Nach Uniform-Verbot

17. Dezember 2012 15:37; Akt: 11.05.2013 01:25 Print

Heilsarmee-Band muss sich umtaufen

von Marlies Seifert - Die Heilsarmee muss beim Eurovision Song Contest 2013 in Malmö nicht nur auf ihre Uniformen verzichten, auch ihr Name ist nicht regelkonform. Die Organisation ist «erstaunt».

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Neues Outfit, neues Glück: Mit weissem Hemd und schwarzer Hose will Takasa, wie sich die Heilsarmee neu nennt, in Malmö punkten. Reichlich langweilig – haben Sie einen besseren Vorschlag? Die Überraschung ist perfekt: Die Schweiz wird am Eurovision Song Contest 2013 von der Heilsarmee vertreten. Das Fernsehpublikum wählte die sechsköpfige Heilsarmee-Band aus den neun Finalisten aus und kürte die christliche Freikirche zum grossen Sieger des Abends. Der 94-jährige (!!!) Bassist Emil Ramsauer freut sich zusammen mit Sängerin Sarah Breiter. Sie machten sich erfolglos zum Affen: Anthony Bighead hatten mit ihrem Song «Do The Monkey» keine Chance gegen die Heilsarmee. Und das obwohl Anthony mit Jurorin Hella von Sinnen auf Kuschelkurs ging. Durch den Abend führte, na wer wohl, Sven Epiney. Die deutsche Komikerin Hella von Sinnen war das prominenteste Jury-Mitglied. Die bekennende Lesbe machte keinen Hehl daraus, dass sie mit der Wahl der Heilsarmee nicht zufrieden ist. «Ich war eindeutig für Jesse. Wenn nicht er, wer dann? Dass die Schweiz nun mehr Erfolg damit haben wird, alte Leute und die Heilsarmee zu schicken, weiss ich nicht», so der Comedy-Star. Melissa performte «The Point Of No Return», ging aber trotzdem leer aus. Obwohl sie mit ihrem Auftritt optisch ein Highlight setzte und Sven Epiney ihn als Feuerwerk beschrieb. Ally aus dem Tessin durfte ihr Können als Erste unter Beweis stellen - Höschenblitzer inklusive. Chiara mit der Startnummer zwei hoffte am Samstagabend, den 15. Dezember, auf ihren ersten Kuss. Vielleicht bekam sie ja ein Trostbussi, denn zum Sieg hat es nicht gereicht. Carrousel sangen auf der ESC-Bühne von einem Rendez-vous. Nicolas Fraussunet aus Tolochenaz VD mit «Lève-toi» - auch er hatte kein Glück. Bereits bei «DSDS» bewies Jesse Ritch, dass er Talent hat. Er zückte alle Register und holte sich mit Schlangenfrau Nina Burri akrobatische Unterstützung auf die Bühne. Gereicht hat es dennoch nicht. Anthony der Monkey mit Bananen-Mikro und Backgroundsängerinnen. Die Heilsarmee sammelt für einmal keine Spenden, sondern Stimmen. Nill Klemm folgte auf die Affen und die Heilsarmee - der Waadtländer und seine Ladies blieben aber chancenlos. Bewusst setzte das Schweizer Fernsehen nur internationale Gäste in die Jury. Sie sollten die Kandidaten auf ihr europäisches Talent prüfen. Schweizer mit ausländischen Wurzeln sollten frischen Wind in die Sendung bringen - wie die Diplomatentochter aus Schweden (2.v.r.). Gaststar des ESC-Vorentscheidungsabend 2012 war Hella von Sinnen. Die neun Finalisten für den Schweizer Vorentscheid des Eurovision Song Contest im Portrait: Neben der Heilsarmee mit «You and Me» kommen heute Abend auch noch folgende Künstler zum Zug: Der Zürcher Anthony Bighead mit seinem Spass-Track «Do The Monkey» ... ... Ex-«DSDS»-Kandidat Jesse Ritch mit «Forever & A Day» ... ... Melissa aus Neyruz VD mit «The Point Of No Return» ... ... das jurassische Duo Carrousel mit «J'avais rendez-vous» ... ... Chiara Dubey aus Ronco sopra Ascona TI mit «Bella sera» ... ... die Tessinerin Ally mit «Catch Me» ... ... Nicolas Fraussunet aus Tolochenaz VD mit «Lève-toi» ... ... und Nill Klemm aus Pully VD mit «On My Way».

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Im Frühling 2013 könnte die sechsköpfige Heilsarmee-Band ins schwedische Malmö reisen, um dort die Schweiz am ESC 2013 zu vertreten. Doch ihre Uniformen werden zuhause im Schrank bleiben müssen. «Die Heilsarmee darf ihre Uniform nicht tragen, weil das Reglement es verbietet, dass der Eurovision-Auftritt für Werbezwecke genutzt wird», so Jarmo Siim gegenüber 20 Minuten Online. Dies betreffe auch Non-Profit-Organisationen wie die Heilsarmee. «Die Band muss Kostüme tragen, welche keine Assoziation zur Heilsarmee wecken - so sehr wir deren wohltätige Arbeit auch schätzen.»

Doch der Probleme sind damit noch nicht genug. Die Heilsarmee muss sich auch einen neuen Namen einfallen lassen: «Unter dem Namen 'Heilsarmee' darf die Gruppe nicht am ESC auftreten», bestätigt ESC-Sprecher Siim. Es müsse ein neuer Name gefunden werden, der keine Verbindung zur christlichen Organisation herstelle. Immerhin sei die Heilsarmee auch eine Marke. «Eine McDonald's-Band würden wir auch nicht zulassen», erklärt Siim.

Heilsarmee ist enttäuscht

Das SRF ist über die Forderungen informiert. Bei der Heilsarmee ist man konsterniert. «Wir sind erstaunt über die Auflagen der EBU, da wir weder eine politische noch eine kommerzielle Organisation sind. Aber die Entscheidung, was regelkonform ist und was nicht, liegt nicht bei uns.» Die Enttäuschung ist gross: «Wir haben versucht, so authentisch wie möglich zu sein. Das TV-Publikum hat für uns als Gesamtpaket abgestimmt. Ohne Uniform hätten wir bestimmt weniger Stimmen bekommen», so Heilsarmee-Sprecher Martin Künzi. Er glaubt, die Siegeschancen in Malmö seien durch die neuen Auflagen geschmälert: «Als irgendeine Band, die «You and Me» singt, werden wir weniger Erfolg haben.» Ob sich die Heilsarmee aus dem Wettbewerb zurückzieht, will sie am Dienstag, 18. Dezember entscheiden.

Roman Camenzind, dessen Firma HitMill den Heilsarmee-Song geschrieben und produziert hat, sieht den ganzen Trubel positiv: «Für uns ist das Ganze nur von Vorteil. Die Solidarität und das Interesse werden durch die ganze Geschichte nur noch steigen. Jeder in Europa wird wissen, wer da auf der Bühne steht.» Er würde es bedauern, wenn die Heilsarmee nicht nach Malmö fahren würde, doch: «Ich werde jeden Entscheid der Heilsarmee zu 100 Prozent mittragen.»

Mitte Januar wird das zuständige Gremium in einer Sitzung befinden, ob der Schweizer Beitrag die Kriterien der Europäischen Rundfunkunion (EBU) erfüllt. Bis im März hat die Heilsarmee spätestens Zeit, allen Forderungen nachzukommen, ansonsten wird sie disqualifiziert. «Uns liegt aber daran, dass es nicht so weit kommen muss», sagt Siim.

Beim Song selbst bestehen keine Probleme. Nicht gestattet sind gemäss den Regeln der EBU Lieder, die eine politische oder kommerzielle Botschaft enthalten. Beim Siegertitel «You and Me» ist dies nicht der Fall, bestätigt ESC-Sprecher Siim.

Welchen neuen Namen würden Sie der Heilsarmee empfehlen? Oder soll sie es gleich lassen mit dem ESC? Diskutieren Sie im Talkback mit!

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Ausgewählte Leser-Kommentare

The Booths ( William Booth war Begründer der Heilsarmee ) Eine Namensänderung zu seinen Ehren ? Booths werden auch Markt-, Ausstellungs-, Abgesonderte Abteile in Restaurants bezeichnet. Ausserdem hat zu Boots gute Assoziationen : Snow-Boots ( Abenteuer ) – mipo

Denkt doch nicht immer so negativ! Das ist das Beste was dieser Gruppe passieren konnte. Ganz Europa berichtet jetzt darüber. Und jetzt geben wir der Gruppe noch einen provokativen Namen wie "No Name" oder "Forbidden Name" und jeder Kommentor wird vor dem Lied erklären, wieso diese Gruppe so heisst - perfekt! – Tim L.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Wilms am 17.12.2012 19:24 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Schweizer Einsendung o. Heilsarmee

    Wenn die Heilsarmee nicht im Uniform und unter ihre Name, Heilsarmee oder Salvation Army, auftreten kann oder darf, dann sollen sie einfach verzichten. Mehr noch, die SRG soll niemand schicken und so das ESC 2013 boykottieren.

  • Süneli am 17.12.2012 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade.....

    Genau das macht ja die Heilsarmee aus!!!!!! Ihre Uniformen und der Name! Nur so hätten wir eine kleine Chance gehabt. Heissen sie XY und haben XY Kleider an, sind wir wieder mal farblos und langweilig. Zero Points garantiert.

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  • Olivier am 17.12.2012 20:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egal mit Uniform oder ohne

    Switzerland zero points. Der Name spielt da auch keine Rolle mehr.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Roland Screta am 19.12.2012 19:18 Report Diesen Beitrag melden

    Die Band heisst einfach "Heilsarmee"

    Eurovision meint doch Tatsächlich, das Heilsarmee keine Band ist, sondern nur eine Organisation, so hat sie mir jedenfalls geantwortet. Lordi (Gewinner 2006) die auch Uniform und Maske getragen haben, war eine Bank und nicht eine Organisation. Jedenfalls sah ich an mehreren Musikstücke der Heilsarmee, wo unter Band "Heilsarmee" gestanden ist. Und z.B. Beetles und andere schreiben auch ihr Name. Also heisst die Band "Heilsarmee" und dann ist ja alles gut. Oder mit welcher Ausrede kommt EBU jetzt? Rolli

  • Jürg Fischer am 19.12.2012 07:35 Report Diesen Beitrag melden

    Heile Welt

    Mein Vorschlag: "Heile Welt" . Das fängt gleich an und tönt ähnlich. In Sachen Bekleidung würde ich vorschlagen, dass sie in der gleichen Uniform und Mütze antreten aber einfach ohne Beschriftung.

  • Ursus Major am 18.12.2012 23:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Liebe Heilsarmee

    Also es ist doch ganz einfach: Die Idee es Prince nachzumachen ist sehr gut: "The Band Formaly Known As Salvation Army Band" Kurz und ein wunderbarer Zungenbrecher für alle Kommentatoren: "TBFKASAB" alternativ: Angels need no Name. Von den Uniformen nehmt Ihr alle Insignien weg und fertig. Punkt. Ganz einfach und ohne sich zu verbiegen.

  • Mario am 18.12.2012 15:52 Report Diesen Beitrag melden

    Vorschlag

    "The Whoever" ... so kann sich jeder einen Namen aussuchen.

  • tizio am 18.12.2012 15:37 Report Diesen Beitrag melden

    keine andere länder haben so ein problem

    nene....es geht nicht um die musik...die schweiz wollte punkten NUR wegen dir uniform.... weil bis jetzt so oder so waren NIE im final ....ha ha ha das jammern ist doch typisch schweizerisch...ha ha ha