Schweizer Festivals

28. Februar 2018 09:59; Akt: 01.03.2018 21:09 Print

50 Prozent Frauen auf dem Line-up – geht das?

von Schimun Krausz - Ein Frauenanteil von 50 Prozent bis 2022: Internationale Festivals gehen mit gutem Beispiel voran – ziehen die Schweizer nach?

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(23. – 24. März): Bevor im Sommer die Openairs starten, läutet das m4music bereits im März die Festival-Saison ein – und stellt eine Menge Frauen auf die Bühnen von Schiffbau und Exil. Hier ist eine Auswahl: Ibeyi (Bild), Ace Tee, Chiri Moya, Emilie Zoé, Flèche Love, KT Gorique (auch auf dem Gurten), Meimuna, Stefflon Don, Sandor, Tashan, Veronica Fusaro, All XS, Hundreds, Klain Karoo und Mama Jefferson (auch in St. Gallen). (28. Juni – 1. Juli): Chvrches mit Frontfrau Lauren Mayberry werden im Sittertobel auftreten, ebenso das Schwesternduo First Aid Kit, die finnische Newcomerin Alma, UK-Überfliegerin Jess Glynne, «BBC Music Sound Of 2018»-Gewinnerin Sigrid, Kuenta i Tambu mit einer Frau am Mic, die einheimischen Velvet Two Stripes sowie ... ... Angus (unten rechts) & Julia Stone. Die Geschwister spielen im Juli auch in Bern, womit wir bei (11. – 14. Juli) wären: MØ steht weit oben auf dem Line-up, darunter befinden sich Alice Merton, Aurora, Charlotte Cardin, Confidence Man (zur Hälfte weiblich), Sofi Tukker (Girl-Boy-Duo), Steff la Cheffe und SXTN. (20. – 28. Juli): In den Hallen des Luzerner KKL treten diesen Sommer Jessie J (Foto), der Black Rebel Motorcycle Club (an den Drums sitzt Leah Shapiro), Melody Gardot, Alanis Morissette, LP und Rothwell auf. In der ersten, von Imagine Dragons (Foto) angeführten Tranche an Acts fürs (16. – 19. August) werden zudem erst bekanntgegeben. Auf den ... ... Postern der Festivals (5. – 7. Juli) finden sich auch vereinzelte Frauenacts. Bei ersterem beispielsweise Zeal & Ardor mit Rafaela Dieu am Bass, bei letzterem unter anderem Diana De Brito alias IAMDDB (Foto) aus Manchester.

Zum Thema
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45 europäische und kanadische Festivals haben angekündigt, bis 2022 eine Frauenquote von 50 Prozent erreichen zu wollen. Das bedeutet, dass dort bis in vier Jahren gleich viele Frauen wie Männer auf den Bühnen spielen, an Konferenzen diskutieren und in der Organisation arbeiten.

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Zu den teilnehmenden Events zählen vor allem kleinere oder solche mit Showcase-Charakter, die nicht auf die ganz grossen Namen setzen, wie das Reeperbahn Festival in Hamburg, The Great Escape in Brighton, das Airwaves auf Island, das Way Out West in Göteborg und das Eurosonic im niederländischen Norderslaang. Hinter der 50/50-Bewegung steckt die Keychange-Initiative der britischen Talentförderungs-Stiftung PRS.

Erste Diskussionen gestartet

Erst letzten Monat diskutierten Musikerinnen und Akteure des Musikbusiness über die Untervertretung der Frauen in der Schweizer Musikszene. Die 50/50-Quote war dabei ebenfalls ein Thema – allerdings vor allem bei der Zusammensetzung der Jury, die die Nominationen der Swiss Music Awards zusammenstellt. Auch die Forderung nach mehr Frauen auf der Bühne der SMA wurde laut.


Die Zürcher Stadtpräsidentin Corine Mauch eröffnete besagte Podiumsdiskussion mit einem Monolog zum «Frauenproblem». (Video: Tamedia/Swiss Music Awards)

Wie steht es mit dem weiblichen Geschlecht auf den Stages der grossen Schweizer Festivals? 2016 sah die Verteilung noch so aus: Bei 12 Prozent der Acts spielten oder sangen Frauen mit, während 88 Prozent reine Männer-Auftritte waren. 20 Minuten hat bei den Veranstaltern nachgefragt, wie sie das Thema angehen und ob eine 50/50-Quote denkbar beziehungsweise durchführbar wäre.

Gurtenfestival: «Wir reagieren auf die Kritik»

Für dieses Jahr hätten sie sich ein Line-up mit 30 Prozent Frauen auf den Bühnen zum Ziel gesetzt, sagt Simon Haldemann vom Berner Gurtenfestival. «Damit haben wir auf die Kritik reagiert, früher zu wenige Frauen gebucht zu haben. Ausserdem sollen mehr Frauen auf der Bühne auch mehr junge Frauen dazu motivieren, Musik zu machen.»

Effektiv habe man es 2018 auf einen Frauenanteil von 23 Prozent geschafft, so Haldemann weiter. «Das ist ein Schritt in die richtige Richtung.» Auch beim DJ-Booking achte man mehr auf eine ausgeglichenere Geschlechterverteilung. Die 50 Prozent zu erreichen, hält man in Bern nicht für unrealistisch, Haldemann räumt jedoch ein: «Eine fixe Quote könnte die Booker hemmen.»

St. Gallen: «Fragen uns, ob das realisierbar ist»

Auch Sabine Bianchi vom Openair St. Gallen ist dahingehend skeptisch: «Wir fragen uns, ob das in dieser Form realisierbar ist. Wenn man so etwas ankündigt, wird man auch daran gemessen.» Sie würden aber weiterhin versuchen, «starke Frauen zu buchen und die Balance zu unterstützen».

Erste Priorität vor der Frage nach dem Geschlecht hätten beim Booking aber die Aktualität der Acts, ein zum Festival passendes Genre und eine gute Mischung aus Headlinern und Newcomern. Ähnlich sieht es beim Blue Balls Festival in Luzern aus. «Es sollte um Qualität gehen», findet Direktor Urs Leierer, «wir buchen ja nicht vorsätzlich Männer oder Frauen, sondern die Musik.»

Beim Montreux Jazz Festival sei das Talent der Musiker ebenfalls ausschlaggebend fürs Booking, wobei Sprecher Marc Zendrini betont: «Wir streben stets ein ausgeglichenes Geschlechterverhältnis in allen Bereichen an.»

Zürich: noch keine konkreten Quotenziele

Laut Sprecherin Barbara Kallenberg ist dies auch das Credo des Zürich Openair, allerdings sei ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis ebenso wichtig. Sie räumt jedoch ein: «Wenn ‹Wunschkandidatinnen› nicht können, weil sie schon andere Pläne haben, sind sie nicht immer einfach zu ersetzen.» Ein konkretes Quotenziel hätten sie sich aber nicht gesetzt. Dasselbe gilt fürs Booking des Paléo Festival, wie es auf Anfrage von 20 Minuten heisst.

Auch beim m4music wurde keines formuliert, aber «wir werden diese Frage diskutieren», kündigt Festivalleiter Philipp Schnyder an. Primär unterstütze die Pop-Förderung des Migros-Kulturprozents (zu der der Event gehört) Schweizer Popmusiker dabei, sich zu professionalisieren. Schnyder fügt an: «Dabei ist uns wichtig, dass Frauen massgeblich berücksichtigt werden.»

Bis aufs Gurten hat keines der Festivals, von dem wir Rückmeldung bekommen haben, eine konkrete Frauenquote eingeführt. Das Thema nehmen alle Organisatoren gemäss eigenen Aussagen aber ernst.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • T. Lindemann am 02.03.2018 00:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Qualität und nicht Geschlecht

    Ich finde Quoten sinnlos. Die Musiker sollten nach Qualität und nicht nach Geschlecht gebucht werden. In gewissen Genres ist es schwierig erfolgreiche Bands zu finden mit Frauen auf der Bühne.

  • Markus am 01.03.2018 23:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Qualität oder Geschlecht?!

    Es spielt keine Rolle ob weiblich oder männlich. Die Qualität muss stimmen. Wieso eine Frau als DJ anwerben wenn es einen männlichen besseren gäbe. Mann ist doch nicht gleich sexistisch nur weil man weniger Frauen beim line-up hat. Finde ich auch ein doofes Ziel eine 50 zu 50 Quote zu erreichen! Wenn die Frauen besser sind dann sollen hald nur Frauen auftreten. Oder umgekehrt das gleiche. QUALITÄT muss stimmen! Nicht das Geschlecht!

  • Anita am 01.03.2018 22:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frau die ohne Quote Erfolg hat

    Diese Quotenfragen gehen mir langsam so auf die Nerven. Hört bitte mit solchen Berichten auf, ich glaube langsam interessierts niemand mehr.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thomas am 02.03.2018 07:56 Report Diesen Beitrag melden

    wenn konsequent, dann aber richtig

    und ich will, dass 50% Männer in Kitas und Kindergärten arbeiten.

  • TommyM am 02.03.2018 00:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wollt ihr das wirklich?

    Super. "Die Quotenfrau kommt, lass uns ein Bier holen.." Hoffentlich auch 50% Frauen in der Stage Crew und beim Bühnenbau, in der Security und so weiter...

  • luuukas am 02.03.2018 00:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    gleichberechtigung überall!

    immer diese armen frauen... wie wäre es mal mit einer 50/50 quote in allen jobs? auch in denen man körperlich schwerst arbeiten muss, wie im strassenbau etc.

  • T. Lindemann am 02.03.2018 00:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Qualität und nicht Geschlecht

    Ich finde Quoten sinnlos. Die Musiker sollten nach Qualität und nicht nach Geschlecht gebucht werden. In gewissen Genres ist es schwierig erfolgreiche Bands zu finden mit Frauen auf der Bühne.

  • Peter Wind am 02.03.2018 00:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Pah

    Ich höre lieber gute Musik - unabhängig des Geschlechts! Wenn wegen der Frauenquote das Niveau sinkt - und das wird es - bleibe ich lieber zu Hause.