Ed-Sheeran-Songs geblockt

15. März 2017 07:01; Akt: 15.03.2017 08:54 Print

Wie eine Schweizer Regel die Charts verfälscht

von Martin Fischer - Ed Sheeran setzt mit seinem neuen Album weltweit neue Charts- und Verkaufsrekorde. Nur in der Schweiz wird sein Erfolg geschmälert – wegen einer eigenartigen Regel.

Ed Sheeran spricht im Interview mit 20 Minuten über seine Zeit in der Schweiz. (Interview und Video: Schimun Krausz)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Ed Sheeran baut gerade die grösste Charts-Dominanz aller Zeiten: Mit aktuell neun Songs hat er die britischen Top Ten zugemauert. In den Top 20 sind sogar 16 Sheeran-Songs vertreten – sämtliche Tracks des Albums «Divide», das gleichzeitig natürlich auf Rang 1 eingestiegen ist. Das gab es noch nie.

Umfrage
Was halten Sie von der Schweizer Sonderregel, dass nur drei Songs pro Künstler in die Charts kommen dürfen?

Von Sheeran beherrscht sind auch die deutschen Charts: Dort haben es sechs Stücke in die obersten 20 Ränge geschafft. Ebenfalls eine Bestmarke. Auch in der Schweiz führt nichts an Ed vorbei: Das Album steigt direkt an der Spitze ein – Goldstatus ist bereits erreicht, das heisst, über 10’000 Einheiten sind abgesetzt.

Nur drei Songs pro Künstler erlaubt

Drei Singles hat Ed zudem in den Schweizer Top Ten: «Shape of You» auf Rang 1, «Castle on a Hill» auf Rang 3, «Perfect» auf Rang 7. Wer aber auf die aktuellen iTunes- oder Spotify-Charts schaut, sieht: Nach Streaming- und Verkaufszahlen hätte der 26-Jährige ein Dutzend Songs in den Platzierungen.

Wieso stehen die nicht in den offiziellen Charts? Im Reglement gibt es eine Eigenheit: Nicht mehr als drei Songs eines Künstlers dürfen in den Top 100 sein. «Falls mehr als drei Titel vom gleichen Künstler gewertet werden könnten, sind nur die drei besten Rangierungen in den Single-Charts aufzulisten», heisst es dort. Ausnahmen sind aber möglich: etwa bei «Todesfällen oder besonderen Auszeichnungen von Künstlern».

Die Regel verhindert neuen Rekord

Doch warum diese Regelung? «In den Single-Charts sollen nur Single-Auskopplungen gewertet werden. Also Titel, die aktiv promotet werden», erklärt Andreas Renggli, Geschäftsführer von GfK Entertainment, der Firma, die die Hitparade für die Schweiz im Auftrag des Musiklabel-Verbandes Ifpi erstellt. «Alle anderen Titel sind Album-Titel, die einzeln gekauft werden können. Diese sind in den Albumcharts repräsentiert.»

Damit wolle man eine «klarere Abgrenzung zu den Album-Charts», so Renggli weiter. Andere Länder kennen diese Einschränkung nicht. Die Charts gelten jedoch als Abbildung der Streaming- und Verkaufsrealität im Musikmarkt. Verfälscht diese Regel nicht die Hitparade und entzieht ihr so die Aussagekraft?

Renggli wehrt ab: Die GfK halte sich an das Reglement, das von der Chartkommission verfasst wurde und online einsehbar ist. Als Fazit bleibt: Eine Schweizer Eigenart verhindert, dass Ed Sheeran auch bei uns neue Chartrekorde setzt.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Deshalb können Storys, die älter sind als 2 Tage, nicht mehr kommentiert werden. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • StanX am 15.03.2017 07:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Veraltete & unnötige Regelung

    Im Download-Zeitalter ist die Unterscheidung zwischen Single und Einzeltitel überflüssig. Die Hitparade soll gefälligst zeigen, was gekauft wurde.

    einklappen einklappen
  • Oldie am 15.03.2017 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Charts

    Kaufe nur was mir gefällt und dabei spielt es keine Rolle wie die Charts aussehen, ob Single oder Album. Auch nicht wenn das Radio 20x den gleichen Song im Tag abspielt, was sehr nervig werden kann.

  • Mike am 15.03.2017 07:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gute Regelung

    Und jetzt wurde mir klar, warum ich in unseren Charts immer viel mehr gute Songs finde als in den Deutschen. Ich finde diese Regelung toll.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Thom am 16.03.2017 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Bee Gees Schuld?

    Und ich dachte schon die Bee Gees seien Schuld gewesen. In der USA gab es damals ein Bee Gees Boykott, weil diese auch die Charts zugepflastert hatten.

  • Bearlybear am 16.03.2017 00:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein danke!

    Und dabei ist es ein solch uninspiriertes und laues Album. Schon erschreckend, wie das Business Musik funktioniert.

  • Pez am 15.03.2017 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Konkurrenzlos?

    Erbärmlich fibde ich dass es sonst anscheinend nicht genug gute Bands hat die einem einzelnen Künstler paroli bieten könnten !

  • Stef182 am 15.03.2017 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einzelne Titel auf physischen Alben..

    Ich finde die Regel in der Schweiz grundsätzlich gut. Es kann nicht sein, dass sämtliche Titel eines Album dank Streaming und Downloads in die Single-Charts kommen solange die Alben noch als CD oder Vinyl verkauft werden. Dort werden die einzelnen Lieder ja auch nicht für die Singlecharts berücksichtigt sondern "nur" für die Albumcharts. Generell ist es sowieso schwierig eine gerechte Hitparade zu führen die Streaming, Downloads, Airplays, physische Tonträgern, usw. vereint. Die Frage ob es überhaupt noch eine Hitparade braucht ist dahin gestellt.

  • Simon Keller am 15.03.2017 17:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gott sei Dank

    Top Regel. Sonst kann man gar kein Radio mehr hören!