«Neues» Album

25. November 2012 12:12; Akt: 27.11.2012 01:00 Print

Der Hendrix-Ausverkauf geht weiter

Die zu Lebzeiten veröffentlichten Alben von Jimi Hendrix lassen sich an einer Hand abzählen. Zu seinem 70. Geburtstag wurden jetzt noch einmal unveröffentlichte Songs ausgegraben.

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Als am 18. September 1970 Johnny Allen Hendrix in London unter tragischen Umständen starb, war die Rockmusik um einen ihrer kreativsten und innovativsten Köpfe ärmer. Jimi Hendrix, der am 27. November 1942 in Seattle, der späteren Hauptstadt des Grunge, geboren wurde, hatte die Rockmusik und die Hörgewohnheiten seiner Zeitgenossen revolutioniert wie keiner vor oder nach ihm. Vom schwarzen Rhythm'n'Blues kommend, gelang es ihm, seiner elektrischen Gitarre noch nie dagewesene Klänge zu entlocken. Was früher als störend und fremd in der Musik empfunden wurde, Jimi Hendrix erhob es zur Kunstform: Arge Verzerrungen, Rückkopplungen, unvorhersehbare Frequenzüberlagerungen - die Geräusche manipulierter Verstärker. Seine Kindheit verbrachte Jimi meist bei seiner Grossmutter in Kanada, einer Cherokee Indianerin. Interessant ist, dass er nicht nur afroamerikanisches Blut besass sondern auch europäische, indianische und mexikanische Vorfahren ihre Spuren in ihm hinterlassen hatten. Angefangen hatte seine musikalische Karriere wie die vieler Kinder: Sein Vater schenkte ihm seine erste Gitarre, sofern man eine einsaitige Ukulele als Gitarre bezeichnen kann. In den frühen 60er-Jahren spielte er in verschiedenen R'n'B Formationen, unter anderem mit solch namhaften Musikern wie Little Richard und King Curtis. Den Anderen die Show zu überlassen war aber nicht Jimis Sache. So beschloss er auf eigene Faust Musik zu machen und ging nach New York, wo er den Animals-Bassisten Chas Chandler traf, der ihn dazu ermunterte sein Glück als Solokünstler in London zu versuchen. In London wurde Jimi Hendrix innerhalb kürzester Zeit zum Superstar, der selbst mit der Zunge seinem Instrument die wildesten Tönen zu entlocken vermochte. Zusammen mit Mitch Mitchell am Schlagzeug und Noel Redding am Bass veröffentlichten sie unter dem Titel Jimi Hendrix Experience die Singles "Hey Joe", "Purple Haze" und "The Wind Cries Mary", die 1967 allesamt in den Top-Ten landeten. Alle Hits waren auch auf dem Debütalbum "Are You Experienced?" enthalten, das als ein Klassiker der Psychedelic-Ära in die Geschichte einging. In den USA nahm man weiterhin keine Notiz von Jimi Hendrix. Erst als dieser beim Popfestival in Monterey im Juni 1967 seine Gitarre in Brand setzte und damit einen beispiellosen Skandal auslöste, wurde "Are You Experienced?" auch in den Staaten zum Tophit. Einen Meilenstein der Rockgeschichte lieferte Jimi Hendrix bei seinem Auftritt in Woodstock 1969, als er das Festival mit seiner eigenwilligen Interpretation des "The Star-Spangled Banner" (Nationalhymne der USA) beendete. Hendrix war von der kritiklosen Haltung seiner Fans nicht begeistert. So zerschlug er aus Frustration seine Gitarre, weil er glaubte er würde nichts zustande bringen. Das Publikum liebte ihn für diese Aktion. Seine heftigen Stimmungsschwankungen, seine gelegentliche Aggressivität und die durch den 60er-Lifestyle bedingten Drogenexzesse machten ihm zu schaffen. Im August 1970 kehrte Jimi nach England zurück, um bei dem dritten "Isle of Wight Festival" zu spielen (Bild links). Er sprühte vor Energie und erinnerte die Fans an den jungen Hendrix. Nur einen Monat später - am 18. September 1970 - war Jimi Hendrix tot. Im St. Mary Abbot's Hospital in London stellte man fest, dass er an seinem eigenen Erbrochenen gestorben war.

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Am kommenden Dienstag wäre Jimi Hendrix 70 Jahre alt geworden - posthum wird einmal mehr der Fundus des Gitarrenhelden geplündert. Auf dem Album sollen zwölf bisher unveröffentlichte Songs enthalten sein. Etwas Geduld müssen Fans allerdings an den Tag legen: «People, Hell and Angels» erscheine am 5. März, wie am Mittwoch auf der Webseite des 1970 verstorbenen Musikers bekannt gegeben wurde.

Die Songs seien 1968 und 1969 ohne die Jimi Hendrix Experience Band aufgenommen worden. Sie sollen dokumentieren, wie Hendrix mit Keyboards, Percussion und zweiter Gitarre nach neuen Sounds suchte, um nach dem Album «Electric Ladyland» eine eher experimentelle Richtung einzuschlagen. Der am 27. November 1942 in Seattle geborene Hendrix gilt als einflussreichster E-Gitarrist aller Zeiten.

Zu Lebzeiten veröffentlichte Hendrix nur drei reguläre Studioalben. Nach seinem Tod warfen seine Erben fast im Jahrestakt neues Live- oder Studiomaterial auf den Markt.

(nik/dapd)