Mindestens 30'000 Pfund

23. November 2012 22:28; Akt: 23.11.2012 23:25 Print

Das Demo-Tape der Beatles wird versteigert

Mit dieser Kassette voller Cover-Songs blitzten die jungen Beatles 1962 bei Decca ab - was das Label später bereut haben dürfte. Nun kommt das Demo-Tape in London unter den Hammer.

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Die einflussreichste und - nach wie vor - beliebteste Pop-Band der Welt: Paul McCartney, Ringo Starr, John Lennon und George Harrison (im Uhrzeigersinn von oben links). Angefangen hatten sie als die lederbeklufteten Rock'n'Roller "The Quarrymen" aus Liverpool. Hier ein Bild aus dem Jahr 1960: Noch ohne Schlagzeuger, dafür mit Stuart Sutcliff (vorne) am Bass. Sutcliff, ein enger Freund John Lennons, starb sehr jung an einem Hirnschlag im Jahr 1962. Danach übernahm Paul McCartney den Bass-Part (Paul war aber bereits neben Sutcliff als Gitarrist in der Band tätig). Sutcliffs Freundin, die Fotografin Astrid Kirchherr, war verantwortlich für den Style-Wechsel der jungen Beatles. Die Pilzkopf-Frisur ist ihr zu verdanken. Die Band spielte im Mai 1962 gerade wieder einmal im «Starclub» in Hamburg, als ihr Manager Brian Epstein aus London telegrafierte: «Herzlichen Glückwunsch, Boys! EMI will Euch aufnehmen. Übt die neuen Stücke.» Fünf Monate später, am 5. Oktober 1962, kam die erste Beatles-Single «Love Me Do» auf den Markt. Die Lennon/McCartney-Komposition war nicht sofort ein Hit. Sie landete auf Platz 17 der englischen Hitparade. 40 Jahre später gilt sie als Start der legendären Weltkarriere der Pilzköpfe aus Liverpool. Der ersten Beatles-LP, ebenfalls mit dem Titel «Please Please Me», folgte im April 1963 der Nummer-Eins Hit «From Me To You.» Die anschliessende England-Tournee wurde zum Triumphzug. Das Phänomen der «Beatlemania» war geboren. Schon in den frühen Sechzigerjahre war das Marketing der Beatlemania perfekt: Beatles-Gürtelschnallen von 1964. Die Beatles 1964 mit Muhammad Ali - damals noch Cassius Clay. Bis 1966, angetrieben von Erfolg zu Erfolg, spielten die Beatles ausgedehnte Tourneen. Dabei übertönte das Gekreische der Fans meistens die Musik der Band. Diese Situation war für die Beatles auf die Dauer sehr frustrierend. «Populärer als Jesus» - das waren die Beatles aus der Sicht John Lennons. Diese Bemerkung kostete den Fab Four viele Sympathiepunkte in den religiösen Staaten der USA. Lennon musste sich öffentlich dafür entschuldigen (Bild). Jesus hin oder her, zuhause in Grossbritannien war man den Beatles dankbar für die Anerkennung und den wirtschaftlichen Nutzen, den ihr Erfolg mit sich brachte. Die Beatles wurden mit dem «MBE»-Orden ausgezeichnet. Schon 1966, so Ringo Starr, kamen der Band nach 1400 Live-Auftritten und einer katastrophalen Philippinen-Tour der Gedanke, aufzuhören. «1966 wurde es ziemlich langweilig. Wir brauchten eine Erholungspause. Jeder hatte das Gefühl, das Ende einer Ära ist gekommen.» Ablenkung bot sich in Form von fernöstlicher Mystik an: Mahareshi Mahesh Yogi zu Besuch bei den Beatles (Bild). Da die Beatles nicht mehr live Spielten, wandten sie sich mit einer noch nie dagewesenen Intensität ihrer Studiotätigkeit zu. Das 1967er Album "Sergeant Pepper's Lonely Hearts Club Band" gilt als ein Meilenstein der Rock-Geschichte. "Sgt. Pepper" traf den Zeitgeist der Flower-Power-Generation genau. Es folgte die Hippie-Hymne "All You Need Is Love". Gitarrist George Harrison zog sogar eine Zeit lang zu den Hippies nach Kalifornien, überzeugt von der Idee, dass nur Liebe notwendig ist. Hier nehmen McCartney und Lennon 1968 den Song «Hey Bulldog» in den Abbey-Road-Studios in London auf. Der Song erschien später auf dem Soundtrack zum animierten Film «Yellow Submarine». Szene aus dem Beatles-Zeichentrickfilm «Yellow Submarine», der wie kein anderer Film die Flower-Power-Bewegung auf den Punkt bringt. Lennon mit seiner Frau Yoko Ono bei ihrem «Bed In», ihre Form von Antikriegs-Protest 1969. April 1970 trennten sich die Beatles. Nach der Ermordung von John Lennon in New York 1980 und dem Krebstod von George Harrison 2001 sind mit Paul McCartney und Ringo Starr nur noch zwei Beatles am Leben. Jeder einzelne der Band wurde zum Multimillionär. Das Reihenhaus in Liverpool, in dem McCartney 1962 «Love Me Do» mit Lennon komponierte, ist heute ein stehendes Museum. Der Flughafen der Beatles-Heimatstadt trägt Lennons Namen. Statuen und Ehrenplaketten erinnern an die Band, deren musikalischer und finanzieller Erfolg sich nur in Superlativen ausdrücken lässt. Kürzlich wurde John Lennons Brille versteigert (Bild). Eine Frühaufnahme von «Love Me Do», von McCartney signiert, wurde 1994 in London für damals rund 20 000 Franken (rund 14 000 Euro) versteigert. Dieser handgeschriebene Original-Text von «Hey Jude» kam ebenfalls unter den Hammer.

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Die Ablehnung eines Demobandes der Beatles durch das Plattenlabel Decca gilt als einer der grössten Fehler der Musikgeschichte - nun ist das legendäre Tonband wieder aufgetaucht und wird versteigert. Die Originalaufnahmen sollen am Dienstag im Londoner Auktionshaus Fame Bureau unter den Hammer kommen.

Der Startpreis liegt bei 30'000 Pfund (rund 44'800 Fr.), wie britische Medien am Freitag berichteten. Nicht erworben werden können die Rechte an den Songs. Von dem Band gibt es Raubkopien; nur wenige kamen aber bislang in den Genuss des Originals, dessen aussergewöhnliche Tonqualität gerühmt wird.

Handschriftliche Song-Liste

Der damalige Decca-Produzent Nick Rowe hatte die zwölf Cover-Versionen der Beatles an Neujahr 1962 angehört, sich dann aber für eine Gruppe namens «The Tremeloes» entschieden und dieser einen Vertrag angeboten. Später unterschrieben die Beatles bei EMI und wurden Weltstars.

Auf dem Demoband sind John Lennon, Paul McCartney, George Harrison und Pete Best zu hören, der später durch Ringo Starr ersetzt wurde. Der Name der Band lautete damals noch Silver Beatles. Zu den Liedern, die handschriftlich auf dem Demoband aufgelistet sind, gehören «Money (That's what I want)» und «Till there was you». Ein Schwarz-weiss-Foto zeigt zudem die Musiker in Lederjacken und mit ihren Instrumenten.

Der Agent der Beatles, Brian Epstein, hatte das Demotape zunächst aufbewahrt, bevor er es einem EMI-Mitarbeiter gab. Dieser veräusserte es 2002 bei einer Auktion.

(sda)

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