne an diese Zeit zurück, wenn ich heute ein Lied von denen im Radio höre sowieso :-) Thate That & Backstreet Boys 4ever!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • tachibana am 03.08.2017 19:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    :)

    ist ja genau das gleiche wen man bts mit one direction in einen topf wirft dabei sind, dass unterschiedliche welten

  • Rahel.mgc am 03.08.2017 17:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    5SOS

    5 seconds of summer ist und bleibt meine lieblings "boyband"

  • Musikus am 03.08.2017 16:30 Report Diesen Beitrag melden

    Best Boys

    Die besten Boygroups gab es in den 60er und 70er Jahren des letzten Jahrhunderts. Led Zeppelin, Deep Purple, Black Sabbath...

  • mirko Miljkovic am 03.08.2017 14:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    echt jetzt?

    die wichtigste boygroup wurde vergessen, beatels

  • Marcom. am 03.08.2017 12:19 Report Diesen Beitrag melden

    Last sie träumen!

    Lasst die Mädchen doch kreischen und Träumen. Sie werden früher oder später so oderso von den Tatsachen eingeholt!