Am ESC in Malmö

17. Dezember 2012 14:12; Akt: 11.05.2013 01:26 Print

Heilsarmee kann auf viele Schäfchen zählen

Die Schweiz holt mal zero Points, mal ein paar zerquetschte Punkte. Am Eurovision Song Contest 2013 siehts womöglich besser aus – die Heilsarmee ist in 24 von 38 ESC-Staaten vertreten.

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Neues Outfit, neues Glück: Mit weissem Hemd und schwarzer Hose will Takasa, wie sich die Heilsarmee neu nennt, in Malmö punkten. Reichlich langweilig – haben Sie einen besseren Vorschlag? Die Überraschung ist perfekt: Die Schweiz wird am Eurovision Song Contest 2013 von der Heilsarmee vertreten. Das Fernsehpublikum wählte die sechsköpfige Heilsarmee-Band aus den neun Finalisten aus und kürte die christliche Freikirche zum grossen Sieger des Abends. Der 94-jährige (!!!) Bassist Emil Ramsauer freut sich zusammen mit Sängerin Sarah Breiter. Sie machten sich erfolglos zum Affen: Anthony Bighead hatten mit ihrem Song «Do The Monkey» keine Chance gegen die Heilsarmee. Und das obwohl Anthony mit Jurorin Hella von Sinnen auf Kuschelkurs ging. Durch den Abend führte, na wer wohl, Sven Epiney. Die deutsche Komikerin Hella von Sinnen war das prominenteste Jury-Mitglied. Die bekennende Lesbe machte keinen Hehl daraus, dass sie mit der Wahl der Heilsarmee nicht zufrieden ist. «Ich war eindeutig für Jesse. Wenn nicht er, wer dann? Dass die Schweiz nun mehr Erfolg damit haben wird, alte Leute und die Heilsarmee zu schicken, weiss ich nicht», so der Comedy-Star. Melissa performte «The Point Of No Return», ging aber trotzdem leer aus. Obwohl sie mit ihrem Auftritt optisch ein Highlight setzte und Sven Epiney ihn als Feuerwerk beschrieb. Ally aus dem Tessin durfte ihr Können als Erste unter Beweis stellen - Höschenblitzer inklusive. Chiara mit der Startnummer zwei hoffte am Samstagabend, den 15. Dezember, auf ihren ersten Kuss. Vielleicht bekam sie ja ein Trostbussi, denn zum Sieg hat es nicht gereicht. Carrousel sangen auf der ESC-Bühne von einem Rendez-vous. Nicolas Fraussunet aus Tolochenaz VD mit «Lève-toi» - auch er hatte kein Glück. Bereits bei «DSDS» bewies Jesse Ritch, dass er Talent hat. Er zückte alle Register und holte sich mit Schlangenfrau Nina Burri akrobatische Unterstützung auf die Bühne. Gereicht hat es dennoch nicht. Anthony der Monkey mit Bananen-Mikro und Backgroundsängerinnen. Die Heilsarmee sammelt für einmal keine Spenden, sondern Stimmen. Nill Klemm folgte auf die Affen und die Heilsarmee - der Waadtländer und seine Ladies blieben aber chancenlos. Bewusst setzte das Schweizer Fernsehen nur internationale Gäste in die Jury. Sie sollten die Kandidaten auf ihr europäisches Talent prüfen. Schweizer mit ausländischen Wurzeln sollten frischen Wind in die Sendung bringen - wie die Diplomatentochter aus Schweden (2.v.r.). Gaststar des ESC-Vorentscheidungsabend 2012 war Hella von Sinnen. Die neun Finalisten für den Schweizer Vorentscheid des Eurovision Song Contest im Portrait: Neben der Heilsarmee mit «You and Me» kommen heute Abend auch noch folgende Künstler zum Zug: Der Zürcher Anthony Bighead mit seinem Spass-Track «Do The Monkey» ... ... Ex-«DSDS»-Kandidat Jesse Ritch mit «Forever & A Day» ... ... Melissa aus Neyruz VD mit «The Point Of No Return» ... ... das jurassische Duo Carrousel mit «J'avais rendez-vous» ... ... Chiara Dubey aus Ronco sopra Ascona TI mit «Bella sera» ... ... die Tessinerin Ally mit «Catch Me» ... ... Nicolas Fraussunet aus Tolochenaz VD mit «Lève-toi» ... ... und Nill Klemm aus Pully VD mit «On My Way».

Zum Thema
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Seit Gunvors historischem letzten Platz am Eurovision Song Contest in Birmingham 1998 gehört «Schweiz: Zero Points» zum Alltags-ESC-Wortschatz. Gunvor sang vielen Schweizern mit ihrem Lied «Lass ihn» aus dem Herzen. Lass ihn, den ESC. Doch nach Pleiten, Schlappen und der Einführung des Publikums-Voting beim SRF (ehemals SF) blitzt jetzt ein zarter Hoffnungsschimmer auf. Wir schicken 2013 die Heilsarmee ans Sängertreffen nach Malmö. Die hat nicht nur Unterstützung von oben, sondern auch ganz viel von unten.

Soldaten an die ESC-Front

Die Heilsarmee oder Salvation Army gehört zu den grössten gemeinnützigen Organisationen der Welt. Das bringt viele Vorteile mit sich. Konkret: In 24 von 38 ESC-Staaten sind die Soldatinnen und Soldaten der Heilsarmee im Dienst. Auch in den stimmenträchtigen Balkanstaaten sind die Söldner vor dem Herrn aktiv (Ausnahmen, siehe Box).

Der Umkehrschluss liegt nahe: Mobilisiert die Heilsarmee an allen Fronten ihre Kräfte, haben die Heilsarmisten aus der schönen Schweiz mit ihrem Song «You and Me» womöglich wirklich eine Chance auf eine gute Platzierung. Die Kehrseite: Die christliche Freikirche mit ihrer konservativen Einstellung und Skepsis gegenüber gleichgeschlechtlicher Liebe könnte zum Problem werden. Die homosexuelle Community ist stark am ESC. Experten-Panel-Mitglied Hella von Sinnen bringt das gegenüber 20 Minuten Online auf den Punkt: «Sie werden keine Punkte von den Homosexuellen Europas erhalten. Wer uns nicht unterstützt, den unterstützen wir auch nicht.»

Durchzogene Forums-Bilanz

So oder so: Die erste Schlacht ist gewonnen. Und auch die Brüder und Schwestern der Heilsarmee-Dachorganisation in London verkünden die frohe Botschaft. Die Nachricht um die helvetischen Kollegen und ihren musikalischen Höhenflug ist auf der offiziellen Homepage als TopNews verlinkt. Im Forum auf der offiziellen Eurovision-Homepage Eurovision.tv gehen die Meinungen zum Schweizer Beitrag auseinander. Der Song gefällt, haut die Forums-Teilnehmer allerdings nicht aus den Socken. Für mehr Begeisterung sorgt Heilsarmee-Opa Emil. Er gilt in der Diskussion als Geheimwaffe. User HelloThereEurope aus England hofft auf einen Breakdance des Kontrabassisten. Grobbel aus Holland wirft der Heilsarmee Propaganda vor. Der Mehrheit der User gefällt das muntere Liedchen aus dem Hause HitMill.

Und den Schweizer SRF-Zuschauern augenscheinlich auch. Ob die Rechnung aufgeht, muss sich zeigen. So oder so kann sich die Heilsarmee immer herausreden: Es war ja nur für den guten Zweck.

PR-Coup oder einfach ein gutes Lied? Was halten Sie vom Schweizer ESC-Beitrag 2013? Diskutieren Sie mit im Talkback.

(bbe)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Jeder soll und kann seine eigene Meinung haben. Solange man den anderen trotzdem sein Leben leben lässt, ist dass doch kein Problem. Aber genauso wie heute nicht alle Menschen die Ehe gut finden, gibt es eben auch Menschen die zur Homosexualität eine andere Meinung haben. Nicht dass ich das gut finde, denn für mich sind vor Gott alle Menschen gleich, aber solang nicht versucht wird, denn anderen seine eigenen Überzeugungen aufzuzwingen, gilt für mich leben und leben lassen. – Stefan

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Heidi am 17.12.2012 15:31 Report Diesen Beitrag melden

    Gratulation!

    Guter Song und alt und jung zusammen! Finde ich toll! Ja ,auch Xavier Naidoo, Samuel Koch, Nina Hagen bekennen sich soviel ich weiss zum Christentum. Toleranz? Ich kenne keine andere Religion die sagt: Liebe Deinen Nächsten.....andere Ansichten kann man aber doch stehen lassen....

  • Ich lach mich schlapp. am 17.12.2012 15:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Toleranz?

    Die Gay-Lobby fordert von der Heilsarmee Toleranz. Hella von Sinnen verkündet: "Wer uns nicht unterstützt, den unterstützen wir auch nicht." Aha, etwas fordern was man selbst nicht hat. Alles klar! Die Heilsarmee sagt: "Wir haben nichts gegen Gays." Wer ist hier intolerant?

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  • Stefan Meier am 17.12.2012 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    ESC-Finale

    Einfach ein gutes Lied :). Simpel und geht ins Ohr. Wie alle Lieder die je vorne plaziert waren. Obwohl, wenn interessiert eigentlich den ESC?

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ralph Schmid am 20.12.2012 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Super

    Gooo for heilarmee ist doch ein richtig schönes lied, die werden sich in die herzen der zuschauer singen.

  • Manuela Berlinger am 20.12.2012 02:12 Report Diesen Beitrag melden

    Modern und fetzig - logisch, Heilsarmee

    Die Heilsarmee zeigt, dass sie auch junge musikalische Leute hat und die haben sie wirklich, manche sogar mit Musikstudium! Sie bietet auch Musiklager und Songwriterwettbewerbe an. Jung und alt musiziert zusammen. Na also, so eine vielfältige Band findet die Schweiz nicht so schnell wieder.

  • Enzo Rossi am 18.12.2012 13:08 Report Diesen Beitrag melden

    Lieber Carrousel...

    Als "Heilsarmee" dürfen sie ja offenbar gar nicht antreten und die Uniformen dürfen auch nicht mitkommen. Da bleibt man lieber konsequent, lässt auch die Sänger zuhause und schickt mit "Carrousel" den viel besseren Beitrag!

  • Sascha am 18.12.2012 05:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gagnam

    Ohne uniform? Ich bin mir sicher, die heilsarmee wird im gagnam style erscheinen -:)

  • Tina am 17.12.2012 22:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    CD

    Die Heilsarmee hat doch mit diesem Song schon gewonnen! Ein Ohrwurm, dem hoffentlich noch einige folgen! Eine CD, mit solchen Ohrwürmern wäre noch bessere Werbung, welche sicher viele ansprechen würde.