Kollegah und Farid Bang

16. April 2018 11:19; Akt: 16.04.2018 16:28 Print

Neue Regeln nach Preis für Skandalrapper?

Die Verleihung eines Echos an die Rapper Kollegah und Farid Bang hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Nun wollen die Veranstalter Konsequenzen daraus ziehen.

Was Farid Bang und Kollegah zur Kritik an der Verleihung zu sagen haben.

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Mit dem Eklat um die Auszeichnung der Rapper Kollegah (33) und Farid Bang (31) ist aus dem wichtigsten deutschen Musikpreis der «Echo der Schande» geworden, wie die «Bild»-Zeitung in der Folge die Preisverleihung konsequent bezeichnete. Die Veranstalter reagieren nun endlich auf die Kritik.

«Als Konsequenz wird der Preis auf Entscheidung des Vorstands nun überarbeitet werden», erklärte Florian Drücke, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Musikindustrie, am Sonntag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Das schliesse die «umfassende Analyse und die Erneuerung der mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen» ein. Was konkret an den Regeln geändert wird, sagte Drücke noch nicht.

«Das rückt den Preis in ein falsches Licht»

Die beiden Rapper waren vergangenen Donnerstag für ihr als antisemitisch und gewaltverherrlichend kritisiertes Album «Jung, brutal, gutaussehend 3» mit dem wichtigsten deutschen Musikpreis ausgezeichnet worden. Es enthält die Textzeilen «Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen» und «Mache wieder mal 'nen Holocaust, komm' an mit dem Molotow».

Bildstrecke: So zeigen sich Kollegah und Bang nach der Verleihung auf Instagram.
So zeigen sich Farid Bang und Kollegah nach dem Echo

Empörung gab es auch, weil die Ehrung für die Rapper am 12. April war: Dem Tag, an dem besonders in Israel an die sechs Millionen ermordeten Juden erinnert wird. Die Kritik an der Verleihung riss auch am Wochenende nicht ab.

«Im Zuge der aktuellen Debatte mussten wir erkennen, dass wir uns in einem Umfeld wiederfinden, das den Preis in ein falsches Licht rückt», betonte Drücke. «Das darf nicht ohne Konsequenzen bleiben.» Er betonte, der Verband und Veranstalter des Echo lehne jede Art von Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Frauenfeindlichkeit, Homophobie und Gewaltverherrlichung ab.

Gleicher Modus gilt bei den Swiss Music Awards

«Die Art und Weise der öffentlichen Befassung mit der Auszeichnung des Albums führte zu einer Welle der Betroffenheit, die uns sehr bestürzt und die den Preis überhöht und zugleich überfordert.» Der Verband werde die vom Echo-Beirat angeregte Diskussion um die Kunstfreiheit und ihre Grenzen mit den verschiedenen Beteiligten innerhalb und ausserhalb der Branche wie angekündigt weiterführen.

Das Problem sitzt vor allem an der Gewichtung der Verkaufsergebnisse – wie das im Übrigen auch bei den Swiss Music Awards der Fall ist. Die Verleihung der Echo-Trophäen richtet sich in den meisten Kategorien nach dem Ergebnis der Verkäufe und einer darauf folgenden Juryabstimmung. In strittigen Fällen wird ein Beirat angerufen. Im Fall des Rap-Albums hiess es vor der Verleihung, die künstlerische Freiheit sei in dem Text «nicht so wesentlich übertreten», dass ein Ausschluss gerechtfertigt wäre.

Hörst und magst du die Musik von Kollegah und Farid Bang?

Kurz vor der Award-Show verkündeten die beiden Rapper via Instagram, dass sie mit ihrem umstrittenen Album in Deutschland Platin- und in der Schweiz Gold-Status erreicht haben: «Wir bedanken uns bei allen Fans, die das möglich gemacht haben!» Übrigens: Am 5. Mai treten die umstrittenen Musiker in Schaffhausen auf.

Was hältst du von der ganzen Debatte um die Auszeichnung von Farid Bang und Kollegah? Hörst und magst du die Musik der Rapper? Ist das noch im Rahmen der künstlerischen Freiheit? Sag uns deine Meinung mittels untenstehendem Formular.

(fim/sda)