Nach Echo-Aus

25. April 2018 14:41; Akt: 25.04.2018 19:04 Print

Musikpreise gibts nur noch für nette Rapper

Nach dem Eklat um Kollegah und Farid Bang wird der «Echo» abgeschafft. Die Plattenfirma BMG trennt sich von den Rappern und in der Schweiz will man ebenfalls Anpassungen vornehmen.

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Aus für den Echo: Gegen die Preisvergabe an ein als judenfeindlich kritisiertes Rap-Album gab es massiven Protest. Jetzt zieht der Branchenverband Konsequenzen. Auch die Veranstalter der Swiss Music Awards werden aktiv: Sie überarbeiten das Reglement, wie «Radio 1» am Mittwoch berichtete.

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Den Musikpreis Echo wird es in Zukunft nicht mehr geben. Das teilte der Bundesverband Musikindustrie am Mittwoch in Berlin mit. Er reagierte damit auf die Kontroverse um die Preisvergabe an ein als judenfeindlich kritisiertes Album der Rapper Kollegah und Farid Bang.

Die Marke Echo sei so stark beschädigt worden, dass ein vollständiger Neuanfang notwendig sei, heisst es in der Mitteilung. Das ziehe auch eine Neuaufstellung beim Echo Klassik und beim Echo Jazz nach sich. Die anstehenden Jazz-Preise sollen am 31. Mai in Hamburg in kleinerem Kreis ohne TV-Inszenierung verliehen werden.

Echo für immer beschädigt

Das prämierte Rap-Album «JBG3» enthält Textzeilen wie «Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen» und «Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow». Nach der Preisverleihung hatten zahlreiche Musiker aus Protest ihre Echos zurückgeben – darunter Stardirigent Daniel Barenboim und Marius-Müller Westernhagen.

Deutschland brauche als drittgrösster Musikmarkt der Welt «zur genre- und generationsübergreifenden Auszeichnung von Künstlerinnen und Künstlern» weiterhin «Musikpreise mit Leuchtturm-Charakter». Man wolle jedoch keinesfalls, dass dieser Musikpreis als Plattform für Antisemitismus, Frauenverachtung, Homophobie oder Gewaltverharmlosung wahrgenommen werde, teilte der Bundesverband mit.

Das um den diesjährigen Echo herum Geschehene, wofür der Vorstand sich entschuldigt habe, könne zwar nicht mehr rückgängig gemacht werden, man werde aber dafür sorgen, dass sich ein solcher Fehler in Zukunft nicht wiederhole, heisst es in der Mitteilung des Verbandes.

«Werden gegebenenfalls Anpassungen vornehmen»

Wie Oliver Rosa, Organisator der Swiss Music Awards, gegenüber «Radio 1» sagte, begrüsst er den Schritt der Echo-Veranstalter.
Gegenüber 20 Minuten relativiert Rosa: Man überarbeite das Regelement ohnehin jedes Jahr. «Das ist ein laufender Prozess und gegebenenfalls werden wir nun ebenfalls Anpassungen vornehmen.»

«In Bezug auf Text oder andere künstlerische Interpretationen, die man gesellschaftlich nicht so im Raum stehen lassen will, haben wir Möglichkeiten das Reglement der SMA anzupassen», so Rosa. Er sieht die Entscheidung gegen den Echo also eine Möglichkeit, den Weg für einen neuen Musikpreis zu ebnen.

Plattenfirma beendet Zusammenarbeit mit Rappern

Die Plattenfirma Bertelsmann Music Group (BMG) hat sich von den Rappern Farid Bang und Kollegah getrennt. Das geht aus einer Erklärung der Bertelsmann-Tochter hervor, die der Deutschen Presse-Agentur seit Mittwoch vorliegt.

«BMG hat die Zusammenarbeit mit den Künstlern Kollegah und Farid Bang beendet», heisst es in der Stellungnahme. Zum genauen Zeitpunkt der Trennung wollte sich ein Sprecher nicht äussern. Zuvor hatten das «Westfalen-Blatt» in Bielefeld und «Die Glocke» (Oelde) über das Vertragsende berichtet. In der vergangenen Woche hatte BMG angekündigt, die Zusammenarbeit mit den Rappern vorerst ruhen zu lassen.

BMG hatte in Kooperation mit den Musik-Labels Banger Musik und Alpha Music Empire der Rapper Farid Bang und Kollegah 2017 das umstrittene Album «Jung, Brutal, Gutaussehend 3» veröffentlicht.

(hal/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mina am 25.04.2018 15:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Heuchlerisch

    Vorweg: Ich möchte die beiden auf keinen Fall in Schutz nehmen! Die Textzeile geht gar nicht! Aber skandalöser finde ich das Verhalten der Stars und Sternchen, die jetzt alle so irrsinnig empört sind und sogar ihre Auszeichnungen zurück geben. Ich behaupte mal die Meisten in dem Saal wussten vorher schon, wer nominiert war. Und nur ein einziger hat den Mund an dem Abend auf gemacht (Campino)! Man hätte aus Protest gehen können, aber nein, man bleibt gemütlich sitzen, in der Hoffnung am Abend auch noch mit einer hübschen Trophäe Heim zu gehen.

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  • Mark Myword am 25.04.2018 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Selfdistruction countdown

    Die Echo Organisation hat sich gerade selbst die Existenzberechtigung entzogen. Eine Platform für Hetzer und Ewiggestrige braucht es nicht. HipHop ist ein alter Zopf, die zwei Protagonisten hingegen auch.

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  • Werner am 25.04.2018 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Falsche Richtung

    Sowas peinliches aber auch. Die zwei Rapper kann man mögen oder nicht. Tatsache ist aber, dass sie den Preis bekommen haben weil sie viele Tonträger verkauft haben. Jetzt den Preis abzuschaffen ist falsch. Man müsste die Diskussion starten, warum überhaupt so viele die Tonträger von den Zwei gekauft haben. Mit dem Verbot ist nichts erreicht. Es wird nur unter den Teppich gewischt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ling Young am 30.04.2018 08:05 Report Diesen Beitrag melden

    Net ,nein aber Menschenwürdig

    Das hat doch nichts zu tun mit Net , jeder oder Jede die über Massenmord der Deutschen Witze machen gehören nicht in die Öffentlichkeit , was Deutschland 39-45 tätigt war das grösste Verbrechen der Geschichte

  • Markus Wegmann am 26.04.2018 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Ignorieren, Wegsehen, Zensieren

    Anstatt sich mit dem Geschehen auseinanderzusetzen, neue Kleber drauf, heisst jetzt anders, ist was anderes, die Leute sind die gleichen. Sich mit dem geschehenen jedesmal aufs neue auseinandersetzen? auf keinen Fall. Und ein Preis der wegen Verkaufszahlen vergeben wird, den muss man vergeben, aber auch da, die Preisvergabe ist schlimm und nicht, das so viele Leute diese Musik gekauft haben (und somit legitmiert (wenigstens die Preisvergabe, wer setzt sich schon mit den Liedtexten auseinander?)). Solche Feigenblätter sind einer aufgeklärten Gesellschaft unwürdig.

  • Prince OG 2 am 26.04.2018 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    Gangster Rap

    Gibt es ca. seit 1985 und offenbar kommen die Leute immer noch nicht darauf klar... Nicht alles was gesagt wird ist 1 zu 1 auch so gemeint. Also bitte kümmert euch um wichtigere Sachen als über die beiden zu haten. Und ausserdem gibt es solche Zeilen schon viel länger aber davon wusstet ihr ja nichts, weil ihr einfach noch eure Meinung dazu geben wollte, weil momentan jeder darüber spricht...

  • Prince Jr am 26.04.2018 09:57 Report Diesen Beitrag melden

    Man kann auch übertreiben

    In ihren "Antisemitischen Zeilen" haben sie nie eine Religion oder eine Herkunft beleidigt. Sie haben gelegentlich einen vergleich gemacht, der etwas riskant ist. Aber wie man weiss darf man in Deutschrap alles sagen... Es gab schon immer Theater um die ganzen Gangster Rap Texte wie z.B. bei Bushido schon vor Jahren und was hat es gebracht darüber zu motzen? Nichts

  • Steff am See am 26.04.2018 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    wo ist da das Problem

    Rapper sind Rapper und Musiker sind Musiker. Rapper haben die Geschichte und Musiker die Melodie.