24'000 Bewerber

29. Januar 2018 16:10; Akt: 29.01.2018 16:10 Print

So wird man Sitzfüller bei den Grammys

Sobald Stars wie Rihanna oder Bruno Mars auf die Bühne (oder die Toilette) müssen, setzen sich unbekannte Gäste auf ihre Stühle – die sogenannten Sitzfüller.

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Für den grössten Lacher des Abends sorgte die Tochter von Pop-Diva Beyoncé (36) und Rapper Jay Z (48). Während die Sängerin für alle anderen Queen Bey ist, ist sie für Blue Ivy einfach nur Mama – und Mama kann auch mal peinlich sein. Während die Sängerin und ihr Ehemann bei der Rede von Sängerin Camila Cabello (20) applaudierten, schritt Blue ein: Der 6-Jährigen war dies offenbar unangenehm. Sie signalisierte ihren Eltern, sie mögen sich doch bitte beruhigen und aufhören zu klatschen. Für die Twitter-Gemeinde ein ... ... gefundenes Fressen. Ein User schreibt zu der Szene: «Blue Ivy hat gesprochen ... Mom, es ist noch nicht der richtige Zeitpunkt zum Klatschen.» Ein anderer: «Blue Ivy muss ihre Eltern beruhigen, weil sie das Ende der Rede noch hören will.» Die meisten Twitter-User sind sich aber einig: «Blue Ivy ist jetzt schon eine Legende.» Hunde gehen immer. Und deshalb bekamen auch jene Künstler, die bei den diesjährigen Grammys leer ausgingen, als Trost einen Welpen überreicht. Auf Twitter meldeten sich auch prompt andere Musiker zu Wort, die ihren süssen Preis noch nicht erhalten haben: «Ich habe meinen Hunde-Trostpreis noch nicht erhalten. Ihr schuldet mir noch einen Welpen» schrieb etwa Kelly Clarkson. Ihre Kollegin Natasha Beddingfield schrieb: «Der beste Trostpreis überhaupt. Ich wünsche, sie hätten mir damals auch einen Hund geschenkt, als ich den Award für ‹Best Pop Vocal› nicht bekommen habe.» Die Tierschutzorganisation Peta findet ... ... die Aktion aber ganz und gar nicht lustig. «Sehr traurig, dass die Veranstalter der #GRAMMYs Hunde als witzigen Trostpreis verschenkt haben. Tiere sind kein Spielzeug», heisst es auf der offiziellen Twitter-Seite. Rapperin Cardi B wurde am roten Teppich vor der Verleihung gefragt, wie es ihr gehe und ob sie nervös sei. Ihre Antwort darauf: «Mit geht es gut. Ich habe Schmetterlinge im Bauch und in meiner Vagina.» Ah, ja. Sänger Ed Sheeran war zwar nicht bei der Verleihung vor Ort, gewann aber dennoch den Preis in der Kategorie «Best Pop Solo Performance» für seinen Hit «Shape of You» und setzte sich damit gegen seine Mitstreiterinnen Kelly Clarkson, Kesha, Lady Gaga und Pink durch. Dafür muss er sich nun heftige Kritik auf Social Media gefallen lassen. Jemand schrieb: «Zu sehen, wie grossartige Sängerinnen gegen Ed Sheeran verlieren, war wohl das traurigste Erlebnis bei den Grammys 2018.» Eine weitere: «Wenn ich Ed Sheeran wäre, wäre ich heute Abend auch nicht zu den Grammys gekommen.» Seinen Preis nahmen die Präsentatoren Jon Batiste (Bild, rechts) und Gary Clark Jr. stellvertretend entgegen. Sängerin Kesha lieferte eine hochemotionale Interpretation ihrer Ballade «Praying», die sie zusammen mit anderen Stars sang. Die Künstlerinnen waren allesamt in Weiss gekleidet und setzten damit ein solidarisches Zeichen gegen sexuelle Übergriffe sowie für die berufliche Gleichberechtigung von Frauen. Der autobiografische Song richtete sich offensichtlich gegen ihren früheren Produzenten Dr. Luke, dem sie vorwirft, sie vergewaltigt und psychisch gequält zu haben. Der Produzent weist die Vorwürfe zurück. In einem vorab aufgezeichneten Video versuchten zahlreiche Musikstars wie Snoop Dogg, Cher, John Legend und Cardi B Passagen aus dem Besteller und Trump-Enthüllungsbuch «Fire und Fury» vorzutragen und teilten damit gegen den amtierenden Präsidenten aus. Rapperin Cardi B. fragte dabei: «Warum lese ich diesen Scheiss überhaupt?» Auch Hillary Clinton erschien in dem Clip und trug eine Passage aus dem Buch über das Weisse Haus vor.

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Am Sonntagabend (Ortszeit) fand im New Yorker Madison Square Garden die 60. Grammy-Verleihung statt. Künstler wie Lady Gaga, Rihanna und Kesha performten auf der Bühne, Bruno Mars und Kendrick Lamar freuten sich über zahlreiche Preise und Hillary Clinton, Rapperin Cardi B, John Legend, Cher sowie Snoop Dogg schlugen politische Töne an.

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Auch eine Handvoll Nicht-Promis wollten die Verleihung live vor Ort mitverfolgen – und bewarben sich deshalb bei der Agentur Seatfillers and More. Ihre Chance auf ein Ticket: Sie müssen die leeren Plätze füllen, wenn die Stargäste auf die Bühne gehen, die Toilette aufsuchen oder sich bei der Bar eine Erfrischung holen. Wenn die Kameras nämlich über das Publikum schwenken, soll der Zuschauer zuhause auf keinen Fall leere Sitze sehen – die Veranstaltung soll schliesslich superbegehrt und spannend rüberkommen.

Umfangreicher Background-Check

Wie man einen der unbezahlten Jobs bekommt, verrät Ted Absher, der Chef von Seatfillers and More gegenüber der «New York Post»: «Wir hatten für die diesjährigen Grammys 24'000 Bewerber. Aus all diesen wählt der Computer per Zufallsgenerator 350 Gewinner aus.» Die Glücklichen werden anschliessend Hintergrund-Checks unterzogen, Kriminalakten werden untersucht, und es wird sichergestellt, dass die Personen keine Vorstrafen haben.

Zusätzlich erhält auch das Security-Personal der Stars die Namenslisten und muss sein Einverständnis geben. Als Platzfüller gilt es auch, einen Dresscode einzuhalten. «Wir bitten die Männer, im Anzug oder Smoking zu kommen, die Frauen tragen Kleider», so der Chef. Wer sich nicht daran hält, wird sofort bei der Ankunft wieder nach Hause geschickt.

Manche Stars kehren nicht zu ihrem Platz zurück

Welchen Platz man einnimmt, hängt allerdings von der Optik ab: «Wenn jemand auftaucht, der vielleicht nicht so kameratauglich ist, dann platzieren wir ihn meistens an einen Platz, wo die Kameras nicht so oft hinkommen. Aber wir erlauben allen, teilzunehmen – ungeachtet ihrer Herkunft, Form und Grösse», verrät Absher weiter.

Hat man den Kleider-Check erfolgreich bestanden, heisst es warten, warten und noch mal warten. So lange, bis der offizielle Anweiser kommt und einen in den Saal zu seinem vorübergehenden Platz führt. Manchmal nimmt ein Füller nur für wenige Minuten, ab und an sogar bis zum Ende der Show den Sitz ein. Denn es gibt immer wieder Stars, die nicht zu ihrem Platz zurückkehren, weil sie sich lieber backstage amüsieren, wie der Chef von Seatfillers and More weiss.

Zur absoluten Verschwiegenheit verpflichtet

Es gilt zwar als No-Go, mit einem prominenten Sitznachbarn zu sprechen, dennoch ergeben sich scheinbar auch nette Unterhaltungen. So kam etwa der Amerikaner Jeff Soblowski mit seinem Sitznachbarn Chris Rock (52) ins Gespräch. Mit etwas Glück sieht man sich später sogar selbst im Fernsehen – wie der Marketing-Experte und Ex-Platzhalter Corey Benick (31), der bei den letztjährigen Grammys zwanzig Minuten lange den Platz von Rihanna (29) warm hielt.

Sprechen dürfen die Platzfüller aber eigentlich nicht über ihre Erlebnisse. Vor ihrem Einsatz müssen sie nämlich ein Papier unterschreiben, auf dem sie sich zur absoluten Verschwiegenheit verpflichten.

In der Bildstrecke können Sie noch einmal die Grammy-Momente Revue passieren lassen, die bei der Verleihung 2018 am meisten zu reden gaben.


(kao)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Amani.92 am 29.01.2018 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..

    Also die Person welche hinter Beyonce sitzt, sieht sicher nichts mehr dank ihren schönen Hut.

  • FJ am 29.01.2018 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Englisch

    Disappointed heisst enttäuscht und nicht traurig.

Die neusten Leser-Kommentare

  • FJ am 29.01.2018 18:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Englisch

    Disappointed heisst enttäuscht und nicht traurig.

  • Amani.92 am 29.01.2018 16:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ..

    Also die Person welche hinter Beyonce sitzt, sieht sicher nichts mehr dank ihren schönen Hut.