Motörhead-Lemmy

29. Dezember 2015 18:36; Akt: 29.12.2015 18:36 Print

Speed, Whiskey und Sex mit über 1000 Frauen

Nur zwei Tage nach seiner Krebsdiagnose verstarb Motörhead-Sänger Lemmy Kilmister. Er würde nicht wollen, dass wir trauern. Wir sollten sein Leben feiern.

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Lemmy ist tot. Im Alter von 70 Jahren starb der Motörhead-Sänger - nur zwei Tage, nachdem bei ihm Krebs diagnostiziert worden war. Mit seiner Band hat er in vier Jahrzehnten 22 Studioalben veröffentlicht und nach allen Regeln des Rock'n'Roll gelebt. Drogen beherrschten schon früh Lemmys Leben. Seine erste Band Hawkwind schmiss ihn raus, nachdem er wegen Drogenbesitzes fünf Tage im Gefängnis verbracht hatte. «Ich habe einen Song über Speed geschrieben, das hat sie gestört», sagte er über seine früheren Kollegen. Der Titel des Songs: Motörhead. Später sollte ihn Lemmy als Name für seine eigene Band benutzen. Seinen Drogenkonsum rechtfertigt er mit Hedonismus: «Wenn du nie etwas getan hast, das dir schadet, hast du ein sehr ödes Leben. Alles, was im Leben Spass macht, ist gefährlich. Hast du das schon einmal bemerkt?» Angeblich warf er sich zu seiner Zeit bei Hawkwind einmal seinen ganzen Vorrat Amphetamine ein, damit die Polizei diese nicht konfiszieren konnte, woraufhin Lemmy ins Koma fiel. «Das Jahr 1971 war eine grossartige Zeit», sagte er über seine jungen Jahre. «Ich kann mich zwar nicht erinnern, aber ich werde sie nie vergessen.» «Ich bin so froh, dass ich die Sechzigerjahre erlebt habe. Die Leute verstehen nicht, was sie verpasst haben: Wir haben unser Bewusstsein weiter gepusht, unseren Lebensstil. Es war aufregend: Kein AIDS, die Leute starben noch nicht so häufig an Drogenmissbrauch und es war einfach eine Zeit der Freiheit und des Wandels.» Auch mit Frauen hatte der Motörhead-Sänger seinen Spass. Es kursierten Gerüchte, Lemmy habe mit über 2000 Frauen geschlafen. Er selbst gibt sich bescheidener: «Ich sagte, es waren mehr als tausend. Die haben dann einfach 2000 daraus gemacht.» «Wenn du Rockstar werden willst, dann sei gefälligst auch einer. Die Leute wollen nicht ihren Nachbarn auf der Bühne sehen, sondern ein Wesen von einem anderen Planeten. Du willst jemanden sehen, der dir im normalen Leben nie begegnen würde.» Ab seinem 30 Geburtstag soll Lemmy jeden Tag eine Flasche Jack Daniel's getrunken haben. 2013 stieg er seiner Gesundheit zuliebe auf Vodka-Orangensaft um. Vernünftig wurde er nie, trotzdem musste Lemmy in den letzten Jahren etwas bremsen. «Ich bin in einem Pool voller Kotze von anderen Menschen aufgewacht und konnte mich nicht an sie erinnern. Das war zu viel.» Man darf das nicht falsch interpretieren - Lemmy war zeitlebens stolz auf seinen Rock'n'Roll-Lifestyle: «Ich sage nicht, man soll keinen Spass haben oder sich nicht ab und zu eine Linie gönnen. Aber mach es nicht zu deinem Leben.» Der Mann mit Hut geriet auch immer wieder in die Kritik wegen seiner Sammlung von Nazi-Utensilien. Er besass unzählige Uniformen, Flaggen und sogar einen deutschen Panzer. Trotzdem wollte er nichts mit nationalsozialistischem Gedankengut am Hut haben: «Ich bin kein Nazi, nur weil ich eine Uniform besitze», sagte er. In seinen Augen hätten einfach die Bösen immer am besten ausgesehen. «Schau dir die SS-Uniform nur an, sie ist brillant!» «Ich verstehe nicht, wie man glauben kann, dass etwas weggeht, wenn man es einfach ignoriert. Das ist komplett falsch - wenn man etwas ignoriert, wird es nur stärker. Europa hat Hitler 20 Jahre lang ignoriert. Danach hat er einen Viertel der Menschheit getötet.» «Ich mag die Wahrheit, weil sie viele Leute wütend macht. Wenn du ihnen oft genug zeigst, dass ihr Argument Bullshit ist, wird vielleicht einer von ihnen irgendwann sagen 'Oh, stimmt, ich hatte unrecht'. Für diesen Moment lebe ich - aber es passiert sehr selten.» Man darf davon ausgehen, dass Lemmy bis zum Schluss zufrieden war. «Ich bereue nichts», pflegte er zu sagen. «Reue ist sinnlos. Du hast es ja schon gemacht - du hast dein Leben gelebt. Es nützt dir nichts, zu wünschen, es wäre anders.» Lemmy war zeitlebens eine Ikone. Er würde jedoch kaum wollen, dass man ihn nach seinem Tod glorifiziert: «Scheiss auf diesen Über-die-Toten-sagt-man-nur-Gutes-Mist. Die Leute werden nicht besser, nur weil sie tot sind - man spricht nur besser über sie. Das sind immer noch Arschlöcher, einfach tote Arschlöcher.» Bereits Jahre vor seinem 70. Geburtstag sagte Lemmy: «Der Tod ist unvermeidbar, nicht? Das wird einem in meinem Alter immer mehr bewusst. Aber ich mache mir keine Sorgen. Ich bin bereit zu gehen. Wenn ich gehe, dann während ich das tue, was ich am besten kann. Sollte ich morgen sterben, würde ich mich nicht beschweren. Es war gut.»

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Ian Fraser «Lemmy» Kilmister, Gründungsmitglied, Sänger und Bassist der Band Motörhead, ist tot. Wie die Band mitteilt, verstarb Lemmy am 28. Dezember bei sich zuhause. Vier Tage zuvor hatte er noch seinen 70. Geburtstag gefeiert.

Er hätte nicht gewollt, dass wir trauern. Er hätte uns als «Pussies» bezeichnet. Auch die Band fordert: «Feiert das Leben, das dieser liebenswerte Mann selber so gefeiert hat.» Deshalb blicken wir zurück auf die turbulente Karriere des Motörhead-Sängers.

Verhaftet und aus der Band geschmissen

«Meine früheste Erinnerung ist, dass ich geschrien habe», sagte der Brite über seine Kindheit. «Vielleicht war ich schon am Proben.» In den Rockzirkus gelangte er als Roadie von Jimi Hendrix. Der Legende nach war er dafür verantwortlich, für die Band Drogen zu besorgen.

Auch den Sex Pistols griff Lemmy unter die Arme: Mitte der Siebzigerjahre brachte er dem relativ untalentierten Bassisten Sid Vicious das Spielen bei. Auf Vicious' Feststellung «ich kann nicht Bass spielen» habe Lemmy nur geantwortet: «Ich weiss.»

Aus seiner ersten Band Hawkwind wurde Lemmy wegen seines Hangs zu Drogen rausgeschmissen. «Ich habe einen Song über Speed geschrieben, das hat sie gestört», sagte er. Der Titel des Songs: «Motorhead». Als Lemmy auch noch der Drogen wegen verhaftet wurde und fünf Tage im Gefängnis sass, liessen ihn seine Kollegen endgültig fallen. 1975 gründete der damals 30-Jährige dann seine eigene Band – als Name benutzte er den Titel seines Hawkwind-Songs: Motörhead.

«Die bösen Jungs haben die besten Uniformen»

Lemmy pfiff sich so ziemlich alles rein, was er finden konnte – ausser Heroin, dem er laut eigener Aussage abgeneigt war. Vor allem Speed und harter Alkohol waren seine Drogen.

Auch den unzähligen Groupie-Versuchungen konnte er nicht widerstehen. 2005 behauptete der TV-Sender Channel 4, der Motörhead-Frontmann habe mit über 2000 Frauen geschlafen. Eine Zahl, die Lemmy selbst nach unten korrigierte: «Ich sagte, es waren mehr als tausend. Die haben dann einfach 2000 daraus gemacht», kommentierte er.

Schlagzeilen machte auch seine Sammlung von Nazi-Utensilien. Lemmy trägt ein eisernes Kreuz auf seiner Bassgitarre, besitzt einen deutschen Panzer und erntete einen Shitstorm, als er sich 2008 in einer Nazi-Uniform ablichten liess. Gegen die Vorwürfe wehrte er sich heftig: «Die bösen Jungs hatten schon immer die besten Uniformen», sagte er. «Ich bin kein Nazi, nur weil ich eine Uniform besitze.» Er sehe sich selbst als «Anti-Faschisten, Anti-Kommunisten – gegen all die Extreme».

«Du hast dein Leben gelebt»

2010 erschien mit «Lemmy» ein Dokumentarfilm über das Leben des Sängers. Darin prahlte er unter anderem damit, seit seinem 30. Geburtstag jeden Tag eine Flasche Jack Daniel's geleert zu haben. Abseits der Kamera führte er jedoch bereits ein – verhältnismässig – vernünftigeres Leben. «Ich bin in einem Pool voller Kotze von anderen Menschen aufgewacht und konnte mich nicht an sie erinnern», sagt Lemmy über den Wendepunkt.

Später musste sich Lemmy von seinem geliebten Jack Daniel's verabschieden. Der Arzt verbot ihm den Drink, den er immer mit Cola genossen hat, wegen Diabetes. Lemmy wechselte zu Vodka-Orange. Und obschon Lemmy nach dem Frühstück den ersten Drink trank, sagte er: «Ich sage nicht, man soll keinen Spass haben oder sich nicht ab und zu eine Linie gönnen. Aber mach es nicht zu deinem Leben.»

Er hatte es zu seinem Leben gemacht. Und er wird es kaum bereuen. Davon hält Lemmy sowieso wenig: «Reue ist sinnlos», pflegte er zu sagen. «Du hast es ja schon gemacht – du hast dein Leben gelebt. Es nützt dir nichts zu wünschen, es wäre anders.»

Er sei sich im Alter seiner Sterblichkeit immer mehr bewusst geworden, sagte Lemmy am Schluss. Angst hatte er jedoch nie: «Sollte ich morgen sterben, würde ich mich nicht beschweren. Es war gut.»

(nei)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Artussi am 29.12.2015 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Guter Beitrag

    Danke für diesen Beitrag. So schade um ihn.

  • DJ Summer In Love 69 am 29.12.2015 19:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rest in Peace Lemmy!

    Lemmy war noch ein richtiger Rocker und hat seine Musik gelebt! R.I.P. Seine Musik aber wird ewig weiter leben.

  • Fan am 29.12.2015 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rock n Roll

    R.I.P. Lemmy, Du hast meine Jugend geprägt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Pantoffelpunk am 30.12.2015 08:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    R.I.P Lemmy

    Rock den Himmel

  • Jane38 am 30.12.2015 08:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    rock and roll

    nun er hat gelebt wie man sich einen rocker vorstellt. ruhe in frieden

  • Pantoffelpunk am 30.12.2015 04:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rock den Himmel

    Rock den Himmel

  • Martin Brändle am 30.12.2015 01:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Verdient - aber nich' meins....

    Kein Thema: Lemmy hat die Rock-Szene maßgeblich geprägt, ist wohl "mit schuld", dass viele andere tolle Bands existieren - also einen Platz im Rock-Olymp hat er sich redlich verdient. Mir war er einfach nie sympathisch, konnte weder mit seiner Musik noch mit der Bürsten-Stimme was anfangen - und ich bin STARK im Rock/Metal verwurzelt! Na ja, sein Andenken in Ehren....

  • Alle Strassen führen "zu Römer" am 29.12.2015 22:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lemmy, die "Orgasmatron Rock-Legende"

    Lemmy wird wegen seinem krassen Lebensstil, seinen lauten Konzeten und natürlich wegen seinem Rock als "Orgasmatron Rock-Legende" unvergesslich bleiben. Seine kratzige Stimme und seine Art, nach oben zu singen sind einzigartig. Unglaublich, dass er trotz seines Lebensstils 70 Jahre alt geworden ist ! Rest in Peace Lemmy.