Releases der Woche

16. Mai 2018 16:24; Akt: 16.05.2018 16:24 Print

Arctic Monkeys bauen ein Hotel auf dem Mond

von Neil Werndli - Das sechste Arctic-Monkeys-Album spielt in einer fiktiven, lunaren Kolonie, Kelly Clarkson ehrt alle Mütter dieser Welt und Steff La Cheffe kehrt auf die Bühne zurück.

In «Four Out Of Five» beschreiben Arctic Monkeys eine Taco-Bar auf dem Dach ihres fiktiven Hotels im Weltraum. (Quelle: Youtube / Official Arctic Monkeys)
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Album der Woche: Arctic Monkeys – «Tranquility Base Hotel & Casino»

Tranquility Base ist der Name des Landeplatzes, an dem Neil Armstrong vor 49 Jahren auf dem Mond aufsetzten. An diesen Ort träumt sich Alex Turner, Frontmann der britischen Rockband Arctic Monkeys, auf seinem neuen Album und errichtet gleich einen ganzen Hotelkomplex.

«Tranquility Base Hotel & Casino» spielt in einer postapokalyptischen Welt, in der die Menschheit den Mond kolonialisiert hat. Die Zeiten, als Turner und seine Kollegen hauptsächlich über Frauen und das Nachtleben schrieben, sind vorbei – genauso wie die Gitarren auf dem sechsten Arctic-Monkeys-Album in den Hintergrund rücken.

Das Piano ersetzt die Gitarre

Das Grundgerüst zu «Tranquility Base» entstand am Piano, das Turner zum 30. Geburtstag von seinem Manager geschenkt bekam. «Sobald ich die Gitarre in die Hand nahm, wusste ich genau, wie der Song enden würde», sagt er. Das Klavier durchbrach die Schreibblockade. Auf eigene Faust komponierte Turner monatelang in der Einsamkeit, bevor er seiner Band die Demos zeigte.

Beinahe wäre ein Soloalbum daraus geworden – seine Kollegen sind nämlich nur noch Nebendarsteller: Die Beats von Matt Helders, eigentlich ein Biest an den Drums, werden auf das Nötigste reduziert und Gitarrist Jamie Cook schläft auf der Bühne wahrscheinlich das Gesicht ein, weil er in den neuen Songs nur noch mit einigen Farbtupfern dazwischenfunkt. Der Front-Monkey übernimmt derweil am Piano den Lead als eine Art Lounge-Sänger.


Im Interview mit der BBC erzählt Alex Turner, wie er auf eigene Faust am Piano komponierte. (Quelle: Youtube / BBC)

Ballett im Weltraum

Sexy oder wild ist das nur selten – die Songs passen eher zu einem Glas Rotwein auf dem Sofa als an ein Festival. Songs wie «Star Treatment» oder «The World’s First Monster Truck Front Flip» fühlen sich an wie Sci-Fi-Ballett – wunderlich und auf eigenartige Weise faszinierend.

Turner ist vor allem bekannt für seine brillanten Texte. Zum ersten Mal hat er mit seinem «Tranquility Base Hotel & Casino» ein surreales Konzept für ein ganzes Album geschaffen. Er singt von der kosmischen Taco-Bar, die glänzende Kritik bekommt («Four Out Of Five»), philosophiert über den technischen Fortschritt («She Looks Like Fun») und eine Gesellschaft, die dermassen nach Unterhaltung lechzt, dass sie einen Wrestler zum Präsidenten wählt («Golden Trunks»).

Ähnlich wie Sci-Fi-Filme nutzt Turner das futuristische Thema um mit einer gewissen Distanz ein Statement zum aktuellen Weltgeschehen und zu seinem persönlichen Lebenswandel abzugeben.

Das Problem: Auf «Tranquility Base» finden sich kaum Refrains oder eingängige Melodien, an denen man sich festhalten kann, was für Gelgenheitshörer definitiv anstrengend ist. Wer sich aber auf Turners Tagträume einlässt, dem Album mehrere Durchgänge gönnt und vielleicht die Lyrics mitliest – viel Commitment für die heutige Zeit – wird sich neu in die verschrobenen Arctic Monkeys verlieben.

Video der Woche: Kelly Clarksons Geschenk zum Muttertag

Zum Muttertag veröffentlicht Kelly Clarkson ein «Geschenk an alle Mütter dieser Welt». Im Video zu «Meaning of Life» performt die erste «American Idol»-Siegerin in einer düsteren Umgebung. Die Welt hellt sich jedoch sofort auf, sobald Töchterchen River Rose (3) und Sohn Remington Alexander (2) auf der Bildfläche erscheinen – süss.


Kelly Clarksons Kinder haben einen Gastauftritt in «Meaning of Life». (Quelle: Youtube / Kelly Clarkson)

Konzerttipp: Steff La Cheffe; Samstag, 19. Mai; Moods, Zürich

Mit «Härz Schritt Macherin» veröffentlichte die Bernerin Steff La Cheffe kürzlich ihr Comeback-Album. Darauf hat sie einen neuen Stil für sich entdeckt: Die Rapperin spielt vermehrt die Pop-Karte, klingt melodiöser und gibt zum ersten Mal Einblick in ihre persönlichen Konflikte. Das macht «Härz Schritt Macherin» zum vielseitigsten und intimsten Album ihrer Karriere. Nun bringt Steff ihr neues Werk auf Tour und steht somit zum ersten Mal seit Jahren wieder als Solokünstlerin auf der Bühne. «Es hat mir schon ein bisschen gefehlt», sagte sie im Interview. «Live zu spielen ist etwas sehr Schönes, Unvergleichliches.» Nach der ausverkauften Plattentaufe in Bern macht Steff diesen Samstag im Moods Halt.


Auf ihrem neuen Album covert Steff La Cheffe das «Guggisbärglied» (Quelle: Youtube / bakaramusic)